Nach uns die Sintflut

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Nach uns die Sintflut

Von Alex Bänninger, 03.12.2015

Die Umwelt kollabiert erst in der Zukunft. Darum glauben wir, für Gegenmassnahmen sei noch alle Zeit.

Die Erwartungen an den Klimagipfel in Paris sind hoch. Aber nicht von allen Seiten. Denn das Zwei-Grad-Ziel ist nur mit einschneidenden Umstellungen erreichbar. So glaubwürdig die Voraussagen zur Bedrohung unseres Planeten sind, als so schwierig erweisen sich die politischen Konsequenzen.

Ein Beispiel liefern National- und Ständerat, die für die Initiative "Grüne Wirtschaft" die Ampel auf Rot stellten. Auch der indirekte Gegenvorschlag des Bundesrates fährt aufs Stoppsignal zu. Keine ökologische Vorlage ist perfekt. Das gilt zwar für jede Vorlage, aber ausserhalb der Ökologie finden sich Kompromisse. Beim Umweltschutz prallen Ideologien unversöhnlich aufeinander.

Mit dem gleichen Denken in absoluten Kategorien wäre das politische Handeln auch auf allen anderen Gebieten blockiert. Das ist nicht der Fall, weil die Folgen eines gesetzgeberischen Stillstands kurzfristig spürbar sind. Die Meeresspiegel indessen steigen langsam. Die Sintflut kommt nach uns. Warum also soll die Politik die Wähler heute verärgern mit Massnahmen, von denen erst die nächste Generation profitiert? Weil auf dem aktuellen Sorgenbarometer von GFS und CS die Umwelt weit hinten rangiert. Die Volksvertreter sind wahre Volksvertreter.

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Kommentare

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Die längst als ruinös und zerstörerisch erkannte Wachstums- Verschleiss-, und Profit-Wirtschaft ist das Hauptproblem. Ihr wird alles geopfert. Sie läuft nach dem Prinzip: "Was nicht will rentieren, soll sofort krepieren." Und die Öffentlichkeit ist gegenüber privaten Profiteuren (die in Paris nur im Hintergrund als Saboteure agierten) so weit geschwächt, dass sie kaum mehr ein Chance hat. Das zeigt sich erschreckend bei den heimlichen Verhandlungen über Tisa und TTIP: Künftig sollen Staaten und Gemeinden, die ihre Umwelt oder ihre Werktätigen durch Gesetze schützen und Probleme gemeinsam angehen wollen (Suva, Berner Gebäudeversicherung, Alp- und Wasserversorgungsgenossenschaften) durch US-Grosskonzerne vor geheim tagende Femengerichte (Schiedsgerichte) gezerrt werden und dort abgeurteilt werden können, weil sie "die Profite schmälern" oder den sakrosankten "Handel hemmen". Unsere schwächsten Bundesräte (Schneider-Ammann) machen dabei willfährig mit. Erforderlich wäre längst eine konsequente Wirtschaft "aus der Region für die Region". Doch gemacht wird das Gegenteil. Es bleibt wenig Hoffnung.
N. Ramseyer

genau, lasst uns doch die CO2 Ausstossverminderung im Kanton Appenzell Innerrhoden als Massstab und Vorbild für die Chinesen positiv zur Kenntnis nehmen. Jemand muss ja beginnen, nicht wahr?

Auch in der Schweiz könnte man mehr in Solarzellen und Windkraftwerke in investieren als in die Rüstung. Mit fünf Milliarden Franken wäre viel zu machen. Die 21. Weltklimakonferenz in Paris muss gelingen, heisst es. Doch das Schwergewicht liegt heute nicht beim Umweltschutz. Es wird wieder hüben wie drüben mehr aufgerüstet. Dabei: Mit einem Bruchteil der Mittel die für die Rüstung vergeudet werden, könnte beim Klimaschutz viel bewirkt werden. Weltweit betrugen die Militärausgaben im letzten Jahr 1776 Milliarden US-Dollar. Allein die USA investierten im vergangenen Jahr 610 Milliarden Dollar in den Kriegsapparat. Die Journalistin Sara Flounders bezeichnete das Pentagon, die US-Kriegsmaschine, einen Klima Elefanten, als den schlimmsten Treibhausgas-Verschmutzer der Welt.

Mit 610 Milliarden US Dollar könnten in den Vereinigten Staaten bei über 20 Millionen Haushalten Solarzellen montiert werden. Sie würden damit weitgehend unabhängig vom Stromnetz, von Kohle- Öl- Gas- und Atomkraftwerken. (gerechnet 30'000 USD pro Haushalt) In der Schweiz wird mit einem jährlichen Aufwand von rund fünf Milliarden für das Militär gerechnet. Mit diesem Geld wäre es möglich bei ca. 160'000 Haushalten eine Solarzellenanlage zu erstellen.

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