Impfen gegen Unvernunft

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Impfen gegen Unvernunft

Von Urs Meier, 07.01.2021

Die Leisetreterei gegenüber Impfgegnern muss aufhören. Klartext ist angesagt.

Rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung will sich gegen Covid-19 impfen lassen. 27 Prozent sagen ja, 26 Prozent «eher ja». Das hat eine Befragung von «Tages-Anzeiger» und «20 Minuten» Anfang Dezember ergeben. Bei Männern sind es mehr Zustimmende, bei Frauen weniger; Ältere zeigen grössere Bereitschaft als Jüngere. 

Offenbar ist seither die Impfbereitschaft etwas gestiegen. Sie erreicht aber nicht die rund 70 Prozent, die nach epidemiologischen Schätzungen nötig wären, um die strengen Schutzmassnahmen entbehrlich zu machen.

Es gibt eingeschworene Gegner, die sich jeder Impfung verweigern. Das geschieht aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen, manchmal auch aus einem tiefen allumfassenden Misstrauen heraus. Sie umstimmen zu wollen, dürfte aussichtslos sein. Doch ihre Zahl ist nicht so gross, dass sie das Impfziel gefährden könnten. 

Bleiben noch die Impfskeptiker und Bedenkenträger. Sie misstrauen der klaren Evidenz des überwältigenden Nutzens von Impfungen oder glauben an eine Verschwörung von Big Pharma. Vielleicht stimmt sie im Fall der jetzigen Impfkampagne die sensationell schnelle Entwicklung und Zulassung der Covid-19-Vazkine misstrauisch. Auf sie dürfte der Löwenanteil der Nein- und Eher-nein-Aussagen entfallen. Und sie müssen gewonnen werden, um das Ziel der 70 Prozent Geimpften zu erreichen.

Bis jetzt hat die Politik defensiv auf Impfgegner und -skeptiker reagiert. Man beeilte sich zu betonen und wiederholte es immer wieder, es werde ganz sicher keinen Impfzwang geben. Die unausgesprochene Botschaft dabei war: Die Impfung zu verweigern, ist auch in Ordnung. – Unter den zahlreichen kommunikativen Fehlern in der Corona-Politik könnte sich dieser am Ende als der schlimmste herausstellen.

Die offizielle Ansage zur Impfung muss eine andere sein. Man soll sie zwar nicht für obligatorisch erklären, weil dies vermutlich den Widerstand schüren würde. Aber es ist unumgänglich, dass vom Bundesrat bis zu den kantonalen Gesundheitsdepartementen ohne Wenn und Aber dazu aufgerufen wird, sich impfen zu lassen. Gegen die Unvernunft hilft defensives Verhalten nicht. Die Impfkampagne braucht eine Kommunikation, die Klartext redet. 

Zu solcher Klarheit gehört auch, dass von politischer Seite allen Gastro-, Reise-, Kultur- und Eventveranstaltern, die den Zutritt an einen Impfnachweis binden wollen, der Rücken gestärkt wird. Das Gejammer wegen einer angeblichen Zweiklassen-Gesellschaft ist Unsinn. Denn eine Zweiklassen-Gesellschaft, in der jeder selber wählen kann, welcher Klasse er angehören will, ist keine.

Sie schreiben von 70% Geimpften, die nach „epidemologischen Schätzungen“ nötig wären. Dass dies eine „Schätzung“ ist, ist aufrichtig. Was fehlt ist der Hinweis, dass es keine einheitliche „epidemologische Meinung“ gibt. Medizin und im Besonderen die Pharmakologie ist keine präzise Wissenschaft; es ist eher ein Forschungsbereich mit akzeptablen Zwischenergebnissen. Es gibt Epidemologen und medizinische Fachpersonen, die Viren in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise beurteilen und jeden Eingriff in das Immunsystemals als schwerwiegende und deshalb mit Bedacht abzuwägende Aktion verstehen.
Es gibt auch viele Mitbürger, die pflegen ein naturnahes Lebensbewusstsein und wissen von ihren Grossmütter und aus eigener Beobachtung, welche geistigen, körperlichen und emotionalen Entwicklungssprünge ein gesunder, heranwachsender Sprössling durch einen durchgestandenen viralen Infekt erfährt.
Nicht zulezt gibt es Menschen, die enge Angehörige durch eine seltene Krankheit mit einer ernstzunehmenden Tödichkeitsrate begleitet haben und wissen, was pharmazeutische Produkte, die keine Phase 3 durchlaufen haben anrichten können.
Diese Erfahrungen können zu einer differenzierten Anschauung zu Gesundheit und Krankheit, Lebensqualität und Tod und somit auch zum Impfen gesunder Menschen führen.
Es könnte auch durchaus vernünftig sein, die Herstellung hervorragender Medikamente und die Marketinganstrengungen börsendotierter Unternehmen, deren Erfolg von der Menge kranker Menschen abhängt, differenziert zu betrachten.

Der Muss-Satz unter dem Titel hetzt gegen Andersdenkende. Schade, dass ein Mann ihres intellektuellen Kalibers das nicht sehen kann. Vielleicht trägt zu einer Einsicht das Zitat von Spinoza bei, das kürzlich der Spruch des Tages von journal21 war: "Was Peter über Paul sagt, sagt mehr aus über Peter als über Paul."

Ich finde, wir sollten uns mehr auf das Wesentliche fokussieren: Die Pademie wird letztlich besiegt, in dem wir Herdenimmunität erreichen. Da wir die Impfung haben, wird dies das Mittel dazu sein. Dafür braucht es ca. 60% Geimpfte (d.h. etwas weniger als Ro/(Ro-1)*100, und Ro liegtbei diesem Virus um ca. 2.5-3.5). Etwa 20% sind vermutlich bereits Immun auf Grund einer früheren Ansteckung. Die restlichen 40% wird man sicher noch erreichen. (Ich werde mich auch impfen lassen, wenn die Reihe an die jüngeren kommt).
Zwang und Druck zum Impfen (oder gar Diskriminierung und Geringschätzung der Skeptiker) werden gar nicht nötig werden. Es müssen nicht alle impfen, aber alle werden sehen, dass das Impfen harmlos ist und uns ermöglicht, diese verdammte Pandemie endlich zu überwinden.

Ich werde mich vermutlich impfen lassen, bin aber dankbar, das ich vorher noch denken darf: Ich plane, meinen Hausarzt zu fragen, wie sich die Impfung mit meinen Vorerkrankungen verträgt und ich möchte wissen, ob ich vielleicht Abwehrstoffe gebildet habe durch eine milde verlaufene Erkankung an Covid 19 - dadurch eilt es ja nicht so sehr mit der Impfung.

Sie "dürfen" nicht denken, sie sollen es. Was Sie vorhaben, finde ich genau richtig und vernünftig.

Sehr geehrter Autor, bitte befassen Sie sich doch auch einmal mit der Geschichte des Impfens. Nebst durchaus positiven Ergebnissen, ist es zu zahlreichen negativen Effekten gekommen. So bei der Polio-Impfung (meine Grosstante ist z.B.1908 im Kindesalter nach der Impfung daran gestorben, eine von zahlreichen anderen Personen). Zudem impliziert Ihr Titel, nur Sie und andere Geimpfte seien vernünftig - kommt nicht gut an und wirkt latent aggressiv. Schade.

Sehr geehrte Frau Nold
Sie schreiben, dass Ihre Grosstante 1908 im Kindesalter an den Folgen der Polio-Impfung gestorben sei, ebenso zahlreiche andere Personen. Dies ist historisch nicht möglich, da die beiden Impfstoffe für Polio (Kinderlähmung) erst seit 1955 bzw. 1961 zur Verfügung stehen.

Die Geschichte des Impfens ist die grösste Erfolgsstory der modernen Medizin. Dass es Fehler gab und auch weiterhin geben kann, streitet niemand ab. Doch gerade die schreckliche Geissel Polio ist die Menschheit losgeworden, und zwar dank der Impfung.

Urs Meier bringt es auf den Punkt! Wer sich impfen lässt, schützt sich und andere und handelt solidarisch. Ohne breite Impfung kommen wir nicht aus der heutigen Situation heraus. Es ist sachgerecht, geimpfte Personen z. B. bei Veranstaltungen zu bevorzugen, da die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung bei Ihnen sehr klein ist. Mit Diskriminierung hat dies nichts zu tun: Gleiches wird gleich behandelt.

Impfzwang sei der Eingriff in die persönliche Freiheit sagen viele .
Juristen würden einen Impfzwang so oder so kippen , also ist es
unnötig das zu erzwingen .
Man kann die Firmen , Spitäler und Altersheime nur unterstützen
wenn sie nicht geimpftes Personen nicht einstellen oder kündigen .
Denn wer wollte es riskieren seine Firma schliessen zu müssen
wenn eine Person positiv getestet wird .

Werter Herr Blumer, Sie gehen davon aus, dass die Pandemie (falls es eine ist) durch Impfen bekämpft bzw. besiegt werden kann. Ich finde diese Ansicht eine trügerische Hoffnung. Ohne Änderung der Lebensweise (vermindern der Mobilität, Verbieten der Massentierhaltung, Stopp des verdichteten Wohnens usw.) wird der Mensch (Homo Sapiens) immer für Viren anfällig bleiben.

Herr Moser , mit der Massentierhaltung bin ich ganz auf Ihrer Seite. Da muss dringend etwas geschehen . Wie Dänemark wo
für die Mode Tiere gezüchtet werden und wie Ware behandelt werden . Für mich ein Grund Waren aus Dänemark zu meiden .
Für die andern Argumente müssen Sie die Zeit 100 Jahre zurücksetzen , die Menschen werden Ihnen nicht folgen .

Stellen Sie sich vor , in einigen Monaten wo vernünftige Leute geimpft sind , müssen Sie für eine Operation ins Spital und werden dann vom Personal selbst mit Corona angesteckt , was wäre wohl die Reaktion ihrer Angehörigen , auch wenn Sie selbst das als Schicksal bezeichnen würden .
Es gibt Firmenchefs die Impfungen ablehnen , da können dann Impfgegner auch weiterhin arbeiten gehen wenn ihnen die
jetzige Firma kündigt weil Sie nicht geimpft sind .
Ich grüsse Sie .

Sie schreiben "Bleiben noch die Impfskeptiker und Bedenkenträger. Sie misstrauen der klaren Evidenz des überwältigenden Nutzens von Impfungen." Gemäss einer Analyse, die im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde zeigte sich ganz klar, dass IMPFUNGEN KEINEN EINFLUSS AUF DIE MORTALITÄTSRATE hatten. Die Mortaliätsrate fällt seit 1900 mehr oder weniger Linear bis 1980 um dann mehr oder weniger parallel zur x-Achse zu verlaufen. Ich hoffe sehr, dass sie diesen Artikel lesen und er bei ihnen zu einem Überdenken ihrer Meinung führt. Ach ja, noch was, Die Studien, die von den Behörden herangezogen werden, um zu entscheiden ob ein Medikament etc. zugelassen wird, wird vom Unternehmen finanziert, die da Produkt entwickelte. Noch Fragen? https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/768249

"Es gibt eingeschworene Gegner, die sich jeder Impfung verweigern. Das geschieht aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen, manchmal auch aus einem tiefen allumfassenden Misstrauen heraus. Sie umstimmen zu wollen, dürfte aussichtslos sein. Doch ihre Zahl ist nicht so gross, dass sie das Impfziel gefährden könnten."

Vielen Dank für diese Aussage Herr Meier, es zeigt wieder mal wie wenig Ahnung manche Menschen davon haben was hier draussen wirklich los ist. Sie reduzieren die mit recht skeptischen Leute zu irgendwelchen spinnern und idioten... wir sind aber selbstständig denkende Leute und glauben halt einfach nicht jeden "seich"

Ich habe eigentlich gemeint das hier seriöser Journalismus von erfahrenen Menschen gemacht wird und dann so was auf Bouleward Nivo....?

Der Herr A.B. hat ja gesagt dass dieser Impfstoff genau wie jeder andere Impfstoff getestet und geprüft wurde.... Haben Sie persönlich diese Tatsache, was eine dreiste Lüge ist, schon ausgeblendet vor lauter Angst vor einem Virus der noch niemand auf dieser Erde nachgewiesen hat....

Bis jetzt hat noch jede Diskusion/Argumentation meinerseits, den sehr verängstigten Impffreunden entweder ein wenig die Augen geöffnet oder Sie wurden aggressiv und sind aus dem Gespräch rausgelaufen, also eine klassische angst Reaktion...

Mit Information ist es wie beim Kochen, kochst du frisch, kennst du die Quellen, du weisst wo dein essen herkommt und was drinnen ist. Kauftst du ein Fertigmenu, kann da alles mögliche drinn sein und du hast keien schimmer was.
Es bedeutet halt viel mehr Aufwand frisch zu kochen- so ist es auch mit den Infos, es bedeutet viel Aufwand die Infos zu filtern, die Quellen zu kennen.
Wenn man sich echtes Wissen zulegen möchte, bedeutet dies eine gewisse holschuld, man muss sich darum bemühen...
Ansonsten gibt es halt fix fertige Gerichte ala Blick&20Min.

