Ein Jahr vor den nationalen Wahlen

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Ein Jahr vor den nationalen Wahlen

Von Werner Seitz, 13.10.2018

Die jüngsten Verschiebungen der Parteistärken interessieren besonders im Vorfeld des Wahljahrs 2019. Die Bilanz der kantonalen Parlamentswahlen 2016–2018 gibt Hinweise.

Mit den Zuger Wahlen vom vergangenen Wochenende fanden die letzten kantonalen Parlamentswahlen im Jahr 2018 statt. Zeit für eine Bilanz der 19 kantonalen Parlamentswahlen 2016–2018, ein Jahr vor den Nationalratswahlen 2019.

FDP, SP und Grüne im Aufwind

Grosse Siegerinnen der Parlamentswahlen seit den Nationalratswahlen 2015 sind die FDP, die SP und die Grünen. Die FDP legte – zusammen mit den Liberalen – insgesamt 29 Mandate zu. SP und Grüne steigerten sich um je 18 Mandate und die GLP um vier. Auf der Verliererseite stehen, erneut, die CVP (-29) und die BDP (-15) sowie, ungewohnt nach ihrem jahrzehntelangen Aufstieg, die SVP (-13).

Auch wenn die hier ausgewerteten kantonalen Parlamentswahlen nicht gleichzeitig, sondern im Verlaufe der letzten drei Jahre stattfanden und auch wenn die Parlamente nicht in allen Kantonen gleich viele Sitze haben, so lassen sich gleichwohl – mit der nötigen Zurückhaltung – gewisse parteipolitische Veränderungen festhalten.

Genereller Aufschwung der FDP

Nach jahrzehntelang andauernden Verlusten ist die FDP wieder auf der Siegerstrasse. Sie gewann in elf Kantonen insgesamt 37 Parlamentsmandate hinzu und verlor in sechs Kantonen acht Mandate. Besonders stark punktete sie in der Romandie (+16). Die grössten Gewinne realisierte sie in Neuenburg (+8) sowie in Genf und Freiburg. Auch in der Ostschweiz legte die FDP deutlich zu (+7), vor allem in St. Gallen und Graubünden.

Dagegen vermochte sich die FDP im Mittelland mandatsmässig nur in Bern zu steigern (+3). In der Zentralschweiz resultierte für die FDP aus Gewinnen und Verlusten nur gerade ein Zuwachs von insgesamt einem Mandat. Werden in Basel-Stadt die Liberalen zur FDP gerechnet, so hat die FDP auch in Basel-Stadt zugelegt (+2).

Die FDP ist nun in sechs der 19 neu bestellten Kantonsparlamente mandatsstärkste Partei (NW, SO, GR, VD, NE und GE). In Nidwalden hat sie die SVP und die CVP, welche beide gleich stark waren, als mandatsstärkste Partei abgelöst und in der Waadt, auch dank Fusion mit den Liberalen, die SP.

Die Grünen gewinnen in der Romandie …

Die Grünen gewannen in sieben Kantonen 23 Mandate und verloren in drei Kantonen deren fünf. Ausserordentlich stark punkteten sie in der Romandie (+21): Sie legten im Wallis sechs Mandate zu, in Neuenburg und Genf je fünf, in Freiburg drei und in der Waadt zwei. Ein zusätzliches Mandat holten die Grünen auch in Basel-Stadt.

In der Zentralschweiz stagnierten die Grünen per saldo. In der Ostschweiz und im Mittelland büssten sie – wegen Mandatsverlusten in Schaffhausen und Bern – je zwei Mandate ein.

… und die SP im Mittelland und der Zentralschweiz

Mehrheitlich auf der Siegerseite stand in den vergangenen drei Jahren auch die SP. Sie punktete in zehn Kantonen (+28 Mandate) und verlor in sechs Kantonen (-10 Mandate).

Am stärksten legte die SP im Mittelland zu (+14). In Bern und im Aargau gewann sie je fünf Mandate, in Solothurn vier. In der Zentralschweiz steigerte sie sich per Saldo um sechs Mandate. In der Ostschweiz resultierte aus verschiedenen Gewinnen und Verlusten für die SP ein Zuwachs von zwei Mandaten. Negativ war dagegen die Bilanz der SP in der Romandie (-5). Sie verlor vor allem in der Waadt.

Die SP verfügt in Basel-Stadt über die meisten Parlamentsmandate – dies bereits seit geraumer Zeit – und, seit 2016, auch in Freiburg.

Die GLP verbessert sich leicht

Eine leichte Verbesserung ihrer Mandatszahl (+4) konnte die GLP verzeichnen. Sie verdankte dies vor allem den Gewinnen in Schaffhausen (+4) und Schwyz (+3), wo sie neu angetreten war. Weitere Gewinne gab es für sie in Glarus (+2), in Graubünden und im Thurgau (je+1). Mandatsverluste setzte es dagegen in St. Gallen (-3) ab sowie in Solothurn, Basel-Stadt, im Aargau und in Neuenburg (je -1).

