Einvernehmlich

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Einvernehmlich

Von Alex Bänninger, 11.08.2017

Aus dem Wort „einvernehmlich" ist ein Wortschleier geworden. Er verhüllt Konflikte. Aber so ungeschickt, dass dahinter Streit vermutet werden darf.

Es rumort auf der Chefetage. In der Gerüchteküche dampft es. Alsbald folgt die Trennung von einem Kadermitglied, was die PR-Abteilung als „einvernehmlich" getroffenen Entscheid vermeldet. Damit weiss die Öffentlichkeit mit der berühmten Wahrscheinlichkeit, die an Sicherheit grenzt, dass die Fetzen flogen und der Machtkampf mit einem Opfer oder Bauernopfer endete.

Unter „einvernehmlich" kann allenfalls verstanden werden, es hätten mit Einvernahmen vergleichbare Begegnungen stattgefunden, um für die Einvernehmlichkeit den nötigen Druck aufzubauen. Möglichst nicht vernehmlich.

Wie aber lautet die Formulierung, wenn es ohne das geringste Zerwürfnis zur Trennung kam? Mitzuteilen wäre etwa, das Unternehmen bedaure den Weggang ausserordentlich und sei dem Ausgeschiedenen fürs glänzende Wirken uneingeschränkt dankbar.

Leider taugt diese Wendung nur so lange, bis sie die PR-Profis durch Missbrauch versaut haben. Die Verbreitung von Euphemismen ist ihre Kernkompetenz. Was die Genarrten wohl einvernehmlich bestätigen.

Kommentare

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Die Erklaerung "einvernehmlich" ist der untruegliche Beweis fuer viel Knatsch zwischen den Parteien und die Trennung unvermeidlich, das Ende einer Geschichte ohne Frieden. Es ist ein Unwort wie die Zeile im Arbeitszeugnis, Herr / Frau X hat sich stets ausgezeichnet bemueht fuer das Unternehmen alles zu geben. Ehrlich waere, ach was sind wir froh, die Person losgeworden zu sein. Dies zu schreiben ist aber verboten ! Wo Ehrlichkeit zum Nachteil werden koennte, wird die Realitaet sprachlig blumig geschmueckt und es braucht nicht die PR Leute zur Entschluesselung wie der Autor meint, eigenes Gespuer reicht die Faelschung zu erkennen.

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