Da sollte man nicht zu viel davon konsumieren, das könnte auf den Magen und sogar auf auf das Hirn schlagen.

Bleibt gesund und kritisch...

Ihre Rhetorik in Ehren, aber bisher vernehme ich nicht mehr als das. Was sind den nun Ihre relvanten Gründe dem Impstoff zu misstrauen? Wo sind die Studien mit Evidenz, welche die Anwendung in Frage stellen, die Anwendung verbieten würden? Davon kann man bei Ihnen nichts vernehmen. Und antworten Sie jetzt nicht damit, dass das jede(r) findet, wenn er nur danach sucht.

Gebe dem Verfasser Recht, bei einer Pandemie gibt es den Blick auf die Allgemeinheit zulegen, da müssen eigene Intresse zurück stehen, aber bei uns hat ein Großteil noch nicht verstanden was eine Pandemie ist.

So ist es. Danke für diesen Text!

Herr Meier,
wieso sind denn selbst viele Ärzte und überhaupt eine Mehrheit des medizinischen Personals in Spitälern skeptisch-zurückhaltend und würden sich selber (zumindest noch) nicht impfen lassen? Müssten es nicht genau die am besten wissen? Ich meine, eine Zurückhaltung bei diesem horrenden Tempo ist höchst verständlich und zeugt von einer gesunden kritischen Haltung. Es kann kein Zufall sein, dass frühere Impfmittel 10-15 Jahre brauchten, ehe sie auf Herz und Nieren geprüft wurden. Da soll jetzt ein Zehntel davon plötzlich genügen? Das macht mich skeptisch und hat zur Folge, dass auch ich mich mit Sicherheit (noch) nicht impfen lassen werde. Und das ist fernab von jeder Verschwörung o.ä. zu verstehen.

Sie haben recht, wenn sie schreiben, dass beim Pflegepersonal eine Impfskepsis vorherrscht. Dies ist für viele Menschen nicht gerade ermutigend, wenn man daran denkt, dass in Spitälern sowie Alters- und Pflegeheimen das Impfen eigentlich dringlich sein müsste, um Patienten und alte Leute vor Ansteckungen zu schützen. Daher ist eine gewisse Vorsicht in Bezug auf Impfungen nicht verfehlt.

Zit: "Zu solcher Klarheit gehört auch, dass von politischer Seite allen Gastro-, Reise-, Kultur- und Eventveranstaltern, die den Zutritt an einen Impfnachweis binden wollen, der Rücken gestärkt wird".

Soweit bin ich ja einverstanden mit Ihrem Artikel- aber obiges ist Unfug. Was wäre dann der nächste Schritt? Ein ÖV Ticket kann ich nur kaufen unter Vorlegen des Impausweises? Der Buchhändler legt dann bald nach? So geht es definitiv nicht. Wenn die Politik, die Behörden, die Wissenschaft es kommunikativ nicht hinbekommt, die Bevölkerung in genügendem Masse zu überzeugen, ja, dann, dann haben sie wirklich versagt oder der Impfstoff hat wirklich ein Problem. Ich halte es für völlig verfehlt, jetzt da etwas hochzupushen und unnötigen Druck heraufzubeschwören, oder Leute als uneinsichtig zu brandmarken.

ich gehöre wohl zur gruppe impfskeptiker und es gibt einen einfachen grund dafür.
solange die impfstoffhersteller keine haftung für impfschäden übernehmen, heisst das für mich, dass ihnen das risiko für das auftreten solcher schäden zu gross ist. es ist ja wohl klar, dass der grund dafür die forcierten entwicklungszeiten von 12- 18 monaten statt der üblichen 5 - 10 jahre ist. es würde wohl niemand in einer seilbahn auf einen berg fahren, wenn der bahnbauer keine haftung für die sicherheit im betrieb übernehmen würde.

Der letzte Vergleich hinkt! Wenn sie mit der seilbahn fahren wissen sie, dass sie zwar gut versichert sind, dass ihnen die Versicherung aber nie etwas nützen wird. Sie wären tot bei einem gondelabsturz. Und trotzdem fahren in den Skigebieten Hunderttausende täglich damit. Es bringt nur ihren Angehörigen etwas. Die Mortalität der impfkomplikationen ist ganz anders.

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