„Moralisch ungeeignet“

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„Moralisch ungeeignet“

Von Heiner Hug, 15.02.2019

Jubel, Trubel, Hindenburg. Der neugewählte 77-jährige frühere Generalfeldmarschall fährt im offenen Auto durch die Strassen von Berlin.

Zehntausende sind gekommen und feiern. Der alte Herr strahlt etwas Majestätisches, etwas Ehrfurchtsvolles aus. Kinder schwenken Fähnchen, Männer winken mit ihren Hüten, Frauen singen das Deutschlandlied. Jetzt hatten sie ihn wieder, den „glänzenden Repräsentanten des deutschen Reichs“.

Wenige Jahre zuvor: Hindenburgs Vorgänger, der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert fährt im offenen Wagen durch die Strassen von Berlin. Ein paar Hundert Leute stehen da, still, teilnahmslos, niemand jubelt, niemand singt, niemand schwenkt Hüte.

Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik, appellierte an die Vernunft, an den Verstand. Hindenburg hingegen appellierte an die Gefühle, die Eingeweide.

Glockengeläut, Blaskeppellen

Deutschland war süchtig nach ihm. Hindenburg war eine Symbolfigur, er repräsentierte die verloren gegangene Blüte des kaiserlichen Deutschlands. Wie war man damals stolz auf sein Land. Wie wurde jeweils am 2. September der Sedan-Tag gefeiert. Er erinnerte an den deutschen Sieg über Frankreich im Jahr 1870. Vaterländische Lieder wurden gesungen, die Glocken läuteten, Lobreden, Dankesgebete, die wilhelminische Garde zog durch feierlich geschmückte Strassen. Die deutschen Fürsten paradierten in Uniform.

Auch die Geburtstage des Kaisers und seiner Gemahlin wurden mit Pomp inszeniert. Die Kinder hatten schulfrei und schwenkten Fähnchen, überall Blaskappellen und patriotische Reden.

Die Monarchie war doch so schön

Und jetzt? Der Kaiser: weg. Elsass-Lothringen: weg, die Ostgebiete: weg. Deutschland: ausgeblutet, ausgeliefert den einstigen Erzfeinden Frankreich und Grossbritannien. Der Krieg ist verloren, 1,8 Millionen Soldaten starben. Arbeitslosigkeit, Inflation, Elend, Terror von links und rechts. Was soll da die Demokratie? Die Monarchie war doch so schön.


Von Hindenburg (Bild: Deutsches Bundesarchiv) repräsentierte das angeblich glorreiche Gestern. „Er strahlte eine Autorität aus, die seine tatsächliche Bedeutung weit überstieg“, schreibt der Historiker Horst Möller. Friedrich Eberts Lebensweg sei Symbol für das Heute, für das Morgen gewesen. Hindenburgs Lebensweg stand für das Gestern. Er, der militärisch Hauptverantwortliche für die Kriegsniederlage, der dann mit der Dolchstosslegende versuchte, sich zu rehabilitieren, hat wesentlichen Anteil am Scheitern der Weimarer Republik. Die Frage, wieweit er für die Machtergreifung Hitlers ist, wird von Historikern kontrovers diskutiert.

Charakterlich ist an dem alten Herrn einiges auszusetzen. Seine früheren Freunde und engen Mitarbeiter liess er nach Belieben fallen. Seine Illoyalität war sprichwörtlich. Er hatte Mühe, Zusammenhänge zu sehen und behandelte seine Untergebenen wie Schuljungen. „Für eine glänzende militärische Laufbahn reichten seine Charaktereigenschaften offenbar aus“, schreibt Möller. Er sei ein „Exponent altpreussisch-ständischen Denkens“ gewesen. Für das Amt des Reichspräsidenten habe ihm „jegliche politische und moralische Eignung“ gefehlt.

„Die Hälfte des Volkes ist durchgefallen“

Der Tod von Friedrich Ebert im Februar 1925 war eine der grössten Zäsuren in der Weimarer Republik. Dass Hindenburg zu seinem Nachfolger gewählt wurde, ist auch den Kommunisten anzulasten. Zur Wahl von Eberts Nachfolger kandidierte neben Hindenburg der respektierte Zentrumspolitiker Wilhelm Marx, der auch von den Sozialdemokraten unterstützt wurde.

