Die USA bleiben in Syrien

Arnold Hottinger's picture

Die USA bleiben in Syrien

Von Arnold Hottinger, 17.09.2018

Vor dem Hintergrund eines drohenden Schlagabtausches mit Iran zeigen die Amerikaner in Syrien mehr und mehr Flagge.

Während der ganzen vergangenen Woche führten Angehörige der amerikanischen Marine-Infanterie in Syrien Manöver durch. Unterstützt wurden die „Marines“ von den „Maghawir ath-Thaura“, den „Partisanen der Revolution“, die gegen das Asad-Regime kämpfen und weiterhin von den USA gefördert werden.

Karte: Journal21.ch/stepmap.de
Karte: Journal21.ch/stepmap.de

Bei den Militärübungen wurde scharfe Munition eingesetzt. Die Manöver fanden nahe des syrischen Wüstendorfes Tanf statt. Dieses liegt in der Nähe des syrisch-jordanisch-irakischen Dreiländerecks. Die Strasse, die Damaskus mit Bagdad verbindet, läuft über Tanf. Zahlreiche amerikanische Marine-Infanteristen waren von Jordanien und dem Irak hierhergekommen, um an den Übungen teilzunehmen.

Amerikanische Schutzzone in Syrien

Der Ort ist auch ein Flüchtlingslager. Gegen 50’000 syrische Flüchtlinge leben hier. Sie wollten nach Jordanien fliehen, wurden aber von den jordanischen Grenzsperren zurückgewiesen. Betreut werden die Flüchtlinge von internationalen Hilfswerken, die von Jordanien aus operieren. In Tanf befinden sich auch eine amerikanische Militärgarnison sowie ein Stützpunkt der „Partisanen der Revolution“.

Rund um Tanf haben die Amerikaner eine Schutzzone mit einem Radius von 50 Kilometern errichtet. Feindliche Kräfte, die in diese Zone eindringen wollen, werden bekämpft. Im vergangenen Frühjahr wurden mehrmals eindringende iranische Milizverbände zurückgeschlagen.

Gegen die iranische Präsenz in Syrien

Früher wurden auf der Strasse von Bagdad nach Damaskus iranische Waffen für den libanesischen Hizbullah transportiert. Mit ihrer Präsenz in Tanf versuchen die Amerikaner, diese Transporte zu unterbinden.

Damaskus und Moskau haben gegen die amerikanische Präsenz auf syrischem Boden protestiert. Für beide Mächte ist die amerikanische Anwesenheit in Syrien „illegal“. Die jetzt stattfindenden Manöver mit Beteiligung amerikanischer Soldaten sind eine Antwort auf diese russisch-syrischen Proteste. Washington macht deutlich, dass sich die USA das Recht herausnehmen, gegen die iranische Präsenz in Syrien und die damit verbundene Achse Teheran–Hizbullah vorzugehen. Eine Haltung, die natürlich den israelischen Wünschen entspricht. Auch die israelische Luftwaffe geht gegen die iranischen Machenschaften in Syrien vor.

Letzte Offensiven gegen den IS

Bisher rechtfertigten die USA ihr Eingreifen in Syrien mit der Präsenz und der Bedrohung, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ ausging. Mit den amerikanischen Luftschlägen sollten auch Anti-Asad-Kräfte unterstützt werden, so vor allem die kurdisch-arabische SDF (Syrien Democratic Forces). Diese kämpfen auch heute noch gegen den IS in Nord-Ostsyrien.

Am 11. September wurde gemeldet, dass die SDF – stets mit amerikanischer Hilfe aus der Luft und „Beratung“ durch amerikanische Sondertruppen am Boden – eine neue Offensive gegen die letzten Reste des IS in Syrien begonnen haben. Sie richtet sich gegen den Flecken Hajin. Dort am Wüstenrand östlich des Euphrats, unweit der Provinzhauptstadt Deir az-Zor, leben 60’000 Menschen. Hier sollen sich Tausende IS-Kämpfer verschanzt haben. Offiziere, die an der neuen Offensive teilnehmen, erwarten, dass die Kämpfe lange dauern werden, weil die IS-Kämpfer unterirdische Verstecke gebaut und die Zufahrtswege vermint haben.

Weiter im Osten, jenseits der syrischen Grenze, sind es irakische Verbände, die gegen die Überreste des IS kämpfen. Auch die Iraker werden von den Amerikanern unterstützt.

