Kraft und Sprengkraft der Religionen

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Kraft und Sprengkraft der Religionen

Von Stephan Wehowsky, 05.02.2014

Für die Politik ist die Religion ein unsicherer Bündnispartner. Das gilt auch dann, wenn beide sich einig zu sein glauben.

Dass Religionen zu einer Gefahr für die Menschheit werden können, haben die Jahre seit Beginn des neuen Jahrtausends erneut eindringlich vor Augen geführt. Auf den ersten Blick scheinen es lediglich aussereuropäische Religionen zu sein, die Gefahren heraufbeschwören. Das Christentum scheint seine blutigste Zeit bereits hinter sich zu haben.

Gebrochenheit des Christentums

Harmlos ist es deswegen aber noch lange nicht. Auch wenn sich das Christentum in Gestalt der Kirchen an die demokratischen Gesellschaften Mitteleuropas weitgehend angepasst hat, steckt in ihm immer noch und immer wieder das Potenzial zu Orientierungen und Handlungsweisen, die mit demokratischen Regeln nicht vereinbar sind.

Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung in München hat diesem Problem eine Veranstaltungsreihe gewidmet, in der diejenigen Denker zu Worte kamen, die derzeit als führende Zeitdiagnostiker gelten. Um die eigentümliche Gebrochenheit des Christentums im Hinblick auf demokratische Verfahren zu verstehen, sind subtile Untersuchungen nötig. Nicht alle Beiträge führen zu neuen Einsichten, wobei einzelne Autoren sich auch mit rein historischen Fragen und nicht-christlichen Religionen beschäftigen.

Neigung zum Phantastischen

Herausragend aber sind die Analysen des Theologen Friedrich Wilhelm Graf und des Soziologen Hans Joas. Beide legen dar, warum vom Christentum einerseits starke ethische Bindekräfte für die Demokratie ausgehen, auf der anderen Seite aber immer wieder die Gefahr besteht, den Boden demokratischer Prozeduren zu verlassen.

Religiöse Menschen haben eine „kaum kontrollierbare Neigung zum Phantastischen“ stellt Graf in Anlehnung an Georg Wilhelm Friedrich Hegel fest. Damit ist gemeint, dass religiöses Denken in Mythen, Geschichten und Bildern gründet. Religion ist also immer etwas anderes als rationales Denken. Aber die Religion denkt auch, was wiederum dazu führt, dass sie ständig unterschiedlichste Interpretationen hervorbringt.

„Religiöse Symbolsprachen sind eine Art mentaler Software, die sowohl Gutes und Wunderbares als auch Furchtbares, Grausames und Böses bewirken kann.“ Daher lässt sich beim besten Willen nicht behaupten, dass die christliche Religion gewaltfrei oder im Gegenteil gewaltsam, demokratisch oder undemokratisch sei. Alle Optionen sind offen, und man versteht dies nur, wenn man die Eigenart religiöser Vorstellungen berücksichtigt.

Sozialmoralische Ressourcen

Ausführlich schildert Graf, wie diesem Problem seit dem 17. Jahrhundert mit der obrigkeitlichen „Religionspolizei“ begegnet wurde. Man beobachtete also das Treiben der Geistlichen und ihrer Schäfchen, wann man nie ganz sicher sein konnte, weil braver Bürgersinn in Rebellion umschlägt. Umgekehrt konnte die Religion wichtige „sozialmoralische Ressourcen“ für die staatsbürgerliche Loyalität mobilisieren.

Der unbedingte Anspruch religiöser Überzeugungen lässt eben beides zu: Gehorsam und Aufstand. Sehr feinsinnig macht Graf klar, dass ein religiöses Bekenntnis zum demokratischen Staat nicht das Gleiche ist wie areligiöse oder ganz einfach rationale Loyalität. Denn religiöse Überzeugungen nehmen für sich einen höheren Wert als der bloss „prozedurale Formalismus“ rechtsstaatlicher Entscheidungsfindungen in Anspruch.

Fragwürdiges "Wächteramt"

Religiöse Loyalität zum Staat steht immer unter einem religiösen Vorbehalt. Entsprechend hat die Evangelische Kirche in Deutschland erst 1985, also 36 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes, in einer Denkschrift die staatliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland als legitim und für sie verbindlich anerkannt.

Ein Widerspruch ist in den Augen von Graf prinzipiell nicht zu überwinden: Wie soll aus religiöser Überzeugung heraus der Staat als eine verbindliche Ordnung anerkannt werden, die selbst nicht religiösen Ursprungs ist? Pointiert formuliert er: „Religion kann nur durch Religion überwunden werden.“

Nach den Ausführungen von Friedrich Wilhelm Graf versteht man besser, warum Kirchenführer bis heute für sich ein „Wächteramt“ in Anspruch nehmen und sich berufen fühlen, zu allen möglichen Themen im hohen Ton der unwiderleglichen Überzeugung Stellung zu beziehen. Selbst wenn sie von diesem „Wächteramt“ aus Bekenntnisse zu diesem oder jenem demokratischen Grundsatz abgeben, ist man gut beraten, sich klarzumachen, dass die Basis für diese Stellungnahmen eine andere als die des religiös neutralen demokratischen Staates ist.

Autonome Moral

In den unterschiedlichen Stellungnahmen, die im Zuge der Veranstaltungsreihe der Friedrich von Siemens Stiftung zusammengetragen worden sind, lässt sich so etwas wie ein gemeinsamer Nenner feststellen: Die Religionen sterben nicht zu Gunsten der Säkularisierung ab. Man kann also nicht behaupten, dass die technisch-wissenschaftliche Rationalität auf ihrem Siegeszug die Religionen überwinden würde. Vielmehr zeigt sich, dass beide Grössen nebeneinander existieren und sich nicht in der Weise ausschliessen, wie man das sehr lange angenommen hat.

Vor diesem Hintergrund räumt der Soziologe Hans Joas aber auch mit religiösen Vorurteilen auf. So sei die Behauptung absolut falsch, dass der Mensch von Natur aus auf Religion angelegt sei. Die modernen Gesellschaften zeigten, dass viele Menschen wunderbar ohne Religion auskommen. Und es sei eben auch falsch anzunehmen, dass ohne Religion die Moral verfalle. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnten erweisen, dass auch in säkularen Gesellschaften ethisch hochstehende Normen und Werte relevant sind.

Idealbidung

Aber eben: Die Religion ist nicht einfach überholt oder abgelegt. Wie lässt sich ihre Vitalität verstehen? Hans Joas bezieht sich in diesem Zusammenhang auf erstrangige Denker des vergangenen und des vorletzten Jahrhunderts. William James, John Dewey, Josiah Royce in Amerika, der Soziologe Émile Durkheim in Frankreich, Georg Simmel, Max Scheler, Ernst Troeltsch und Max Weber in Deutschland haben die für den Menschen „typische Fähigkeit“ konstatiert, „sich das Ideale vorzustellen und es dem Wirklichen hinzuzufügen“.

In religiöser Sprache würde man von „Selbsttranszendenz“ sprechen, und vor kurzem hat sich auch der Philosoph Peter Sloterdijk mit diesem Phänomen beschäftigt: „Du musst dein Leben ändern“. Einfach ausgedrückt: Der Mensch braucht etwas, das ihn packt, das grösser ist als er selbst und an dem er sein Leben ausrichtet. William James stellte klar, dass „ein völliges Fehlen eines Bezugs zur Idealität beim Individuum mit schwärzester Depression gleichzusetzen“ sei.

Gemeinsame Riten

Das gilt auch für die Gesellschaft: „Zu einer Gesellschaft gehört zentral die Idee, die sie sich von sich selbst macht, und der sie nicht notwendig entspricht, aber zu entsprechen strebt.“ In den Augen von Hans Joas haben die Religionen in ihrem Kern diesen Prozess der Idealbildung. Deswegen wandeln sich die Ideale auch im Laufe der Geschichte. Wie aber gehen diese Prozesse jeweils vor sich? Joas verortet sie in Erlebnissen, herausragenden Personen und Ereignissen, die wiederum in gemeinsamen Riten erinnert und gegenwärtig gehalten werden. Die Idealbildung ist also nicht einfach ein intellektueller Prozess.

Da Ideale immer nur zeitweilig und vorläufig mit konkreten Eliten, also Schamanen, Priestern oder Herrschern gleichgesetzt werden können, steckt in den Religionen immer auch der Sprengstoff der Kritik und der Rebellion. Ganz wie Friedrich Wilhelm Graf sieht auch Hans Joas die tiefe Ambivalenz, die mit den unbedingten Ansprüchen von Idealen einhergehen. Entsprechend vielgestaltig und schwierig ist es für die Staaten, die Religionen für ihre Zwecke zu nutzen und gleichzeitig einzuhegen. Aus diesem Grunde haben alle Länder Europas – Amerika nicht zu vergessen – ganz unterschiedliche Gesetze für den Umgang mit religiösen Gemeinschaften.

Diagnose der Gegenwart

Á propos Amerika: Der deutschstämmige in Amerika lebende und lehrende Kulturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht gibt in seinem einleitenden Beitrag Einblicke in die amerikanischen Eigenheiten, religiöse Überzeugungen mit politischen Optionen zu verbinden und gegebenenfalls wieder zu lösen. Andere Autoren beschäftigen sich eher mit Spezialproblemen, und Jürgen Habermas erklärt wieder einmal seine Theorie des kommunikativen Handelns am Beispiel der Vertreter der Religion, die sich heute als Diskursteilnehmer einer höheren Akzeptanz als in früheren Zeiten erfreuen können.

Der langjährige Direktor der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, der Philosoph Heinrich Meyer, hat mit seiner Veranstaltungsreihe und diesem Band einen wichtigen Beitrag zur Diagnose der Gegenwart geleistet.

Friedrich Wilhelm Graf, Heinrich Meier (Hg.), Politik und Religion. Zur Diagnose der Gegenwart, 324 Seiten, Verlag C. H. Beck, München 2013

Kommentare

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Das Christentum hat die umfassende Kraft der Rationalität erst ermöglicht. Davor herrschte blinder Kult. Beschäftigen Sie sich doch mal mit den Schriften von Benedikt XVI, bevor Sie solch einen Unsinn schreiben. Ihre Perspektive ist ja nur aus der Sicht der "Aufklärung" die sich durch Massenmord und Raub durchgesetzt hat.

Demokratie ist hervorragend für das Christentum - denn der Mensch ist frei. Wir haben ja das Problem das die Definition von Demokratie geändert wird - weg vom Rationalen hin zum Machtorientierten. Da sind Christen - speziell Katholiken - sehr Anarchistisch, auch wenn sich das kaum einer vorstellen kann weil die Katholiken im Westen zu halben Protestanten geworden sind. Aber das ist ihr Problem.

auf Andersdenkende treffen, dann ist es aber sofort aus mit dem Verständnis und der Nächstenliebe.

Die haben dann alle keine Ahnung und schreiben Unsinn.
Deshalb muss der "echte Fromme" sein Gesabber auch nicht erläutern, das verstehen die Bösen eh nicht, und die kommen alle sowieso in die Hölle!

Macht-Hierarchien und ihre Bestrebungen nach Alleinherrschaft. In früheren und einigen heutigen Kulturen haben und hatten noch organisch gewachsene Hierarchien das sagen. Alter, Lebenserfahrung prägen oder prägten den Autoritätsbegriff. In unserer Kultur hat sich das im Laufe der Zeit stark verändert. Die Sucht nach Macht eroberte auch Demokratien. Mit dieser Sucht nach Alleinherrschaft versucht man nun in gewählten Amtsperioden möglichst viel Wasser auf eigene Wiesen zu lenken. Zur unangenehmen Rücksichtnahme auf bestehende Gesetze kommt der Druck, auf ethisch moralische Bedenken die von religiösen Gemeinschaften ausgehen, zusätzlich reagieren zu müssen. Das ist vielen ein Dorn im Auge. Ob Sterbehilfe, Pränataldiagnostik, ob Klonen, Gen-Manipulation, oder alternative Lebenskonzepte. Entgegen dem Motto wünsch dir was wenn du mich dafür wieder wählst stehen Gott sei Dank viele Glaubensgemeinschaften im Weg. Eigeninteressen dominieren trotzdem immer öfter das Geschehen. Für den schnellen Profit und die absolute Staatsmacht ist man bereit, Jahrtausend gewachsenes über Bord zu werfen. Abgesehen davon, dass nicht nur die Privatsphäre bereits in Gefahr ist, (ihre Briefpost wird längst gelesen) wird ethisch verwerfliches selbstverständlich praktiziert. Ein Käfig des totalen Marktes entsteht und ich befürchte, die Gitterstäbe werden nicht mal silbern sein. Duale Systeme (Staat und Kirche) verhindern hingegen Monopolkulturen durch kraftvolle Gegenautoritäten. Vergangenheit kann dabei kein Kriterium sein. Die weltliche Vergangenheit war genau so grausam wie die Religiöse. Trotz den Anpassungsschwierigkeiten an die heutige Zeit bleibt beispielsweise die katholische Kirche der Fels in der Brandung….ist auch der Grund warum dieser Fels ständig attackiert wird. Erich Maria Remarque schrieb: Das Meer unterspült jeden Felsen bis er bricht um sofort den Nächsten zu unterspülen….na dann herzlichst…cathari

ein "duales System"?
Haben wir einerseits einen demokratischen Staat und andererseits eine feste, diktatorische Organisation oder Sekte, dann kann das genau wie ein System "Fels und Brandung" zusammen wirken. Als Fisch im Wasser sehe ich hier nur wenig Vorteile für mich.
Da müsste der Fels schon anfangen zu wuchern und bewachsen, sich entwickeln und verändern, damit ich etwas abbeissen kann.

Das "System Wasser" ist mir jedoch dem göttlichen Gedanken (Leben, Vielfalt, Evolution, Panta rhei...) näher, als ein "System Fels".

Versteht sich eine "Kirche" als "Hüter/Bewahrer der religiösen Schriften und Richtlinien", so kann es kein demokratisches Handeln dabei geben, kaum Interpretationsbefugnisse und Deutungshoheiten.

Versteht sich eine "Kirche" als "Schriftdeuter und Glaubensinterpret" und will sie obendrein ihre Religion zum Wohle der Gläubigen weiterentwickeln, kann sie nicht mehr der "Fels" sein.
Sie wird quasi zu "Weihwasser" im Meer der göttlichen Evolution.

Damit müssen sie aber auch die ihr "von Gott gegebenen" Regeln, Gesetze und Gebote als menschliche Grundsätze anerkennen,
diese ständig mit anderen Einsichten erweitern, vermischen und anpassen.
Damit gibt es nur noch göttliche Grundlagen/Gesetze, die von Propheten/Wissenschaftlern formuliert wurden und werden, mit all den menschlichen Fehlermöglichkeiten und zeitgebundenen Ansichten.
Quasi: "Das hat Gott so gemeint, sage ich, aber nix ist fix!"

Diese Kirche wäre über jeden "Glaubensdisput" hoch erfreut, könnte sie dabei doch die bisherigen Erkenntnisse überprüfen und erweitern. Es gäbe dann eine Glaubenswissenschaft, die, ohne all den (z.B. katholischen) Klimbim und das Götzengetue, sich nur noch auf die Optimierung der Grundlagen und Erkenntnisse zum Wohle ALLER konzentriert.

Das ist meine Religion,
einer solchen Kirche würde ich beitreten und sie tatkräftig unterstützen.

Glaubenswissenschaft, in der Propheten/Wissenschaftler den nötigen Anstoss zu mehr oder weniger erfreulichem Glaubensdisput geben ? Haben wir das nicht schon ? Mir scheint der Dialog in Glaubenssachen das Allerwichtigste. Zuviel wird aus falschem Ver-
ständnis, Desinteresse für die Position des Andern, aus Lieblosig-keit und purem Egoismus, hier brauche ich das Wort "absolut", zum
Guten verhindert. "Die Worte weiss ich wohl, allein mir fehlt der
- Glaube." Welcher Glaube ist es wohl ? Das Menschliche oder das
Göttliche als Prinzip ? Beides zusammen - zum Wohle Aller, glaube
ich.

@ 06.02.2014 14:16
Sehr schöne Interpretation von Ihnen! Zeremonien, Mystik und Sakral kommen jedoch auch in weltlichen Begebenheiten zum Ausdruck. Einweihungsgesten vom Militär bis zur Krönung von Staatsoberhäuptern usw. Scheinbar brauchen Menschen so was….cathari

Wenn Menschen nur < scheinbar > so was brauchen: was brauchen sie dann tatsächlich ? Und was sind nach Ihrer Gedankenwelt < Einweihungsgesten > ? Der Amtseid einer Bundesrätin: eine Einweihungsgeste ?

Wenn die Menschen es nicht brauchen würden - also wenn es nicht funktioniert - dann gäbe es das nicht mehr. Siehe Sojwetunion.

Der Amtseid ist etwas anderes, er ist ein Versprechen. Aber ohne Gott und Gottgläubigkeit geht das alles eh nicht. Darum sind die Politiker so lasch. Sie haben keine echten Überzeugungen und glauben nicht an Gott.

So ein göttlicher Ohnesinn.

Um so blindwütig "glauben" zu können, muss man schon einen frühkindlichen Verstand haben, ein Sektenvertreter sein oder ein anderweitiges Interesse (Macht, Einfluss usw.) auf Kosten der Leichtgläubigen verfolgen.

Einige Unmenschen sind sogar alles zusammen.

gibt es auch. Die braucht auch keiner wirklich, aber wir nehmen dies an, weil es sonst nichts gibt. Nur weil es Werbung (von dumm bis saudumm und darüber hinaus) gibt und sie auch "gesehen" wird, kann man nicht schliessen, dass wir Werbung brauchen. Wir wurden so konditioniert.

Ganz deutlich sehen wir diese Konditionierung am Beispiel der Kirche.
Mit möglicherweise "guten Absichten" wurde mir schon als kleines Kind die Welt von "Gut und Böse" mit Gott, als weissbärtigem Übervater auf einer Wolke thronend, von Jesus und dem heiligen Geist flankiert und von den Engeln umschwebt nahegebracht. Auf der anderen Seite verführte uns der Teufel, mit Hörnern, Pferdefuss und -schwanz ständig die Gebote von Eltern und Kirche zu missachten.

Diese Gottes-/Teufelsvorstellung sehe ich auch heute noch bei vielen, alten Freunden und Bekannten, wenn sie ihren Glauben erläutern.
Erschreckend!
Seit dem Kleinkindalter null und nichts geändert an dieser Vorstellung, die doch nur für ein Kleinkind erdacht wurde.

Mit der "Liebe" ist es auch so. Was sie in Wirklichkeit ist, interessiert kaum, hören und sehen wir doch permanent eine dumm/dämliche "Unterschichten-Vorstellung" davon in den Medien, die kein Mensch braucht, uns ablenkt vom Wesentlichen, aber ständig präsent ist und im Vordergrund steht.

Jeder, der sich besinnt, catharina, weiss, was notwendig ist und was nicht. Und wenn wir unsicher sind, dann können wir darüber reden, z.B. so wie es auch in diesem Forum gemacht wird.
Wenn wir das Unnötige erkennen, können wir es auch ohne Sorge annehmen, wo es keinen Schaden anrichtet (wie wir meinen).
Erkennen wir den Schaden durch das Unnötige, müssen wir entscheiden, handeln oder mit der "Schande" leben.
Aber keine Entschuldigung kann uns dann davon befreien.

Das "GUTE LEBEN" ist einfach, Urvölker konnten und können es, alle Tiere können es ohne nachzudenken.

um ihre Theologische Bildung. Mann mit Bart und so ist die Erklärung für Kleinkinder. Für erwachsene gibt es besseres. Lesen Sie doch Platon, Sokrates, Augustinus und co.

Tiere und Urvölker leben nicht automatisch besser und schöner. Urvölker haben sehr straffe Sündenregister (TABU) und viel Grausamkeit die sei gerne übersehen.

haben noch nicht einmal einen Papst!

Die katholische Kirche Deutschlands hat so ein Bekenntnis zum Grundgesetz, wie dies die Evangelische Kirche 1985 in ihrer Denk-schrift ablegte, bis heute noch nicht getan. Es gilt wohl bis heute noch das berüchtigte Konkordat, welches die Beziehung der Katholischen Kirche zu Hitler-Deutschland regelte. Was damals rechtens war...

Andererseits finde ich "wunderbares Auskommen ohne Religion" auch nicht das Wahre.

Das Gute und Ideale ist eine andere Realität. Nehmt sie wahr ! Sie
lässt sich auch in unserer vermeintlich aufgeklärten Welt finden.

Meiner Meinung nach hat hier der Autor mehrfach "Religion" mit "Kirchen, Sekten bzw. religiösen Organisationen" verwechselt oder gleichgesetzt.

Ersetzt man aber "Religion" mit "Philosophie oder Lebensrichtlinien", dann wird der Ausdruck "wunderbares Auskommen ohne ..." absurd.

Andererseits halte ich ein "wunderbares Auskommen ohne Kirchen, Sekten bzw. religiöse Organisationen" absolut für das Wahre.

Ersetzt man im Text des Herrn Wehowsky aber "Religion" mit "Kirchen, Sekten bzw. religiösen Organisationen", dann kommt der Artikel
"Kraft und Sprengkraft der Kirchen, Sekten bzw. religiösen Organisationen" teilweise ganz schön schräg daher.

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