Doch die Kommunisten beharrten auf ihrem aussichtlosen Zählkandidaten Ernst Thälmann. So wurden die Anti-Hindenburg-Stimmen gesplittet und Hindenburg wurde gewählt. Wäre Wilhelm Marx Nachfolger von Ebert geworden, wäre Deutschland vielleicht einiges erspart geblieben.

Der liberale Publizist und Schriftsteller Theodor Wolff, schrieb nach den Wahlen im Berliner Tageblatt: „Die gestrige Wahl war eine Intelligenzprüfung ... ungefähr die Hälfte des deutschen Volkes (ist) in dieser Prüfung durchgefallen.“

Der „ahnungslose Greis“?

Mit der Wahl Hindenburgs wurde das Rad zurückgedreht. Der frühere Generalfeldmarschall war ein verkappter Gegner der Republik und Befürworter einer starken, autoritären Führung. Den Parlamentarismus betrachtete er als Zeitverschwendung. Und so regierte er denn auch. Die Sozialdemokraten bezeichneten ihn als „ahnungslosen Greis“, dessen Naivität und politische Unerfahrenheit von seiner wilhelminischen Entourage ausgenutzt wurde. Doch so ahnungslos war er nicht. Er wusste genau, was er wollte. Er wollte die alte Elite zurück an die Macht bringen.

Der Schriftsteller Bernhard Kellermann warf diesen alten Machthabern „eine erschreckende Mentalität“ vor. Er kritisierte „ihren Hochmut, ihre politische Beschränktheit, ihre bedenkenlose Habgier, ihr gewissenloser Egoismus, ihre geistige und seelische Dürftigkeit ...“

Hindenburg liess sich gerne feiern. Kurz nach seinem Amtsantritt räumten die Franzosen das besetzte Ruhrgebiet. Hindenburg stattete Bochum einen Besuch ab und wurde als Befreier gefeiert.

Hindenburg mit dem Oberbürgermeister von Bochum, Ruer. (Bild: Deutsches Bundesarchiv, September 1925, Fotograf: Georg Pahl, Bild
Bild 102-01841)
Hindenburg mit dem Oberbürgermeister von Bochum, Ruer. (Bild: Deutsches Bundesarchiv, September 1925, Fotograf: Georg Pahl, Bild
Bild 102-01841)

Alleinschuld Deutschlands?

Wie konnte es soweit kommen? Viele Deutsche sehnten sich nach einer Rehabilitierung. Doch die war weit weg. Den bisherigen Weimarer Regierungen unter Reichspräsident Ebert war vorgeworfen worden, den Versailler „Kapitulationsvertrag“ zu unterzeichnen. Doch Ebert und andere besonnene Politiker betonten immer wieder, sie hätten keine Wahl. Deutschland hatte den Krieg verloren und musste sich nun dem „Friedensdiktat“ der Siegermächte beugen.

Der Vertrag sah nicht nur grosse Gebietsabtretungen und die Zahlung horrender Reparationsleistungen vor – am meisten schmerzte das, was die Vertragsgegner als „Kriegsschuldlüge“ bezeichneten. Deutschland wurde im Versailler Vertrag als „alleinverantwortlich“ für den Krieg gemacht.

Historischer Unsinn

Doch die meisten Deutsche fühlten sich keineswegs als „Alleinschuldige“ am Krieg. Auch Eugen Schiffer, der Finanzminister der Weimarer Regierung, bezeichnet den 1. Weltkrieg als „Präventivkrieg“. Deutschland sei immer mehr von den Grossmächten Frankreich, England und Russland eingekreist worden. Der Krieg habe zum Ziel gehabt, sich von dieser „Schlinge“, die man Deutschland um den Hals legen wollte, zu befreien.

Zwar ist diese Argumentation historisch gesehen purer Unsinn, sie spülte jedoch viel Wasser auf die Mühlen jener, die den Versailler Vertrag ablehnten.

Frankreich, schuld an Hitlers Aufstieg?

Immer wieder wurde der Versailler Vertrag für den Aufstieg Hitlers verantwortlich gemacht. Die horrenden Reparationszahlungen hätten jeden wirtschaftlichen Aufschwung verhindert, die soziale Misere verschlimmert und so das Terrain für die Nationalsozialisten geebnet. Im verkürzten Klartext hiess das: Frankreich und Grossbritannien, die den Vertrag diktiert hatten, sind schuld daran, dass es zu Hitler gekommen ist.

Mit dieser Argumentation machten es sich viele Deutsche allzu einfach. Sicher haben die im Vertrag geforderten Reparationsleistungen von 132 Milliarden Mark das Land in den ersten Jahren schwer belastet.

All das hat nichts mit Versailles zu tun

Doch dazu kamen viele andere, teils hausgemachte, wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten. Die strukturellen Schwächen der deutschen Wirtschaft bestanden von Anfang an und Politik und Wirtschaft fanden kein Rezept zur Besserung. Die Kaufkraft sank, die Industrieproduktion ging zurück, ebenso das Volkseinkommen, viele Unternehmen gingen Konkurs.

Dazu kam die Weltwirtschaftskrise mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929. Im Februar 1932 waren 6,1 Millionen Deutsche ohne Arbeit. Die Völkischen und Rechtsextremen wollten an die Macht, die Linksextremen ebenfalls. Das Klima der Unsicherheit, der Gewalt, des Terrors, das so geschaffen wurde, lähmte die Regierungsarbeit. Dazu kamen die zersplitterte Parteienlandschaft, der fehlende Wille, Kompromisse zu schliessen, die Spaltung der Arbeiterschaft, der stets drohende Bürgerkrieg, die Unfähigkeit einiger Politiker und die selbstsüchtige Politik einiger Wirtschaftsvertreter – all das hat nichts mit Versailles zu tun.

Obrigkeitsstaatliches Denken

Neben der Sehnsucht nach kaiserlichem Glanz und der Ablehnung des Versailler Vertrages spielte noch ein drittes Element für das Scheitern von Weimar mit – und vielleicht ist es das wichtigste. Die amerikanische und die französische Revolution mit ihren modernen Postulaten von Gleichberechtigung und Gewaltenteilung waren im Kaiserreich an den Deutschen vorbeigegangen.

Der Historiker Heinrich August Winkler spricht von „massiven Vorbehalten gegenüber der westlichen Demokratie“. Diese Vorbehalte habe es in allen Teilen der deutschen Gesellschaft gegeben, „am stärksten aber im gebildeten Bürgertum“. Der tiefe Grund dafür habe „in der obrigkeitlichen Prägung der politischen Kultur Deutschlands“ gelegen. Dieses obrigkeitsstaatliche Denken gab es auch nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs. Das Volk hatte es nicht anders gelernt.

„Auflösung der ersten deutschen Demokratie“

Während der Weimarer Republik regierten zwanzig Regierungen, also im Durchschnitt alle acht Monate eine. In der Bevölkerung entstand eine wachsende Abneigung gegen das Parlament und die Exekutive, die, so hiess es, sich im Kreis drehten.

Der März 1930 war eine weitere wichtige Zäsur. Die vom Sozialdemokraten Hermann Müller geleitete Grosse Koalition wurde gestürzt. Sie zerbrach an der Frage der Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. „Damit begann die Auflösung der ersten deutschen Demokratie“, schreibt Winkler.  Als neuer Reichskanzler wurde der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning eingesetzt, der von einer parlamentarischen Monarchie träumte. Er war zwar kein ausgesprochener Anti-Parlamentarier, stand aber ganz unter der Fuchtel Hindenburgs. Die Macht verlagerte sich jetzt mehr und mehr von der Legislative auf die Exekutive: vom Reichstag auf den Reichspräsidenten und den Reichskanzler. Die Exekutive schaltete, auf Anordnung Hindenburgs, das Parlament immer häufiger aus und regierte mit präsidialen Notverordnungen.

Demokratie à la Hindenburg

Zu den wichtigsten Streitpunkten im Parlament gehörte die Sanierung der Finanzen. Die Regierung und die Rechtsparteien wollten mit Bürgerabgaben das Finanzloch stopfen. Die SPD wehrte sich, dass die Sanierung auf Kosten der Ärmeren geht. Nachdem im Parlament keine Einigung erzielt worden war, wurde das Vorhaben, unter Umgehung des Parlaments, mit einer Notverordnung Hindenburgs in Kraft gesetzt. So funktionierte Demokratie à la Hindenburg. Und wenn ihm das Parlament nicht passte, schickte er es in die Ferien oder löste den Reichstag auf.