Vertrag zwischen Asad und Iran

Die Manöver von Tanf in Südsyrien machen aber klar, dass die Amerikaner mit ihrer Anwesenheit in Syrien ein weiteres wichtiges Ziel verfolgen. Der Kampf gegen den IS ist jetzt nur noch ein Vorwand. Washington stemmt sich energisch gegen die Stationierung iranischer Verbände in Syrien.

Dass die Iraner nicht gedenken, den amerikanischen und israelischen Forderungen nachzugeben und ihre Präsenz in Syrien aufzugeben, hat Teheran durch einen Staatsvertrag deutlich gemacht. Dieses Abkommen haben die Verteidigungsminister des Asad-Regimes und Irans Ende August in Damaskus unterzeichnet. Darin wird festgehalten, dass die Iraner in Syrien stationiert bleiben, um beim Wiederaufbau Syriens zu helfen. Der iranische Verteidigungsminister Amir Hatami erklärte damals dem von Hizbullah betriebenen TV-Sender „al-Maydeen“ in Libanon: „Das wichtigste Element dieses Vertrages ist der Wiederaufbau der syrischen Streitkräfte.“ Die syrische Armee müsse ihre frühere Schlagkraft „voll zurückgewinnen“.

Die härtesten Sanktionen stehen bevor

Der Streit zwischen Iran und den USA dürfte sich in den kommenden Monaten zuspitzen. Die Sanktionen, die Washington über Iran verhängt hat, haben zu Unordnung und Zerfall im iranischen Währungswesen geführt. Die dadurch entstandene Teuerung betrifft alle Bereiche der Lebenshaltung. Doch die einschneidendsten der angekündigten Sanktionen stehen noch bevor. Sie sollen am 4. November in Kraft treten und betreffen die iranischen Erdölexporte, also die eigentliche Lebensader der iranischen Wirtschaft.

Dass eine Blockade der iranischen Erdölexporte zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen könnte, hat das amerikanische Pentagon offenbar bereits in Betracht gezogen. Auch vor diesem Hintergrund ist die jetzige amerikanische Präsenz in Syrien, die sich einst gegen den IS richtete, zu sehen.

Radikalisierung in Iran

Festhalten kann man bereits heute: Die amerikanische Haltung gegenüber Iran bewirkt, dass im Regime von Teheran mehr und mehr die radikalen Kräfte der Revolutionsgarden und ihrer Verbündeten Einfluss gewinnen. Die Regierung des eher gemässigten Ministerpräsidenten Rohani wird in die Defensive gedrängt. Schrittweise werden die gemässigten Kräfte, denen die Mehrheit der Iraner ihre Stimmen gegeben haben, entmachtet.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Wenn keine Regeln und Gesetze respektiert werden führt das unweigerlich zur Regentschaft der Gewalt und zur Beseitigung der fried fertigen Kräfte.Wenn keine überraschenden Wendungen herbeigeführt durch Politiker die noch klar bei Verstand der aber bei den meisten westlichen Politiker
scheinbar nicht mehr vorhanden ist. Führt der Weg in eine Sackgasse. Und das Ergebnis davon ein Schreckensszenatio Krieg Karl Beiglboeck

Warum hohe Preise für Öl und Gas bezahlen?
Ein Land zu destabilisieren und danach eine Marionettenregierung
einzusetzen, die den westlichen Konzernen kostenlose
Förderlizenzen schenkt, ist längerfristig gesehen viel billiger.

Ein bekannter US-Politiker:
Was, Sie haben sehr viel Öl und sehr viel Gas?
Dann haben Sie sicher noch keine Demokratie!

Nach Syrien, Libyen und Irak kam die Demokratie
von oben.

Wie beruhigend muss es sein in einer Welt zu leben, in der man den Grund für alles Übel stets kennt und eine Schwarz / Weiß Einteilung ein genaues Bild der Realität liefert. Und wenn einmal guter Journalismus, wie ihn Herr Hottinger hier stets bietet, doch einmal Zweifel an diesen gefühlten Wahrheiten aufkommen lässt, so hilft schnell der Blick in „alternative“ Medien, um sich durch RT und Co. in seiner Sichtweise bestätigen zu lassen. Welche schöne Welt!

Wenn die USA ihre Aggressität gegenüber Russland nicht etwas drosseln, dann könnte das für alle tragisch enden. Wie? So:

Die amerikanische Zeitschrift "Wired" hat vor kurzem einen Artikel veröffentlicht, in dem der Autor mitteilt: "Russland ist das einzige Land der Welt, das über die Waffen verfügt, die den Antwortkernwaffenschlag auf den Gegner sogar in jenem schrecklichen Fall garantieren, wenn es in dem Land schon niemanden mehr gibt, den Entschluss zu diesem Schlag zu fassen. Dieses einzigartige System trägt den Gegenschlag auf den Gegner automatisch auf. In der westlichen Presse wurde für dieses System der Titel "Dead hand" ("Tote Hand") geprägt, in Japan und China haben die Militärfachkräfte dieses System die "Hand aus dem Sarg" getauft.

In Russland heißt dieses System "Perimeter" und es stellt einen Komplex von Regelungstechnik für den massiven Antwortkernwaffenschlag dar. Es wurde noch in der UdSSR geschaffen, auf dem Höhepunkt des kalten Krieges. Der Komplex "Perimeter" ist für die Durchstellung der Gefechtsbefehle von den höchsten Steuergeräten (vom Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation, von der Verwaltung der Raketentruppen der strategischen Bestimmung bis zu den Kommandopunkten und den Startrampen der strategischen Raketen, die im System der Gefechtsbereitschaft stehen) im Falle eines Notstandes bestimmt, wenn die Verbindungsleitungen und die gängigen Kommunikationsmittel nicht funktionieren. Das System "Perimeter" ist ein alternatives Führungssystem für alle Truppengattungen, die in ihrer Ausrüstung nukleare oder thermonukleare Ladungen haben. Es wurde als Reserveverbindungssystem geschaffen, um die Schlüsselknoten und Einrichtungen des Kommandosystems "Kasbek" (der so genannte nukleare Handkoffer), sowie die Verbindungsleitungen der Raketentruppen nach einem massiven Kernwaffenschlag – entsprechend der in den USA entwickelten Konzeption des "Begrenzten Nuklearen Krieges" – zu ersetzen.

Für diese Aufgabe wurde das System "Perimeter" von vornherein als vollautomatisch entworfen. Deshalb ist es im Falle eines massiven nuklearen Angriffes fähig, die Entscheidung über einen adäquaten (vergleichbar auf der Basis der Verluste) Antwortschlag selbständig, ohne Teilnahme (oder mit nur minimaler Teilnahme) des Menschen zu treffen. Die Existenz eines solchen Systems wurde schon so manches Mal "unmoralisch" genannt, jedoch ist es, von seinem Wesen her, der einzige Faktor des nuklearen Widerstands, der eine reale Garantie für eine Absage des potentiellen Gegners an die Konzeption des präventiven Vernichtungsschlages gibt. Das Arbeitsprinzip des Systems "Perimeter" ist das folgende: nach dem Befehl, der von den höchsten Steuergeräten der Raketentruppen auf dem speziellen Kommandopunkt angekommen ist, wird im Falle der Nutzung des automatischen Regimes des "Vergeltungsschlages", der Start der Kommandorakete 15P011 mit dem speziellen Kopfteil 15B99 erfolgen. Im Flug wird den Mannschaften von allen Startraketenanlagen und Kommandopunkten der Raketentruppen (die entsprechende Empfänger sind) der Befehl zugestellt.

Die USA infizieren strategisch wichtige, ölreiche und grasreiche Länder mit dem islamistischenTerror, bauen Opposition auf, werben Sölner an, liefern an Sie Geld und Waffen. Wenn dann Bürgerkrieg und Terror diese Länder beherrschen, dann kommt die US-Army als Retter und baut Stützpunkte und bleibt im Lande für immer. In Syrien geht es nicht um Demokratie und Menschenrechte, in Syrien geht es um Energiemonopol, damit wir auch in der Zukuft billig heizen, an den Tankstellen tanken und danach mit einem Kavalierstart kräftig Gas geben können. Wenn sich die USA in Syrien durchsetzen, dann wird eine Gaspipeline von Katar in die EU durch Syrien gebaut und danach darf die EU kein Gas von Russland mehr kaufen. So will man Russland in die Enge treiben und Regime Change erreichen, das Ziel ist billiger Zugang zu russischen Rohstoffen und eine unipolare Welt.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren