Israelischer Luftangriff auf Giftgasfabrik

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Israelischer Luftangriff auf Giftgasfabrik

Von Arnold Hottinger, 08.09.2017

Die Zerstörung der syrischen Giftgas-Produktionsanlage ist eine Machtdemonstration Israels und ein Wink an die Grossmächte.

Am Donnerstag früh um 02.40 Uhr hat Israel eine syrische Giftgasfabrik bei Masyaf mit Kampfflugzeugen, die über Libanon flogen, angegriffen und zerstört. Die israelische Armee lehnt es ab, dieses Ereignis zu kommentieren. Doch die syrische Armee bestätigt den Angriff. Sie erklärt, militärische Ziele seien angegriffen worden und spricht von zwei Todesopfern und von Schäden. Die „Beobachtungsstelle für syrische Menschenrechte“ in London sagt, der Angriff habe in Masyaf stattgefunden. Libanon meldet den Überflug. Das Fernsehen von Hizbullah spricht ebenfalls davon.

Israelische Fachleute deuten nicht nur an, dass dieser Angriff stattgefunden habe, sondern auch, dass es sich dabei um eine aussergewöhnliche, nicht der Routine entsprechende Aktion gehandelt habe. „Routine“ sind nach diesem Code die ziemlich häufigen Luftangriffe in Syrien auf Waffentransporte aus Iran für den Hizbullah in Libanon, die über syrisches Territorium geleitet werden. Derartige Luftschläge soll es in den letzten fünf Jahren gegen hundert gegeben haben. „Nicht Routine“ ist dieser jüngste Angriff, weil er sich direkt gegen eine Einrichtung der syrischen Regierung richtet, die offiziell als „Wissenschaftliches Studien- und Forschungsinstitut“ ausgegeben wird und von der Washington sagt, es handle sich um die Giftgasfabrik Syriens.

Im Jahr 2006 hatte Israel ebenfalls einen „Nicht-Routine“-Luftangriff auf syrische Ziele durchgeführt. Damals hatte es sich um ein im Aufbau befindliches Atomwaffenwerk nordkoreanischer Herkunft in Syrien gehandelt. Die syrische Antwort war bloss verbal ausgefallen.

Uno bestätigt syrische Gasangriffe

Der jetzige Angriff auf die syrischen Gaslaboratorien kommt einen Tag nach der Veröffentlichung eines Berichtes der Uno, der zum ersten Mal ohne Umschweife dem Asad-Regime die Schuld an Giftgasangriffen auf syrische Rebellen zuspricht. Der Bericht sagt, seit dem vergangenen April habe Syrien sieben Mal Giftgas gegen Rebellengruppen eingesetzt. Der schwerwiegendste dieser Angriffe war jener vom 4. April mit Saringas, der in Khan Shaykhun 83 zivile Todesopfer kostete. Trump beantwortete den Gasangriff mit einem Raketenschlag auf den Militärflughafen von al-Shaiyrat, von dem aus die Giftgas abwerfenden syrischen Flugzeuge gestartet seien.

Gleichzeitig findet in Israel seit dem Dienstag eine grossangelegte militärische Übung statt, die vom Szenario eines Krieges mit Hizbullah ausgeht. Nach der Zeitung Haaretz waren Syrien und seine Verbündeten, die Russen, vorsorglich darüber unterrichtet worden, dass es sich um eine Übung handle, nicht etwa um den Beginn eines Angriffs, und dass diese Übung schon seit einem Jahr in Planung sei.

Wozu der direkte Schlag gegen Asad?

Der Angriff auf die syrische Giftgasfabrik gibt verschiedenen Interpretationen Raum. Ein Kommentator bei Haaretz meint, es handle sich um einen Wink an Putin und Trump, weil die beiden im Juli Teilwaffenstillstände im syrischen Süden abgeschlossen hätten, ohne sich um die Bedenken Israels zu kümmern. Israel hatte vergeblich gefordert, dass in den Teilwaffenstillständen auch ein Verbot für Iran festgeschrieben werde, seine Milizen und Truppen nahe der israelischen Grenze zu stationieren. Der Luftschlag gegen die Gasfabrik ist nach dieser Auslegung auch eine Warnung, Israel gedenke ohne Rücksichten gegenüber den Supermächten seine Interessen in Syrien zu wahren. Und die Attacke soll auch zeigen, dass Israel die Mittel dazu besitzt.

Der israelische Wink kann natürlich auch an Asad adressiert gewesen sein. Etwa, um sehr klar zu machen, dass Asads sich dank russischer und iranischer Unterstützung abzeichnender Sieg über die Opposition nicht bedeutet, dass Israel ebenfalls Ziel eines erfolgreichen syrischen Feldzuges werden könnte. Das Giftgaslabor wurde offensichtlich zum Ziel ausgewählt, weil dessen Vorhandensein gegen den Vertrag verstösst, der nach dem grossen Giftgasangriff in der Ghouta von Damaskus vom August 2013 zwischen Russland und den USA ausgehandelt wurde. Gemäss diesem Vertrag musste Syrien alle seine Giftgasvorräte offenlegen, sie ausser Landes transportieren und vernichten lassen. Was jedoch, wie sich nun erhärtet, nur teilweisedurchgeführt wurde.

Schlägt Asad zurück?

Ob Asad auf den direkten Schlag reagieren wird, den ihm Israel erteilte, bleibt abzuwarten. Israel rechnet wahrscheinlich damit, dass es nicht in Asads Interesse liegt, einen zusätzlichen Krieg gegen Israel auszulösen neben dem, den er weiterhin gegen die Rebellen zu führen hat. Doch ganz sicher ist diese Rechnung nicht, weil Asad imstande ist, gegen seine eigenen besten Interessen zu handeln. Seine Giftgasangriffe, die nun als erwiesen gelten müssen, zeigen es.

Kommentare

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Herrlich zu lesen, wie auch ein Hottinger auf das "Wording" von einzelnen UN-Mitarbeitern die damit eigentlich den Ruf der UN diskreditieren, kritiklos aufnimmt. Kann uns der Herr Hottinger denn auch Dokumente mit der Schuld Assads vorweisen? Nur damit die Kommission die genau das untersucht aufhören kann. Oder sind Worte von Jihadisten bei Hottinger bereits mehr Wert als die einer offiziell anerkannten Regierung? Also bitte eröffnen sie uns hier die Ermittlungsergebnisse der noch nicht abgeschlossenen Ermittlung über die Schuldfrage oder sind sie nur noch ein US-PR Instrument?

Wer muss seine Giftgasvorrāte offenlegen und wer aus welchen Gründen nicht?

War diese „Giftgas-Produktionsanlage“ nicht bis vor kurzem eine „iranische Raketenfabrik“? Lügen sind beides.

Die Vorstellung Israel soll "Ziel eines erfolgreichen syrischen Feldzuges werden" ist ja wohl der Schenkelklopfer des Jahres.
Syrien, das heute in Trümmer liegt würde nicht einmal einen Tag einen zwischenstaatlichen Krieg bestehen.
Das ist eine Beleidigung der Israelischen Armee.

Ich befürchte eher, dass die israelischen Hardliner die iranische Präsenz in Syrien nutzen werden, um das gesamte Einzugsgebiet des Sees Genezaret als sogenannte Pufferzone ein zu verleiben.
Natürlich nur zur Verteidigung.

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