Für die SPD war es eine schreckliche Zeit. Hindenburg hasste die Sozialdemokraten und tat alles, um sie von der Regierungsarbeit auszuschliessen. Mit Erfolg. Am 10. April 1932 lief die siebenjährige Amtszeit Hindenburgs aus. Mit seinen 84 Jahren stellte er sich erneut zur Wiederwahl. Sein Konkurrent war jetzt Hitler. Die SPD, von Hindenburg geächtet und gedemütigt, musste sich entscheiden, Hindenburg zu wählen – um das grössere Übel, Hitler, zu vermeiden. Hindenburg dankte es ihr nicht.

(Bild: Deutsches Bundesarchiv, 1932, Plakat 002-016-007)
(Bild: Deutsches Bundesarchiv, 1932, Plakat 002-016-007)

Es musste die Sozialdemokraten arg schmerzen, für den überheblichen Vertreter des preussischen Junkertums zu stimmen.

Plakat der Münchner SPD (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Drucker G.Birk und Co. März 1932, Plakat 002-016-015-T3)
Plakat der Münchner SPD (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Drucker G.Birk und Co. März 1932, Plakat 002-016-015-T3)

Während Hindenburg weiterregierte und ein rechtsstehendes Präsidialsystem anstrebte, zerstritt sich die Linke immer mehr. Die Kommunisten bezeichneten die Sozialdemokraten als Sozio-Faschisten. Die „Deutsche Nationale Volkspartei“ radikalisierte sich und wurde bald zu einem Anhängsel der Hitler-Partei. Auf Regierungschef Brüning folgten die schwachen, Hindenburg-hörigen Kanzler Franz von Papen und Kurt von Schleicher, die beide ohne den Reichstag regierten.

Das Land driftete weiter nach rechts, da half auch Thomas Mann nicht mehr. In seiner „Deutschen Ansprache“ rief er in Berlin dazu auf, sich mit den Sozialdemokraten zu verbünden. Sie allein seien in der Lage, dem „fanatischen Nationalismus der Nationalsozialisten“ Paroli zu bieten.

Mäuse im Kino

Bei den Wahlen am 31. Juli 1932 erreichte Hitlers NSDAP 37,7 Prozent der Stimmen. Die Nazi-Abgeordneten erschienen alle in braunen Hemden im Parlament und verstiessen so gegen das Uniformverbot.  Vor dem Parlament demonstrierten Hundert Nazis und schlugen anschliessend Schaufenster jüdischer Geschäfte ein.

Die Schmach des Krieges wollte man jetzt verdrängen. Die Aufführung der Verfilmung von Erich Maria Remarques Anti-Kriegsbuchs „Im Westen nichts Neues“ wurde verboten. Die Nazis warfen Rauchpetarden in die Kinosäle und setzten Mäuse aus. Man wollte die Niederlage nicht mehr sehen.

Und Hindenburg feierte seinen 85. Geburtstag. „Ergriffen uns barhäuptig verlässt der Reichspräsident von Hindenburg das Gefallenen-Ehrenmahl Unter den Linden", heisst es in Orginalunterschrift zu diesem Bild. Hinter ihm General von Schleicher, der Reichskanzler. (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: Georg Pahl, 2. Oktober 1932, Bild 102-13900).

 

 


Wer hat Hitlers NSDAP gewählt? Die Monarchisten hatten bei den Protestanten mehr Sympathien genossen als bei den Katholiken. Bei der NSDAP war es ebenso. Es waren nicht in erster Linie die „Randständigen“ oder die „Zukurzgekommenen“, die Hitler wählten, sondern es waren Leute aus dem Mittelstand, der Landwirtschaft, der Industrie, viele Beamte und Lehrer, Rentner, Selbständige aus Handel und Gewerbe. Die Arbeiter waren eher unterrepräsentiert. Längst schon hatten sich grosse Teile der Wirtschaft und vor allem der Industrie für Hitler stark gemacht.

„Revolutionäre“ Machtergreifung Hitlers

Und es waren die Jungen. Möller spricht von einem „Sieg des Neuen über das Alte“. Der Nationalsozialismus suggerierte eine Zukunftsperspektive. Obwohl die Nazis legal an die Macht gekommen waren, bezeichnet Möller ihre Machtergreifung als „revolutionär“. Denn nach der Erlangung der Macht, setzten sie die Verfassung und mehrere Grundrechte ausser Kraft und errichteten die totale Diktatur.

