Keine Extrawurst für Banker

Gastkommentar's picture

Keine Extrawurst für Banker

Von Gastkommentar, 12.04.2014

In der Schweiz will die „Vollgeld-Initiative“ das gesamte Geld verstaatlichen. Ein Gastkommentar von Martin Ebner.

Von Martin Ebner *)

Es sind nur zwei Worte, aber sie könnten die Welt verändern. In der Schweiz startet gerade eine Volksinitiative, die mit einer Verfassungsänderung den Spekulanten den Hahn zudrehen und den Schweizer Franken zum „sichersten Geld der Welt“ machen will. Heute hat der Staat das alleinige „Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten“. Geht es nach den Reformern, soll in dieser Vorschrift künftig ausserdem „und Buchgeld“ stehen.

Die Folge dieser kleinen Ergänzung wäre eine Revolution des Finanzwesens: Als erstes Land würde die Schweiz die Vollgeld-Theorie verwirklichen und auch das elektronische Geld zum voll gültigen gesetzlichen Zahlungsmittel machen. Vor allem die Geschäfte der Investmentbanker würden davon empfindlich getroffen.

Radikaler Umsturzversuch

Der radikale Umsturzversuch wird bereits seit 2011 gründlich vorbereitet von dem überparteilichen Verein „Monetäre Modernisierung“. Seine rund 300 Mitglieder sind bislang nicht als Wirrköpfe aufgefallen; zu ihnen gehören zum Beispiel Reinhold Harringer, ehemaliger Leiter des Finanzamts St. Gallen, und Peter Hablützel, früherer Direktor des Eidgenössischen Personalamtes. Den Wissenschaftlichen Beirat bilden Ökonomen. Der St. Galler Professor Hans Christoph Binswanger etwa wurde vor allem mit Plänen für eine ökologische Steuerreform bekannt. Sie alle wollen die Geldschöpfung durch private Banken abschaffen. Das soll Finanzblasen und Inflation verhindern, die freie Marktwirtschaft wieder herstellen und zur Schonung von Mensch und Natur den durch das Zinssystem verursachten „Wachstumsdruck auf die Wirtschaft“ verringern.

„Die heutige Geldordnung ist aus den Fugen geraten, weil die Zentralbanken die Kontrolle über die Geldmenge verloren haben“, erläutert Binswanger sein Engagement. Geld ist schon lange nicht mehr durch Gold gedeckt, sondern nur durch die Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. Daher sollte die Geldmenge ungefähr gleich wie die Wirtschaft wachsen.

In Deutschland zum Beispiel legte die Wirtschaft jedoch von 1993 bis 2008 real nur um 25 Prozent zu, dagegen wurde die Geldmenge M1 (Bargeld und Sichteinlagen) um satte 190 Prozent vergrössert. In der Schweiz schwoll die Geldmenge M1 in den letzten fünf Jahren von 270 Milliarden Franken auf 550 Milliarden an. Diese Flut schwappte vor allem ins Finanzkasino: Inflation bei Wertpapier- und Immobilienpreisen. Wenn Spekulationsblasen platzen, trifft das aber nicht nur die Zocker, sondern die gesamte Wirtschaft: viele Firmenpleiten und hohe Arbeitslosigkeit.

Elektronisches Buchgeld

Woher kommt die Geldschwemme? In der Schweiz - wie in der EU - werden die Münzen von der Regierung in Umlauf gebracht, die Banknoten von der Zentralbank. Das staatliche Bargeld macht aber nur noch etwa 10 Prozent der gesamten Geldmenge aus. Der allergrösste Teil ist elektronisches Buchgeld, auch Giralgeld genannt: Per Computer-Tastendruck erzeugen die privaten Geschäftsbanken Geld, nämlich indem sie Kredite vergeben und die Summen auf Girokonten verbuchen.

Anders als viele Laien glauben, vermitteln die Banken an Kreditnehmer überwiegend nicht Einlagen von Sparern, sondern machen sich ihr virtuelles Geld selbst – und das verleihen sie dann für reale Zinsen, gegen handfeste Sicherheiten wie Häuser. Für das Do-it-yourself-Giralgeld gibt es keine Rechtsgrundlage, es ist aber ein tolles Geschäft: Um 100 Franken aus dem Nichts zu erzeugen, müssen Banken lediglich 2,5 Franken Nationalbank-Geld haben. Grossbanken umgehen selbst diese niedrige Hürde und leihen sich die nötigen Reserven einfach nachträglich aus.

„Guthaben“ auf Girokonten sind eigentlich Schulden von Kreditnehmern – und aus Sicht des Kontoinhabers lediglich Ansprüche auf gesetzliche Zahlungsmittel. Wenn zu viele Kunden sich diese gleichzeitig bar auszahlen lassen wollen, bricht die Bank zusammen, weil sie so viele Reserven gar nicht hat; wer zu spät kommt, verliert sein Geld. Da dann auch der Zahlungsverkehr und weite Teile der Wirtschaft kollabieren würden, muss der Staat derartige Anstürme auf Banken verhindern. Zur Rettung von bankrotten, aber systemrelevanten Banken muss der Staat Schulden machen – natürlich bei Banken. Die Steuerzahler berappen die Zinsen.

Nachteile des heutigen Systems

Neben Unsicherheit und ständiger Gefahr von Überschuldung und Bankrott sieht der Ökonom Mark Joób weitere Nachteile des heutigen Giralgeldsystems: „Es erzeugt Inflationsdruck und ist prozyklisch. Je mehr Kreditgeld die Geschäftsbanken schöpfen, desto grösser sind ihre Zinseinnahmen und ihre Profite – solange die Schuldner zahlungsfähig sind.“ In Zeiten des Aufschwungs würden die Banken daher zu viel Geld in Umlauf bringen, dafür in der Rezession zu stark auf die Bremse treten. „So verstärken sie die Schwankungen im Wirtschaftszyklus.“ Oft trägt es sie ganz aus der Kurve: Allein seit 1970 hat der Internationale Währungsfonds in seinen Mitgliedsländern 145 Bankenkrisen, 208 Währungskrisen und 72 Staatsschuldenkrisen gezählt.

Die Idee, die Kreditgeldschöpfung der Geschäftsbanken zu unterbinden, entstand bereits in den 1930er Jahren in den USA. Der „Chicago-Plan“ für zu 100 Prozent durch Zentralbank-Reserven gedecktes Geld, den Irving Fisher, Milton Friedman und andere Wissenschaftler ausarbeiteten, überzeugte zwar den US-Präsidenten Franklin Roosevelt, scheiterte aber am Widerstand der Banken. Später wollte zum Beispiel der deutsche Bundesbank-Direktor Rolf Gocht dem Staat wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge verschaffen.

Die heutigen Vollgeld-Konzepte gehen auf den Berliner Ökonomen Joseph Huber zurück. Für seinen Ansatz werben Bürgerinitiativen mittlerweile nicht nur in der Schweiz, sondern von Island bis Neuseeland auch in 15 weiteren Ländern.

Privatbanken können Pleite gehen

Joseph Huber, der sich als Ordoliberalen bezeichnet, sieht Geldschöpfung als öffentlich-rechtliche Aufgabe: Geld soll nicht mehr durch verzinsliche Schulden in Umlauf kommen, sondern als schuldfreier Wert der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, nämlich durch Überweisung der Zentralbank an den Staat. Damit dabei keine Inflation entsteht, soll die Zentralbank zur eigenständigen „Monetative“ ausgebaut werden – strikt unabhängig von Regierung und Parlament. Gelder auf Girokonten werden in diesem Modell von den Geschäftsbanken nur verwaltet; sie gehen also nicht mehr in die Bankbilanzen ein und werden im Konkursfall – wie heute schon Wertpapiere – einfach auf ein anderes Geldinstitut übertragen. Dann kann der Staat unfähige Privatbanken ruhig pleite gehen lassen.

Die Banken sollen weiterhin verzinste Sparkonten anbieten und Kredite vergeben, gerne auch an der Börse spekulieren – aber eben nicht mehr mit selbstgemachten Geld. Banken verlieren so ihre Privilegien und werden zu normalen Unternehmen. Und der beträchtliche Gewinn, der bei der Geldschöpfung anfällt, soll nicht mehr für hohe Banker-Gehälter und Boni verwendet werden, sondern an den Staat fallen. Bei der Umstellung der bestehenden Giralgelder auf Vollgeld, die rund 15 Jahre braucht, sollen in der Schweiz einmalige Mehreinnahmen von etwa 300 Milliarden Franken anfallen.

Bankiervereinigung lehnt ab

Die Schweizer Banken, deren Geschäftsmodell frontal angegriffen wird, sind überraschend still. Vielleicht wollen sie das Stimmvolk nicht unnötig auf heikle Themen aufmerksam machen? „Die Schweizerische Bankiervereinigung beschäftigt sich derzeit nur am Rande mit dieser Diskussion“, sagt jedenfalls deren PR-Chefin Sindy Schmiegel: „Die SBVg lehnt die Idee einer Vollgeldreform klar ab.“ Es bestehe kein Handlungsbedarf, „denn das heutige System hat sich bewährt. Die Inflation und die öffentliche Verschuldung sind in der Schweiz tief, die Wirtschaft stabil wachsend, die Kreditversorgung ausreichend.“ Ein „so tiefgreifender Umbau des Wirtschaftssystems“ berge „unkalkulierbare Risiken“. Es sei „zu befürchten, dass die Nationalbank zu einem Spielball politischer Interessen würde“, wenn sie allein alles Geld schöpfe.

Ähnlich argumentiert auch das von UBS, Credit Suisse und anderen Konzernen bezahlte Institut Avenir Suisse, das im März die Studie „Leere Vollgeld-Hoffnungen“ veröffentlichte: Das Finanzsystem könne „durch kontrollierte Schritte zuverlässiger reformiert werden als durch einen kühnen Salto“.

Ob die Mehrheit der Schweizer das auch so sieht, wird spannend. Den Grossbanken vertraut laut neuen Umfragen kaum mehr jemand. Dagegen fand die Vollgeld-Initiative schon vor ihrem amtlichen Start im Mai mehr als 64.000 Unterstützer für ihre Forderung, „dass die Banken künftig gleich lange Spiesse haben sollen wie alle anderen Unternehmen, welche ja weder selbst Geld herstellen noch auf staatliche Rettungsaktionen zählen können“. Jetzt müssen innerhalb von 18 Monaten mindestens 100.000 Unterschriften gesammelt werden, um eine Volksabstimmung durchzusetzen. In letzter Zeit verloren die Eliten mehrfach Referenden, etwa zu den Themen Managerlöhnen und Einwanderung. Es wäre daher durchaus möglich, dass es nächstes Jahr so kommt wie im Jahr 1891: Damals verbot das Schweizer Volk den Geschäftsbanken das Drucken von Papiergeld, weil die private Zettelwirtschaft Inflation angerichtet hatte. Jetzt würde die Nationalbank auch das Monopol für elektronisches Geld bekommen.

*) Mag. Martin Ebner arbeitet als freier Journalist in Konstanz

Kommentare

Die Redaktion von Journal21 behält sich vor, Kommentare gekürzt oder nicht zu publizieren. Dies gilt vor allem für unsachliche und themenfremde Beiträge sowie für Kommentare, die ehrverletzend oder rassistisch sind oder anderweitig geltendes Recht verletzen. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Gute Darstellung der Initiative und deren Aussichten und Hürden. Hoffentlich lesen das viele Schweizer und wollen endlich nicht mehr ständig gemolken und gehetzt werden, um die Herren zu finanzieren.

Als Normalverdienender vertraue ich den Banken schon lange nicht mehr - aber auch die Nationalbank verdient mein Vertrauen keinesfalls.
Was Banken machen wird nach und nach entschlüsselt. Was aber tun die Nationalbanken? Wie gehen sie mit ihrer Macht um? Was werden sie tun, wenn sie Vollmacht über das Vollgeld haben?
Wer steht hinter dem Begriff "Nationalbank", wem gegenüber ist diese Bank offiziell verpflichtet und wie sehen wohl ihre inoffiziellen Verpflichtungen aus?
Ich will hier nicht einfach 'rumstänkern, diese Fragen stellen sich heutzutage einfach. Gegen eine grundlegende Veränderung des jetzigen Geldsystems ist nichts vorzubringen, es liegt eh' am Boden.
Nach meiner Erfahrung haben aber Machtkonzentrationen jeglicher Art die Tendenz sich blitzartig in Machtmissbräuche zu verwandeln, dies lässt sich weltweit beobachten. Daher muss man annehmen, dass es letztlich egal ist, wer die Schöpfungsmacht in Händen hält - oder?

Ich bin mal gespannt wie unsere kleineren und mittleren Banken auf die Vollgeld Initiative reagieren werden? Bekommen doch diese immer mehr Auflagen von Sondersteuern, Abgaben und anderen Auflagen aus dem Ausland. Unter anderem dadurch würden sie in Zukunft gegenüber den Grossbanken stark benachteiligt werden, da der Aufwand und die personelle Aufstockung für diese kleineren Banken immer grösser wird, um diese neuen Regularien überhaupt zu bewältigen. Somit dürfte das Vollgeld auch die Wettbewerbsfähigkeit dieser Banken gegenüber unseren Grossbanken stärken.

Auch für die WIR Bank z.B. dürften sich grosse Chancen öffnen, denn der neue Gesetzestext sieht vor, Alternativwährungen eine verfassungsrechtliche Rechtsicherheit zu gewähren. Erkennt die WIR Bank die Gunst der Stunde, dann kann sie dadurch weitere KMU Unternehmen gewinnen. Auch weitere Sparer könnten sich mit Vollgeld durchwegs entschliessen ihr Sparguthaben in eine Bank zu bringen, die Kredite für die Realwirtschaft/ KMU vergibt.

Die WIR-Bank gehört zu den ersten Banken, die sich klar gegen Vollgeld positioniert haben. Laut Kundenmagazin "WIRplus April 2014" befürchtet sie, dass durch Vollgeld "die heutige Ausgestaltung des WIR-Verrechnungssystems - wenn nicht gar seine Existenz - gefährdet" würde.

Die Alternative Bank Schweiz bezog bereits im vergangenen Dezember Stellung gegen Vollgeld: www.abs.ch/de/ueber-die-abs/die-abs-aktuell/aktuelle-meldungen/news/2013...

Auch alternative Kleinbanken sind eben Banken...

Die Kontrolle des Finanzplatzes gehört in die Hand des Staates, sprich der Nationalbank und nicht in die Hand von Spekulanten.

Ein Unternehmen soll nur Risiken eingehen können, deren negative Konsequenzen es auch selber tragen kann und muss. (Das sollte auch in der Energiewirtschaft gelten...). Rettungsschirm ade!

Für mich geht es um die grundsätzliche Frage, ob der Staat die Wirtschaft reguliert oder ob wir uns von den partikulär-Interessen von Banken und internationale Kooperationen lenken lassen wollen.

Frage: Was sind Ihre Antworten zur Kritik der Gegner?

Richtig, das Geld gehört nicht in die Hand von Spekulanten, aber: Der Staat sprich die Nationalbank sind mit Abstand die grössten Spekulanten. Grösster Hedgefund Europa: die SNB! Sie kann die möglichen Konsequenzen des Euroverfalls schon lange nicht mehr tragen. Der Rettungsschirm ist: der Steuerzahler.

Meinen sie wirklich, dass Politiker und "der Staat" kein Partikularinteresse darstellen? Ich denke, sie stellen das gefährlichste Eigeninteresse dar, da sie die grösste Macht haben. Sie gehören viel stärker in die Verantwortung gezogen.

Wer sollte also die Wirtschaft regulieren? Klare Sache: Der Markt. d.h. es braucht einen Risikoindex, der zeigt, wie sicher/unsicher meine Bank ist (wie ist die Deckung, wieviel Eigenhandel?). Sie muss diesen Index am besten täglich oder wöchentlich publizieren. So hat der Markt - wir - die Übersicht und können unser Geld sicher versorgen. Die Geldschöpfung zu Spekulativzwecken würde dramatisch eingeschränkt. Der Aktienmarkt und evtl. der Immomarkt würden natürlich erst mal einbrechen, aber die Schweizer Banken wären wirklich "die sichersten der Welt).

Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass die Initiative angenommen würde, müsste sie anschliessend noch durch das Verwässerungsamt, Parlament genannt.

"Anders als viele Laien glauben, vermitteln die Banken an Kreditnehmer überwiegend nicht Einlagen von Sparern, sondern machen sich ihr virtuelles Geld selbst – und das verleihen sie dann für reale Zinsen"

Das wäre in der Tat ein gutes Geschäft. Zu schön um wahr zu sein! Das geht natürlich nicht. Wieso würden die Banken dann überhaupt noch um Einleger/Sparer bemühen? Wieso ihnen Zinsen bieten.

Eine Bank schafft Geld eben gerade indem Sie das Geld der Sparer als Kredite weiter vergibt. Nach der Kreditvergabe existiert das Geld quasi doppelt. Beim Einleger auf dem Sparkonto (er kann es jederzeit abheben) und beim Kreditnehmer auf Geschäftskonto.

Die Geldschöpfung ist also eine ganz normale Konsequenz der Kreditvergabe von Spargeldern.

Sorry, dass ich mich schon wieder melde. Das Thema ist aber nicht ganz einfach - und die Profiteure des bestehenden Systems haben selbstverständlich keinerlei Interesse daran, dass seine Grundlagen in Schulen, Universitäten oder öffentlichen Diskussionen behandelt werden. Daher besteht zwischen der Realität des Finanzwesens und dem Wissensstand der Allgemeinheit ein beträchtlicher Unterschied.

Das entscheidende Wort in dem von Ihnen aufgegriffenen Satz ist "überwiegend". Es kommt durchaus vor, dass Banken Geld von Sparer weitergeben - aber das ist nicht die Hauptaktiviät. (Wobei ich mir die Anmerkung erlaube, dass sich nach meinem Eindruck die Schweizer Banken schon lange nicht mehr ernsthaft um Sparer bemühen.)

Das Bankgeschäft ist in der Tat "zu schön um wahr zu sein". Siehe weiter unten der sehr wichtige Hinweis im Kommentar von Herrn Seiffert!

„Eine Bank schafft Geld eben gerade indem Sie das Geld der Sparer als Kredite weiter vergibt. Nach der Kreditvergabe existiert das Geld quasi doppelt. Beim Einleger auf dem Sparkonto (er kann es jederzeit abheben) und beim Kreditnehmer auf Geschäftskonto.“

Woher kommt das Geld, welches auf den Konten (Giralgeldkonten, Sparkonten) der Bankkunden angeschrieben ist? Es ist entstanden aus Kreditvergabe der Banken an Kreditnehmer. Die Kreditnehmer verwenden das Geld zum größten Teil per Überweisung, sodass es auf Konten (Giralgeldkonten, Sparkonten) anderer Banken gelangt. Der Kredit ist der Ursprung und nicht das Spargeld.

„Wieso würden sich die Banken dann überhaupt noch um Einleger/Sparer bemühen? Wieso ihnen Zinsen bieten.“

Banken stehen im Wettbewerb um Zahlungseingänge (Überweisungen von Kunden anderer Banken zu ihrer Bank). Warum? Um ihre Zahlungsausgänge (z.B. Überweisungen der Kreditnehmer an Kunden anderer Banken) zu kompensieren. Als Anreiz an die Bankkunden (zukünftige oder Bestandskunden) locken die Banken mit Zinsen und niedrigen Kontoführungsgebühren. So erhalten sie vermehrt Zahlungseingänge. Banken müssen bestrebt sein, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Zahlungsausgängen und Zahlungseingängen zu erhalten, da sie sonst Schulden zu anderen Banken oder der Zentralbank anhäufen würden.

Grundsätzlich ist mir die Idee sympathisch - allerdings habe ich doch grössere Probleme mit einem nicht unbedeutenden Teil der Befürworter, die sich aus Verschwörungstheoretiker- und Esoterik-Kreisen zusammensetzen. Schliesslich ist Silvio Gesell gerade in diesen Kreisen hoch im Kurs. Exemplarisch dazu sei hier Bernd Senf aus dem wissenschaftlichen Beirat der deutschen Monetative erwähnt: Senf war zwar Professor für Makroökonomie, befasst sich aber auch mit Reichs "Orgon-Lehre" und tritt im Umfeld von Impfgegnern, Chemtrail-Aktivisten, AIDS-Leugnern u.v.a.m. auf. http://www.psiram.com/ge/index.php/Bernd_Senf

Keine Angst vor Beifall von der falschen Seite!

Wenn eine Idee wie die Vollgeldinitiative gut ist, sollte es wurscht sein, von wem sie stammt.
Außerdem gibt es mittlerweile sehr viele seriöse Bücher, Videos, Reden, Zeitungsinterviews, Zeitungsberichte über das Geldthema. Hier ein guter Zeitungsbericht:
http://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/die-teuflische-wirkung-der-schu...

Was »Verschwörungstheorien« betrifft: Jeder gute Investigative Journalist MUSS ein »Verschwörungstheoretiker« sein. Anders kann er nie einen Skandal, Intrigen, oder eben »Verschwörungen« aufdecken. Es gibt natürlich lächerliche Verschwörungen, wie die über Elvis und über die Mondlandung. Das sollte niemand wirklich ernst nehmen. Was Senf betrifft, im Bereich Makroökonomie ist er unbestritten ein Experte. Silvio Gesell hatte sehr vieles richtig erkannt. Man darf nie vergessen, dass uns der Zins und Zinseszins längerfristig in den Krieg treibt.

Aber alleine die aufgedeckten Bankenskandale der letzten Jahre (Libor, Wetten gegen den Kunden, Goldpreismanipulationen, Aktienverkauf zu falschen Kursen, usw. ) sind knüppeldicke Billionenverschwörungen, was eigentlich lebenslängliche Gefängnisstrafen zur Folge haben müsste, aber nicht geschah, weil sich diese Juristischen Personen mit einer lächerlichen Busse freikauften.
Der Betrüger und Verschwörer Bernard L. Madoff (61 Milliarden Schaden) erhielt 150 Jahre Knast.

Verschwörungen gibt es täglich mehrere Millionen. Zum Beispiel wenn vom Staat geführte Banken gegen ihr eigenes Land wetten, wie es in Griechenland der Fall war. Aber auch wenn eine Bank gegen einen bestimmten Konzern wettet ist dies eine Verschwörung. Dies passierte übrigens kurz vor 9/11 mit zwei US-Fluggesellschaften. Die Mutter aller »Verschwörungen« ist der eingestürzte Turm WTC 7, der im offiziellen Schlussbericht komplett fehlte und in BBC 20 Minuten zu früh über den Einsturz gesendet wurde.
Man denke auch an einen Fall wie Gustl Mollath in München. Gladio Geheimarmeen und Snowden sollte man auf jeden Fall auch erwähnen. Was Snowden uns erzählte, war »Verschwörungstheoretikern« seit Jahrzehnten bekannt, nur nicht aus erster Hand.
Man kann davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren noch viel mehr Schmutz an die Oberfläche gelangt. Aber nur die uninformierten Schlafwandler werden sich darüber wundern.

Wenn mich einer »Verschwörungstheoretiker« schimpft, sehe ich dies als grösstes Kompliment. Nur ein Toter Fisch schwimmt mit dem Strom.

"Bei der Umstellung der bestehenden Giralgelder auf Vollgeld, die rund 15 Jahre braucht, sollen in der Schweiz einmalige Mehreinnahmen von etwa 300 Milliarden Franken anfallen."

Warum soll die Umstellung auf Vollgeld so lange brauchen?

Schönen Dank für die Nachfrage!

Neues Geld kann nach den Vorstellungen der Initianten sofort als Vollgeld in Umlauf kommen. Es muss aber auch eine vernünftige Lösung für das heute vorhandene Giralgeld gefunden werden. Dieses Geld muss in mindestens gleicher Höhe durch Vollgeld ersetzt werden, wenn es keine Deflation geben soll.

Die Idee ist nun, dass die bisherigen Giralgeld-Verbindlichkeiten der Banken gegenüber ihren Kunden zu Verbindlichkeiten der Banken gegenüber der Nationalbank als Herstellerin und Eigentümerin des Vollgeldes werden. Die bestehenden Kredite sollen in dem Mass, wie sie getilgt werden, zeitlich gestaffelt an die Nationalbank weitergeleitet und dadurch gelöscht werden. Zur Länge der Umstellungsperiode gibt es unterschiedliche Vorstellungen, aber auf jeden Fall dauert es eine Weile.

Informationen zu den technischen Feinheiten finden Sie hier: http://vollgeld.de/
Und natürlich auch hier: www.vollgeld-initiative.ch

Die Vollgeld-Initiative will eigentlich nichts anderes als eine Vervollständigung/Präzisierung dessen, was die Bundesverfassung bereits vorsieht.

Ich bin beeindruckt! Ein Journalist der unser Geldsystem versteht. Danke!

Guter allgemein verständlicher Artikel. Ich möchte noch hinzufügen, nicht nur die Kreditvergabe der Banken mit selbst geschaffenem Geld ist zu kritisieren. Die Banken erzeugen auch Geld für eigene Zwecke, um sich z. B. ein Bürogebäude zu kaufen. Sie sind neben der Zentralbank in der Lage mit ihrem selbst erzeugtem Geld sich selbst einen „Kredit“ zu geben, um Werte aus der Gesellschaft zu beziehen. Sie sind dabei in der komfortablen Situation Schuldner und Gläubiger zu gleich zu sein. So können sie dem Schuldner, sich selbst, immer wieder einen Zahlungsaufschub gewähren oder sogar die Rückzahlung teilweise oder ganz erlassen. Die Modalitäten für die Rückzahlung gehen aus den Buchführungs- und Regulierungsvorschriften für Banken hervor, bei dessen Erarbeitung sie selbst maßgeblich beteiligt sind.

@Horst Seiffert,
damit könnten die Banken und in grossem Übermasse die Investmentbanken durch die selbstgeschöpften Kredite, den Eigenhandel von Wertpapieren finanzieren. Ist das der Hauptgrund dass das Giralgeld zum grössten Teil in die Fianzwirtschaft fliesst?

@Dani G,
ja, das ist der Hauptgrund. Kaufen die Banken prozyklisch im Gleichschritt Wertpapiere von Nichtbanken, so bezahlen sie mit selbst geschöpftem Geld, ohne Kreditkonstruktion, also ohne Rückzahlungsverpflichtung. Im Unterschied zu Sachvermögenswerten werden Wertpapiere nicht nach einem vorgegebenen Verfahren abgeschrieben, sondern jedes Quartal neu bewertet. Kann in der Bilanz der Bank ein gleichbleibender Wert des Wertpapieres dargestellt werden, so hat die Bank das Wertpapier umsonst erhalten. Das trifft übrigens auch für Grundstücke zu.

Diese Vollgeld Initiative ist eine durchwegs positive Sache. Jeder der noch nicht hat, umgehend unterschreiben!!!

Besten Dank Herr Martin Ebner
Mir gefällt besonders der Ansatz, das man Banken zu normalen Unternehmen macht... Sehr gut und sirgfälltig zusammen getragen.

Newsletter kostenlos abonnieren

Das Historische Bild

Vor 50 Jahren, am 28. September 1966, starb André Breton. Er gilt als der wichtigste Vertreter des Surrealismus in Frankreich. Im 9. Arrondissement in Paris trägt ein Platz seinen Namen. Ursprünglich wollte André Breton, geboren 1896, Arzt werden. Aber seine Begegnungen mit Paul Valéry, Stéphane Mallarmé und Guillaume Apollinaire führten dazu, dass er sein Medizinstudium abbrach, um freier Schriftsteller zu werden. 1919 gründete er zusammen mit Louis Aragon und Philippe Soupault die Zeitschrift Littérature, die sich zunehmend dem Dadaismus öffnete. 1924 verfasste Breton auch unter dem Einfluss surrealistischer Maler wie Max Ernst und Salvatore Dali das „Manifest des Surrealismus“. Ursprünglich stand diese Bewegung dem Sozialismus nahe, aber 1935 brachen Breton und einige seiner Freunde mit der kommunistischen Partei Frankreichs. Während des 2. Weltkrieges emigrierte Breton mit finanzieller Unterstützung von Peggy Guggenheim zusammen mit seiner 2. Frau, der Malerin Jacqueline Lamba, nach New York. Der Begegnung mit ihr widmete Breton sein vielleicht erfolgreichstes literarisches Werk, L´Amour fou. Nach dem Krieg kehrte Breton nach Paris zurück und blieb dem Surrealismus, der bereits seinen Zenit überschritten hatte, verbunden. André Breton trug im Laufe seines Lebens die bedeutendste Privatsammlung surrealistischer Kunst zusammen. Nach seinem Tod wurden zahlreiche Werke versteigert. Das Centre Pompidou hat einen Teil der Sammlung erworben und stellt sie in einem eigens dafür eingerichteten Raum aus. (Foto: Keystone/STR) Mehr…