Japan und die Atombombe

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Japan und die Atombombe

Von Armin Wertz, 22.03.2014

Bis nach dem Ende des II. Weltkrieges baute Japan an einer Atombombe. Bis heute unterliegen die meisten Belege darüber sowohl in den USA als auch in Russland der Geheimhaltung.

„Ob irgendwelche Nazi-Größen an Bord waren, ist nicht bekannt… Als der U-Boot-Kommandant, Kapitänleutnant Johann Heinrich Fehler, das Schiff verließ, beschwerte er sich bei Leutnant Charles Winslow (von der Küstenwache)… : ‚Ihre Männer haben uns wie Gangster behandelt!‘ Ein Dolmetscher übersetzte. Die Augen des amerikanischen Offiziers blitzten auf. ‚Das ist genau, was Sie sind! Gehen Sie!‘ Der deutsche Offizier ging schnellen Schrittes zum Dock… Er schien verärgert und den Tränen nahe“, berichtete die New York Times am 20. Mai 1945 über die Kapitulation von U-234.

Ausreichend für zwei Atombomben

Das Schiff, ein umgebauter Minenleger vom Typ XB, war mit seinen 22 000 t Wasserverdrängung eines der größten U-Boote der Reichsmarine. Die Ladung bestand neben Treibstoff und Verpflegung für sechs Monate aus rund 240 Tonnen Dokumenten und Kriegsmaterial, Quecksilber, Blei, die modernsten Zünder für Bomben, Flakmunition, eine zerlegte Messerschmitt Me 262, Turbinenteile von Junkers, eine HS-293 Gleitbombe (die nicht nur fällt, sondern ähnlich einem Segelflugzeug ohne Antrieb gleitet), 100 Leica-Kameras sowie  Konstruktionspläne der Me 163 und Me 262, der V-1- und V-2-Raketen, von Zerstörern, U-Booten und sogar die Baupläne für eine Flugzeugfabrik. In zehn separaten Behältern waren 560 Kilo Uranoxid verstaut – ausreichend, um zwei Atombomben herzustellen. Es war bestimmt für die japanische Armee.

Auffallende Passagiere

Neben der Besatzung befanden sich einige illustre, hoch spezialisierte Mitreisende an Bord: zivile Düsen- und Raketen-Ingenieure von Messerschmidt und aus Peenemünde, Luftwaffen-Generalleutnant Ulrich Kessler, Fritz Sandrat, ein Flak-Experte, Dr. Heinz Schlicke, ein Radarspezialist, der über Geräusch und Elektrizität absorbierende Materialien (eine frühe Stealth-Technologie) geforscht hatte, zwei Offiziere der japanischen Marine, Hideo Tomonaga, ein führender U-Boot-Ingenieur, sowie Genzo Shoji, ein Flugzeugexperte. Beide hatten sich einige Zeit in Deutschland aufgehalten, um deutsche Waffentechnik zu studieren. Ebenfalls nach Tokio reiste Marine-Obergerichtsrat Kay Nieschling, der die deutsche Botschaft von den Resten des Spionagerings, den Stalins Meisterspion Richard Sorge aufgebaut hatte, säubern sollte, und der Marine-Flakoffizier Heinrich Hellendoorn, der 2011 seine Erinnerungen „Meine Marinezeit auf der Bismarck, Tirpitz und U 234“ publizierte. Nach einigen Reparaturen in Kristiansand setzte U-234 seine Fahrt fort, Ziel: Japan.

Hitlers Nachfolger gibt Befehl zur Kapitulation

Am 2. Mai, als die sowjetischen Truppen in Berlin einrückten, brach der Radiokontakt mit Nauen ab. Zwei Tage später konnte der Funker eine Meldung auffangen, wonach Admiral Dönitz Hitlers Nachfolger geworden war. Am 10. Mai fing er Dönitz‘ Befehl zur Kapitulation ab: „Meine U-Boot-Männer! Sechs Jahre Krieg liegen hinter uns. Sie haben wie Löwen gekämpft. Eine überwältigende materielle Überlegenheit hat uns in eine Ecke gedrängt, von der aus eine Weiterführung des Krieges nicht mehr länger möglich ist. Sie legen ihre Waffen nach einem heroischen Kampf ohne Parallele unbesiegt und unbescholten nieder. Stolz erinnern wir uns unserer gefallenen Kameraden… Lang lebe Deutschland!“

Diesem Aufruf folgten einige Instruktionen über die Vorgehensweise. Die U-Boote sollten aufgetaucht fahren und mit einer schwarzen oder dunkelblauen Flagge am Mast den nächsten Hafen der Alliierten anlaufen.

Zwei  Selbstmorde

In einem späteren Interview erklärte der Zweite Offizier von U-234, Karl Ernst Pfaff, das Boot hätte sich zu jenem Zeitpunkt auf einer Position befunden, von wo sie entweder nach Großbritannien, nach Gibraltar, Kanada oder in die USA hätten fahren können. Fehler, der früher bei der Handelsmarine gefahren war, galt als „sehr demokratischer Skipper“, so Pfaff. Bei einer Abstimmung wünschte die Mehrzahl der Mannschaft, jene ohne Familie, Buenos Aires anzusteuern. Nach längerem Zögern entschloss  Fehler jedoch, Kurs auf die USA zu nehmen. Als die japanischen Offiziere bemerkten, dass der Kommandant beabsichtigte, dem Befehl zur Kapitulation nachzukommen, informierten sie ihn über ihren Entschluss, Selbstmord zu begehen.

Vergeblich versuchte Fehler, sie von diesem Vorhaben abzubringen.  „Doch die Beiden baten hartnäckig um die Erlaubnis, sich in ihre Kabine zurückziehen zu dürfen, was ihnen schließlich erlaubt wurde“, erzählte Pfaff in seinem Interview. „Eine Wache zog vor ihrer Kabine auf, und die Beiden nahmen eine Überdosis Luminol. 36 Stunden später waren sie sehr zum Verdruss der Mannschaft immer noch am Leben. Doch alle Versuche des Bordarztes, sie wieder zu wecken, scheiterten.“ Am 11. Mai wurden Tomonaga und Shiji schließlich mit allen militärischen Ehren der See übergeben.

Am 14. Mai um 23.30 Uhr übernahm ein Prisenkommando des Zerstörers USS Sutton 500 Meilen vor Cape Race in Neufundland U-234 und brachte das Boot zum Marinestützpunkt Portsmouth in New Hampshire.  Die Ladung von U-234 alarmierte Washington. Japan war bei der Entwicklung einer Atombombe offensichtlich weiter als angenommen. In den Verhören japanischer Wissenschaftler nach dem Ende des Krieges wurden die amerikanischen Befürchtungen bestätigt. Nicht nur, dass Japan „am Problem der Kettenreaktion arbeitete“, wie es in einem Bericht der US Atomic Bomb Mission heißt. Im Frühjahr 1944 hatte die japanische Marine beschlossen, eine Uran-Bombe zu bauen und „die Arbeit mit den von der Armee durchgeführten Forschungen zu koordinieren.“ 

Die letzte Schlacht

Japans Marine wollte nicht einmal nach den beiden verheerenden Erfahrungen mit den Bombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki kapitulieren. Sie wollte sämtliche japanischen Physiker in Höhlen isolieren, wo sie Atombomben herstellen sollten. Bei den Verhören waren die Amerikaner beeindruckt von den Kenntnissen und vom Verständnis für die Probleme der Atomphysik ihrer japanischen Kollegen.  „Die Japaner haben erstklassige Nuklearphysiker“, urteilte die Mission. „Ihr Nachteil war, dass sie über zu geringe Mittel verfügten, sie haben aber fundamentale Kenntnisse und sind fähig, brillante und originelle Arbeit zu leisten.“  Dabei übersahen die amerikanischen Besatzer zunächst die Bedeutung einiger unterirdischer Anlagen in Korea. In den Anlagen des Industriekonglomerats Nitchitsu in Kunan (in Zentralkorea) und in der Mandschurei  war die Entwicklung der Atombombe intensiv vorangetrieben worden. Dort hatten die Japaner das notwendige Uranerz gefunden.

Diese Gebiete lagen allerdings nördlich des 38. Breitengrades und waren inzwischen von den sowjetischen Besatzungstruppen abgeriegelt worden. Zum Schutz der dortigen Anlagen hatten die Japaner das Gebiet um Konan zu einer wahren Festung ausgebaut. „Die Hamhung-Ebene“, hatte noch im November 1945 die letzte „Schlacht zwischen den Sowjets und den wiederorganisierten Resten der japanischen Streitkräfte in Korea, die nicht kapituliert hatten, gesehen“, heißt es in einer Intelligence Summary No. 14 vom 22. Juni 1946 der US-Streitkräfte in Korea.  Demnach bauten die russischen Besatzer alle Nitchitsu-Industrieanlagen „besonders um Konan, Songjin und Churgchin“ ab und transportierten sie in die Sowjetunion. Die UdSSR riegelte das Gebiet weitläufig ab und ging bei der Geheimhaltung bis zum Äußersten. Wie die New York Times am 17. September 1945 berichtete, hatten sowjetische Yak-Kampfflugzeuge am 29. August sogar eine amerikanische B-29 abgeschossen, die Nahrungsmittel und Medikamente in ein alliiertes Kriegsgefangenenlager bringen wollte.

Die Japaner waren sehr weit

Doch die USA wussten mehr über die japanische A-Bombe. Beinahe fünfzig Jahre später veröffentlichte eine amerikanische Militär-Zeitschrift einen Artikel, in dem ein US-Offizier berichtete, Ende der vierziger Jahre in General MacArthur‘s Hauptquartier in Tokio ein „Diagramm der japanischen Atombombe“ gesehen zu haben. Drei „amerikanische Atom-Wissenschaftler“ untersuchten die Pläne. „Unsere Atom-Wissenschaftler waren wirklich schockiert, als sie feststellten, dass die Japaner beinahe gleichauf mit uns lagen.“ US-Offiziere, die mit den Untersuchungen befasst waren, wiesen in ihrer Antwort auf die Frage, warum die Japaner ihre Bombe dann nicht eingesetzt hätten, auf U-234 hin: „Sie warteten auf ein deutsches U-Boot, das Plutonium bringen sollte, das sich besser als Auslöser der Kettenreaktion eignet als das Uran, das sie hatten.“

Andere Zeugen, die im Korea-Krieg auf amerikanischer Seite gedient hatten, gaben in der Vergangenheit ähnliche Hinweise. So berichtete ein ehemaliger Luftwaffenchirurg von einem Flug, der ihn gemeinsam mit seinem Vorgesetzten über das Gebiet der nördlichen Küste Koreas geführt habe. Als sie über den inzwischen von den Sowjets demontierten ehemaligen Industriekomplex von Konan geflogen seien, habe ihm der Oberstleutnant erzählt, er habe Informationen, wonach die Japaner dort an einer Atombombe bearbeitet hätten. Sie hätten auch einen nuklearen Sprengkörper gebaut und zur Explosion gebracht. „Er war nicht so gut wie unserer“, habe der Oberst hinzugefügt. „Ich glaube nicht, dass wir jemals die ganze Wahrheit erfahren werden.“

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Der atomare Wahnsinn entsteht aus uns, aus uns allen! Die Ängste der Menschen sind ein wichtigster Treibstoff der Politik, ja der meisten Staaten. Absolute Grundlage zur Selbstunterwerfung ihrer Bürger! Kompostierung der Ängste, angeheizt durch gesteuerte mediale Selbsterhitzung wird dann die Rotten zur Behausung von Wanderratten und es werden dadurch die schlimmsten Exkremente reibungslos aufgearbeitet. Aus all diesen abgebauten Ängsten entsteht dann der Humus der absoluten Langeweile der nur noch durch manischen Konsumzwang überwunden werden kann. Auf dem neuen Humus gedeihen nur noch Pflanzen der Gattung Denuntiare oder Whistleblower` s prächtig und ebnen den Weg zum ultimativen Heimtückegesetz. Auch einem tiefen Wunsch nach dem Bocca di Leone. Von einem gewissen Punkt an jedoch sehnen sich die Menschen dann nach Roundup, sprich einem Atomkrieg um diesen entsetzlichen Treiben ein Ende zu setzten. Könnte man verstehen, wenn man wollte….oder nicht?....cathari

Die Japaner wollen die A-Bombe wieder. Anscheinend sind 2000 Stück geplant, damit wären sie die drittgrösste Atommacht. Man kann davon ausgehen, dass China und Nordkorea nachziehen würden, was einen asiatischen Kalten Krieg auslösen würde.

Ist eine Theorie von mir: die beiden Atombombenabwürfe fanden 1945 nur statt, weil die Amerikaner (FED) alle anderen Länder beim Bretton Woods Abkommen 1944 gewaltig über den Tisch zogen. Sie schoben kurz vor der Vertragsunterzeichnung noch zusätzliche Papiere in die Verträge, die danach keiner mehr durchlas.

In den Papieren stand, dass Öl und Goldgeschäfte an den Börsen nur noch mit Dollar gehandelt werden sollen und der Dollar als Weltwährung eingesetzt wird. Das war genaugenommen ein unglaublicher Betrug, der 70 Jahre, also heute noch mit täglich 5 Milliarden nachwirkt. Ich schätze diesen Betrug auf etwa 100 Billionen Dollar!

Nach Hiroshima wussten die anderen Staaten, dass sie jederzeit damit angegriffen werden könnten, sollten sie sich nicht an das Abkommen halten. Es gab übrigens zwei Staaten in der jüngeren Zeit, die sich nicht daran hielten, Irak und Libyen. China und Japan wickeln ihre Geschäfte ebenfalls nicht mehr mit Dollar ab, was eine mögliche Erklärung für die 2000 A-Bomeben sind. Damit könnten sie sich dem amerikanischen Druck entziehen.

Ein Japaner sagte mal in einem Interview über Fukushima, dass Japan bereit zur Kapitulation war, bevor die Bombe abgeworfen wurden, nur die Amerikaner hätten sich geweigert die Kapitulation anzunehmen. Ich würde mich freuen, wenn die Historiker diesen Aspekt zusammen mit Bretton Woods genau untersuchten.

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