Von einer „Revolution von oben“ könne keine Rede sein, schreibt Möller. „Wie die meisten Revolutionen sei diese durch eine Wechselwirkung revolutionärer Schübe von oben und unten, von Führung und Massenbewegung charakterisiert“.

30. Januar 1933

Die SPD-Zeitung „Vorwärts“ sah schon früh Schlimmes kommen. Sie nannte Hitler den „Chef des blutigen Faschismus, dessen Zier die Zerschlagung er Demokratie, die Errichtung der faschistischen Diktatur“ sei.

Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Zu Hindenburgs Ehrrettung muss gesagt sein: Er tat sich schwer mit der Ernennung Hitler und lehnte sie zunächst ab.

Hindenburg und Hitler am 1. Mai 1933 im Lustgaren in Berlin (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: Georg Pahl, Bild 102-14569)
Hindenburg und Hitler am 1. Mai 1933 im Lustgaren in Berlin (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Fotograf: Georg Pahl, Bild 102-14569)

Am 27. Februar brannte der Reichstag und am 5. März erzielte die NSDAP bei den Wahlen – zusammen mit ihrem Anhängsel, der „Deutschen Nationalen Volkspartei“ – über 50 Prozent der Stimmen. Am 24. März beschloss der Reichstag das „Ermächtigungsgesetz“, das Hitler unbeschränkte Macht brachte. Was dann folgte, gehört zum Schrecklichsten, was Europa je erlebt hat.

Tempi passati

Kein Volk hat seine Vergangenheit so schonungslos und gründlich aufgearbeitet wie die Deutschen – die Franzosen nicht und die Italiener schon gar nicht. Der 1. Weltkrieg gilt als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Und die Weimarer Politiker waren die „Konkursverwalter des alten Regimes“, wie es Friedrich Ebert ausdrückte. Er hätte auch sagen können: „Die Sachverwalter der Katastrophe“. Inzwischen hat sich Deutschland „von Grund auf verändert“, sagte kürzlich an einer Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag der 86-jährige Saul Friedländer, dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden. Deutschland sei zu einem „Bollwerk gegen den Nationalismus“ geworden.

                                                   ***

Teil 1: „Ein Gastwirt als Staatspräsident“
Teil 2:
„Reif für irgendeine Diktatur“
Teil 2: „Moralisch ungeeignet“
 

Quellen/Literatur
Horst Möller: Die Weimarer Republik, Demokratie in der Krise, Neuauflage, Piper, 2018.
Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933, Geschichte der ersten deutschen Demokratie, Neuauflage, Beck, 2018.
Sebastian Haffner: Von Bismarck zu Hitler, ein Rückblick, Neuauflage, Knaur, 2014.
Christopher Clark: Von Zeit und Macht, DVA, 2018.

Kommentare

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Danke Herr Hug für diesen interessanten Rückblick auf die Weimarer Republik. Mir ist nach wie vor die Bedeutung und die Rolle der von Röhm kommandierten SA zur Machtergreifung der Nazis nicht ganz klar. Diese militante Organisation erreichte ja zeitweise die Stärke der verbliebenen Wehrmacht und war straff organisiert. Insbesondere würde mich interessieren, wer sie finanzierte und wie sie bei Wahlen zur Einschüchterung der Wähler eingesetzt wurde.

geschätzter redakteur, geschätzte redaktion, ihre trilogie gehört zum besten, was man dieser tage zu weimar liest. seien sie gegruesst wk behrens, hamburg

Vielen Dank für die drei spannenden Geschichtslektionen.
Hoffentlich wird man nie ähnliches über das jetzige Amerika schreiben müssen, das Unheil früherer Regierungen mit dem Vietnamkrieg und kürzlicher Regierungen im nahen Osten genügte vollauf, um einsichtig zu werden, dass Krieg immer der falsche Weg ist. Stets ist es das Volk, das die Rechnung mit Tod, Invalidität und Armut bezahlt. 'Stell Dir vor, es ist Krieg - und keiner geht hin'.
Stell Dir vor, die Milliarden an Geld und Jahrzehnte an Arbeitszeit für Waffenindustrie und Krieg würde für 'Saatgut' für die Menschheitsfamilie und Schöpfung eingesetzt?

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