Kampf bis zum bitteren Ende

Arnold Hottinger's picture

Kampf bis zum bitteren Ende

Von Arnold Hottinger, 13.09.2018

Die Schlacht um Hodeida wird wieder aufgenommen – noch rücksichtsloser und mit noch mehr Opfern.

Die Kämpfe innerhalb der Aussenquartiere Hodeidas und im weiteren Umfeld rund um die Stadt herum haben in den vergangenen Wochen nie ganz aufgehört. Doch gab es parallel zu diesem Geschehen auch diplomatische Versuche, einen Kompromiss oder Ausgleich um die Hafenstadt in die Wege zu leiten. Diese Bemühungen hatten zur Folge, dass die Kämpfe nicht besonders energisch geführt wurden.

Die Huthis blieben in Sanaa

Die Vermittlungsbemühungen sind ins Leere gelaufen, als die Delegation der Huthis, die am 6. September in Genf für indirekte oder direkte Gespräche mit der Regierung al-Hadis erwartet wurde, während drei Tagen nicht eintraf. Die Delegation weigerte sich, von Sanaa abzufliegen. Sie erklärte, die Gegenseite und die Uno hätten sich nicht an die Zusagen gehalten, die gemacht worden seien, um die Huthi-Delegation nach Genf zu bringen. Dies sei für sie eine Garantie für die ungehinderte Rückkehr nach Sanaa und die Zulassung eines Lufttransportes für verwundete Huthi-Kämpfer nach Oman gewesen. Im vergangenen Frühling hatte eine Verhandlungsdelegation der Huthis während drei Monaten nicht nach Sanaa zurückkehren können, weil die al-Hadi Regierung, deren Patron und Beschützer, Saudi-Arabien zusammen mit den Arabischen Emiraten, den Luftraum über Jemen beherrscht und dies nicht zulassen wollte.

„Widerstand an allen Fronten“ fordert den Huthi-Chef

Der Uno-Sondergesandte, Martin Griffith, hat erklärt, der Fehlschlag von Genf sei nicht das Ende aller Friedensbemühungen, und er werde weitere Gespräche mit den Huthis in Sanaa führen. Der Chef der Huthis, Abdel Malik al-Huthi, hat in einer Fernsehansprache die Jemeniten aufgerufen, Widerstand zu leisten. „Unsere Wahl“, sagte er in einer Fernsehansprache, „ist Widerstand gegen die Aggression an allen Fronten. Wir müssen an allen Fronten aktiv werden, um für uns Verstärkung zu rekrutieren.“

Gleichzeitig haben sich die Kämpfe um die Hafenstadt Hodeida merklich verschärft. Die jemenitischen Truppen, die für al-Hadi kämpfen, haben erklärt, sie hätten die beiden Hauptstrassen abgeschnitten, die Hodeida an der Küste mit Sanaa auf der inneren Hochebene Jemens verbinden.

Verluste

Im Augenblick, so sagte einer ihrer Anführer, gehe es darum, die Hafenstadt zu isolieren, nicht in sie einzudringen. Dies spiegelt den Umstand wider, dass die Huthis sich in der Stadt verschanzt haben und die Strassenkämpfe verlustreich zu werden drohen.

Während des vergangenen Wochenendes wurden bedeutende Zahlen von Todesopfern und Verwundeten auf beiden Seiten gemeldet. Die Verlustzahlen der Huthis sind deutlich höher als jene der angreifenden Truppen al-Hadis, was auf die Bombardierungen aus der Luft zurückzuführen sein dürfte.

Zerstörungen durch die Luftwaffe

Wenn es zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu Strassenkämpfen kommen sollte, dürfte es kaum zu vermeiden sein, dass die pro-saudischen Kräfte al-Hadis von dem Umstand Gebrauch machen, dass „ihre“ Luftwaffe, welche so gut wie völlig die Lufthoheit über Jemen inne hat, in die Strassenkämpfe eingreift, um mit Bomben und Raketen gegen Scharfschützen der Huthis vorzugehen, die sich in den Wohnhäusern und auf den Dächern verschanzt haben Ähnlich wie es in den Kämpfen um Mosul und später um Raqqa gegen die IS-Verteidiger von amerikanischer Seite geschah. Beide Städte wurden gründlich zerstört. Natürlich unter grossen Verlusten bei der Zivilbevölkerung.

Washington weiter mit Saudi-Arabien

In Washington hat der Aussenminister Präsident Trumps, Mike Pompeo dem Senat bestätigt, dass die Saudis und die Militärs der VAE „sich bemühten“, bei ihren Bombardierungen die Zivilisten zu schonen. Dies genügte, um einen Gesetzesvorschlag abzuwehren, der die amerikanische Hilfe bei den saudischen Bombardierungen eingeschränkt hätte. Namentlich die Betankung der saudischen Kampfflugzeuge in der Luft über Saudi-Arabien durch amerikanische Spezialisten wäre untersagt worden.

Kritiker der amerikanischen Waffenhilfe für Saudi-Arabien, meist aus Kreisen der Demokraten, haben die Aussagen des Aussenministers als objektiv irreführend und als „Farce“ bezeichnet. Saudi-Arabien hat eingeräumt, dass der Beschuss eines jemenitischen Schulbusses durch eine amerikanische zielsuchende Luft-Boden-Rakete (GBU-12 Pave Way II, 500 pounds von Lockheed Martin) vom 9. August, der nach den Angaben des Huthi-Gesundheitsministeriums zum Tod von 43 Schulkindern und 11 Erwachsenen führte, ein Irrtum gewesen sei, und hat auch Kompensation für den Tod der Opfer versprochen.

Die Bedeutung Hodeidas

Wie die internationalen Hilfsorganisationen nicht müde werden zu unterstreichen, droht die de facto Blockade von Hodeida, die zustande kommt, wenn die Verbindungswege nach Sanaa abgeschnitten sind und blockiert bleiben, die humanitäre Katastrophe, die in Jemen herrscht, zu vervielfachen. Drei Viertel aller zur Linderung der herrschenden Hungersnot notwendigen Lebensmittellieferungen haben bisher Sanaa über Hodeida erreicht.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Deutsche Waffen gegen Zivilisten in Jemen. Da wollen deutsche Politiker den Putin und das Syrische Regime noch kritisieren?

Die Bundesregierung hat weitere Waffenexporte in die Golfstaaten und andere Länder des Nahen Ostens genehmigt. Grünes Licht gab es laut Reuters unter anderem für die Lieferung von vier Artillerie-Ortungssystemen an Saudi-Arabien, wie aus einem Schreiben von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vom Mittwoch an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags hervorgeht. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet. Die auf Fahrzeugen montierten Radargeräte können die genaue Herkunft von feindlichem Beschuss orten und ermöglichen damit präzise Raketenschläge. Außerdem wurde die Ausfuhr von 170 Gefechtsköpfen und Triebwerken für Luft-Luft-Raketen des Typs Meteor an Katar gebilligt.

Saudi-Arabien war zuletzt sogar von seinem Verbündeten USA wegen eines Angriffs kritisiert worden, bei dem zahlreiche Zivilisten ums Leben kamen. Die Juristen des Weißen Hauses hatten den früheren Präsidenten Barack Obama gewarnt, dass die US-Beteiligung am Jemen Krieg dazu führen könnte, dass der Präsident sich eines Kriegsverbrechens schuldig machen könnte.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren