Ein krankes System

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Ein krankes System

Von Klara Obermüller, 21.02.2019

Noch ist ungewiss, zu welchem Ergebnis der sogenannte Missbrauchsgipfel in Rom gelangen wird. Sicher ist nur, dass es Aufrufe zu Transparenz und Null-Toleranz geben wird. Aber reicht das, um Übergriffen und Machtmissbrauch ein Ende zu setzen?

Jeder, der in der Schweiz oder anderswo ein katholisches Internat besucht hat, weiss Geschichten von übergriffigen Patres zu erzählen. Nicht erst heute, immer schon und früher mehr denn je. Es gehörte zum System und hatte nur selten Folgen. Alle wussten davon, die meisten schwiegen, und ganz oben wollte man davon keine Ahnung gehabt haben.

Damit ist jetzt Schluss. Niemand kann mehr behaupten, nichts zu wissen, die Äbte nicht, die Bischöfe und Kardinäle nicht und auch nicht der Papst. Dieser hat nun die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen und Ordensoberen nach Rom zu einem Krisengipfel geladen. Derzeit wird getagt und beraten, was zu tun sei, damit die Übergriffe aufhören und das Vertuschen ein Ende hat. Der Ausgang ist offen. Mehr als Betroffenheit, Appelle und im äussersten Fall ein kollektives „Mea culpa“ sind allerdings kaum zu erwarten.

Und es ist mehr als fraglich, ob die hohen Herren bereit sind, den Wurzeln allen Übels auf den Grund zu gehen. Denn dann müssten sie zugeben, dass es sich bei dem vielhundertfachen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und Schutzbefohlenen, von Klosterschülern, Nonnen und Seminaristen nicht um Verfehlungen Einzelner handelt, sondern um einen Grundfehler des Systems: eines Systems, das keine Gewaltentrennung kennt und auf Machtmissbrauch und sexueller Unterdrückung beruht.

Hier müssten Reformen ansetzen, wenn sie Sinn machen sollten. Es müsste ein für allemal Schluss sein mit internen Regelungen. Es müsste ein für allemal Schluss sein mit dem Zwang zu Enthaltsamkeit und der Unterdrückung der eigenen Sexualität. Das heisst: Sexueller Missbrauch gehört in jedem Fall vor ein weltliches Gericht. Und der Zwangszölibat für Priester und Ordensleute ist abzuschaffen. Nur so könnte sichergestellt werden, dass den Opfern Gerechtigkeit widerfährt. Und nur so könnte das kranke und krankmachende System gesunden.

Kommentare

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Die Schreiberin, 3 Votanten und, und, und - wir sind uns einig: Auch das schuldbeladene RKK-System gehört abgeschafft. Re-formieren "Zurück in Form bringen"? zwecklos. Aber auch dies: Gewaltige bis gewalttätige Kräfte waren und sind bestrebt, dass weiterhin straflos "Gemüllert" werden darf. Aber Glauben+Vertrauen+Treue - die bessere Sache - wird siegen! Ewig.

Heute hatte ich das „Kircheheute“ im Briefkasten. Das römisch-katholische Pfarrblatt der Nordwsetschweiz.

Ein Satz daraus: „... erwartet vom Treffen, dass es gelingt, sich auf einheitliche Standards zu einigen und zugleich Spielraum für örtliche Besonderheiten zu belassen.“

Ich bin fassungslos. „ Spielraum für örtliche Besonderheiten“ . Hallo? Ist das ein Spiel?

Es muss die Null-Toleranz gelebt werden.

Es gibt im Bezug auf Missbrauch keine „örtlichen Besonderheiten“ . Keine.

Morgen trete ich aus. Fertig, Basta, Schluss.

Tröstlich ist, dass dieses Thema weder die Reformierten, noch die Protestanten, noch die Lutheraner, noch die Anglikaner, noch die Muslime., noch die Chinesen, noch die Kommunisten usw. berührt. Wiederum ein eurozentrisches Getue. Aber wichtig und gewichtig nimmt sich die RKK immer noch. Sie darf..

Der Forderung von Klara Obermüller zur Behebung der drei Grundübel im römisch-katholischen System stimme ich ganz zu.
Ob diese Kirche allerdings zu Reformen fähig ist? Mit der Trennung der Ost-Kirche und der Zeit von Luther hat sie bewiesen, dass sie dazu eben nicht fähig war. Ob es heute mit dem ausserordentlich fähigen und willigen Papst Franziskus möglich ist, bleibt zu hoffen. Aber ein Papst allein kann nicht alle riesigen Baustellen beheben, die zudem auf allen Kontinenten der Erde vorhanden sind, aber teilweise geleugnet und tabuisiert werden.
Zudem gibt es um den abgesetzten Deutschen Grossinquisitor Kardinal Müller eine weiterhin machtvolle Gruppe lernunfähiger, alter und verbitterter Männer, welche auf Macht, Prunk und Untertanentum mit höfischem Gehabe nicht verzichten wollen und zudem überzeugt sind, dass der gewöhnliche Mensch dumm, unreif und unmündig ist und deshalb bis ins Schlafzimmer ihrer kirchlichen Führung und Kompetenz bedarf.
Es ist zu hoffen, dass vorab die mündige Basis, Frauen und Männer, diese alte Garde in die Wüste schickt!
Bezüglich Sexualität: Momentan geht es ja ausschliesslich um den Missbrauch von Kindern durch Funktionäre der römisch-katholischen Institution. Nicht im Blick sind: Homo- und Heterosexuelle Kontakte mit Erwachsenen, Aktivitäten im Rotlicht Milieu, Frauen mit Kindern von Priestern, Depressionen und Suizide wegen Überforderung durch die krankmachende Sexualmoral.
Dieses auf sexuelle Unterdrückung ausgelegte römisch-katholische System gehört gebrandmarkt und muss vor Gericht angeklagt werden. Diese Unterdrückung ist ein Verstoss gegen die Menschenrechte und Arbeitsgesetze. Letzteres schreibt vor, dass eine Firma die menschliche Integrität und Gesundheit der Angestellten schützen muss.

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