SVP-Siegesserie in der Romandie gestoppt

Hat die SVP seit den Neunzigerjahren Wahl um Wahl gewonnen, so war dies seit den eidgenössischen Wahlen 2015 nicht mehr der Fall. Sie verlor in neun Kantonen Parlamentsmandate (-27). In sechs Kantonen vermochte sie sich allerdings nochmals zu steigern (+14 Mandate).

Die SVP reüssierte vor allem in der Ostschweiz (+7), namentlich in St. Gallen (+5). In den anderen Regionen war die Bilanz mandatsmässig durchzogen bis negativ. In der Zentralschweiz verlor die SVP per saldo zwei Mandate und im Mittelland vier, davon drei in Bern. Gestoppt und zum Teil brutal gewendet wurde der Vormarsch der SVP in der Romandie (-14). Sie verlor Mandate in Genf, in der Waadt und in Neuenburg. In Letzterem, wo sie erst vor einem guten Jahrzehnt gegründet wurde, waren es elf Verluste.

Die SVP ist in sieben der 19 neu gewählten Kantonsparlamente die mandatsstärkste Partei (in BE, SZ, GL, SH, SG, AG und TG).

CVP auf der Verliererstrasse

Die CVP schaffte es auch im vierten Jahrzehnt ihres elektoralen Abstiegs nicht, eine Trendwende herbeizuführen. In ihren Stammlanden und ehemaligen Hochburgen büsste sie flächendeckend insgesamt 21 Mandate ein (VS -6, FR -4, in SG und OW je -3, SZ -2 und in UR, ZG, NW je -1). Im Mittelland verlor die CVP vier Mandate, in der Ostschweiz neben dem schon erwähnten St. Gallen noch drei weitere Mandate, sowie in Basel-Stadt eines.

Ein kleiner Lichtblick dürfte für die CVP die Romandie sein. Zwar verlor sie neben den erwähnten Einbussen im Wallis und in Freiburg auch in der Waadt (-2), gewann aber je ein Mandat in Neuenburg und in Genf. In Glarus konnte die CVP zudem ihre Mandate halten.

Die CVP ist in vier der 19 neu gewählten Kantone noch stärkste Partei: in Uri, Obwalden, Zug und im Wallis.

BDP weiter im freien Fall

Besonders dramatisch ist die Bilanz der kleinen BDP in der Nach-Widmer-Schlumpf-Ära. Nur gerade in Solothurn vermochte sie ihre Mandatszahl zu halten. In sieben Kantonswahlen büsste sie dagegen Mandate ein, die meisten in Graubünden (-5), einem der Gründerkantone. Je zwei Mandate verlor die BDP im Aargau, im Thurgau, in St. Gallen und in Freiburg. In den beiden letzteren Kantonen fiel sie gar aus dem Parlament. Immerhin büsste sie in den Gründerkantonen Bern und Glarus nur je ein Mandat ein.

Fasst man die Resultate unter dem Aspekt der Regionen zusammen, ergeben sich folgende parteipolitischen Veränderungen:

Romandie und Mittelland: Rotgrüne Gewinne

In der Romandie steigerten sich SP und Grüne zusammen um 16 Mandate und im Mittelland um zwölf. Dabei schwangen in der Romandie die Grünen mit 21 Mandatsgewinnen obenaus (SP -5) und im Mittelland die SP (+14, Grüne -2).

In der Zentralschweiz gingen die rotgrünen Mandatsgewinne (+6) allein auf das Konto der SP. Die Grünen stagnierten insgesamt. In der Ostschweiz schliesslich konnte Rotgrün seine Mandatszahl per saldo halten, wobei die SP zwei Mandate zulegte und die Grünen zwei verloren.

Ostschweiz: Gewinne von FDP und SVP

In der Ostschweiz legten FDP und SVP am stärksten zu (+14 Mandate). Dabei punktete nicht nur die FDP (+7), sondern gleichermassen auch die SVP. Die CVP büsste dagegen sechs Mandate ein.

Die FDP war die einzige bürgerliche Partei, die in sämtlichen Regionen Mandate hinzugewann. Die CVP, die je nach Region und politischer Fragestellung zum bürgerlichen Lager gezählt werden kann, verlor in allen Regionen. Bei der SVP dagegen variierten die Verluste nach Region.

Besonders stark waren die Einbussen der SVP in der Romandie (-14). Diese konnte die FDP mit ihren 16 Mandatsgewinnen noch wettmachen. Werden jedoch noch die zehn CVP-Verluste in Betracht gezogen, wurden FDP, CVP und SVP zusammen in der Romandie um acht Mandate geschwächt.

Im Mittelland verlor die SVP gleichviele Mandate wie die CVP (je -4). Da die FDP nur drei Mandate hinzu gewann, resultierte daraus für die drei Parteien ein Verlust von fünf Mandaten. Dagegen standen in der Zentralschweiz vor allem Verluste der CVP zu Buche (-8). Die SVP büsste zwei Mandate ein. Dies vermochte die FDP mit nur einem Gewinn nicht wettzumachen.

Links zu den Wahldaten des Bundesamtes für Statistik:

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