Die Schweiz, das Land des Audi Quattro

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Die Schweiz, das Land des Audi Quattro

Von Helmut Scheben, 13.02.2013

Die Schweiz als Werbeträger für eine Automarke - wird damit eine Schmerzgrenze überschritten? Oder hat der Schreiber dieser Zeilen noch nicht gemerkt, was die Stunde geschlagen hat?

„Du bist wunderschön“, sagt eine intime Männerstimme mit Schlafzimmer-Timbre. „Du bewegst mich, heisst mich willkommen. Du bist nicht gross, aber für mich bist du grenzenlos. Schweiz: Land des Quattro.“ Der Spot läuft in der Prime Time im Schweizer Fernsehen.

Dazu sieht man in Halb-Sekundendschnitten Landschaft, Schwarz-Weiss-Aufnahmen von Frauen am Brunnen, Gemsen im Schnee, die Luzerner Fasnacht, alte Aufnahmen vom Skifahren, Steinböcke und einiges mehr. Und dazwischen ein Auto, das durch Städte und Landschaften fährt.

Die Schweiz ist kein Gebrauchsgegenstand

Die Schweiz, das Land des Audi Quattro. Nein, sagen wohl die meisten der bald acht Millionen Bürgerinnen und Bürger dieses Landes. Die Schweiz ist definitiv nicht das Land einer deutschen Automarke. Sie ist auch nicht das Land einer Schmerztablette, einer Käsesorte, eines Deospray oder eines Produktes zur Verdauungsförderung.

Sie ist ein Land mit vier Sprachkulturen und ehrwürdigen Traditionen, die aus Zeiten stammen, da es weder Audi Quattro noch Fernsehspots gab. Ein Land hat eine Würde. Ein Land ist kein Gebrauchsgegenstand, den man benutzen kann, um ein Auto an die Leute zu bringen.

Privatpersonen können klagen

Ich will nicht in Abrede stellen, dass Industrieprodukte etwas mit dem Charakter einer Region oder eines Landes zu tun haben können. Falls es so etwas gibt wie eine nationale Identität oder ein kollektives Geschichtsbewusstsein, dann haben Heidi und die Milka-Kuh, Toblerone und die Swatch vielleicht ebenso einen Platz darin wie Gilberte de Courgenay oder Winkelried. Aber bitte nicht Audi Quattro.

Wenn eine Privatperson wie - sagen wir mal - Roger Federer sich für Werbezwecke bezahlen lässt, ist das ok. Es liegt im Ermessen dieser Privatperson. Wenn eine Privatperson aber ohne ihr Einverständnis für Werbung instrumentalisiert wird, kann sie klagen und wird vor Gericht Recht bekommen.

Arroganz oder Dummheit?

Anders steht es offenbar mit einem Land oder einer Nation. Ein paar smarte Typen der Werbebranche sehen es offenbar als die normalste Sache der Welt an, ein ganzes Land als Werbeträger zu benutzen. Denn juristische Folgen sind in dem Fall offenbar nicht zu befürchten, wenn man die Schweiz mit ihrer Kultur, ihren Menschen und ihrer Geschichte quasi in Geiselhaft nimmt, um den Umsatz einer Autofirma zu steigern.

Einen Moment lang ist der Fernsehzuschauer ratlos. Ratlos angesichts der Frage: Was ist hier grösser, die sauglatte Arroganz der Werbemacher oder ihre Dummheit?

Aber vielleicht ist ja alles längst ganz normal. Vielleicht haben sich die Sitten geändert und naive Menschen wie ich haben nicht gemerkt, dass ohne Werbung überhaupt nichts mehr läuft auf der Welt. Möglicherweise funktioniert die helvetische Republik bereits mit dem Sponsoring grosser Konzerne. Die gesponserte Demokratie sozusagen. In dem Fall müsste man sich auch nicht darüber wundern, dass der Schweizer Bundespräsident in Schladming die Sponsoren-Logos von Versicherungen, Stromkonzernen und Autofirmen auf seiner Windjacke trug.

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Kommentare

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Audi macht die gleiche Kampagne in Deutschland mit dem Slogan Deutschland, Land des Quattro, somit ist wohl jedes Land ein Audiland...

Wer Werbung als solche so staatsmännisch ernst nimmt, erinnert an den Tell. Als Land welches aus einem sicheren Winkel Geschäfte mit Potentaten schlimmster Art seit Jahren macht, sollte doch wirklich nicht so empfindlich sein.

Wozu die Aufregung. Wenn es ein Audi sein muss, dann fällt der Entscheid aus Geltungsdrang heraus, wenn es ein quattro sein muss aus praktischen Gründen.
Dabei gilt: 51 Wochen im Unterland und 1 Woche auf heutzutage schneefreien Strassen in den Bergen, davon 300 Meter zum Ferienhaus. Und mindestens 10% mehr Most übers ganze Jahr. Die Freude bringt das Herumfahren.

Wozu die Aufregung. Wenn es ein Audi sein muss, dann fällt der Entscheid aus Geltungsdrang heraus, wenn es ein quattro sein muss aus praktischen Gründen.
Dabei gilt: 51 Wochen im Unterland und 1 Woche auf heutzutage schneefreien Strassen in den Bergen, davon 300 Meter zum Ferienhaus. Und mindestens 10% mehr Most übers ganze Jahr. Die Freude bringt das Herumfahren.

Wozu die Aufregung. Wenn es ein Audi sein muss, dann fällt der Entscheid aus Geltungsdrang heraus, wenn es ein quattro sein muss aus praktischen Gründen.
Dabei gilt: 51 Wochen im Unterland und 1 Woche auf heutzutage schneefreien Strassen in den Bergen, davon 300 Meter zum Ferienhaus. Und mindestens 10% mehr Most übers ganze Jahr. Die Freude bringt das Herumfahren.

Wozu die Aufregung. Wenn es ein Audi sein muss, dann fällt der Entscheid aus Geltungsdrang heraus, wenn es ein quattro sein muss aus praktischen Gründen.
Dabei gilt: 51 Wochen im Unterland und 1 Woche auf heutzutage schneefreien Strassen in den Bergen, davon 300 Meter zum Ferienhaus. Und mindestens 10% mehr Most übers ganze Jahr. Die Freude bringt das Herumfahren.

Meine Erfahrung im Strassenalltag: Meistens RAudi. Passt bestens zum aufgeblasenen Ego der Firmenimageträger.

Wir sind das Land von Bernhard Russi und somit Subaru (auch wenn der Audi besser ist).

Ist doch lustig, dass die Fa. Audi Klage erhoben hat, wegen angeblicher "Beschädigung" des Sport-Images der Fa. Audi, als ich im Rahmen einer Industrie-Messe IETF 1995 in New Delhi einen umgebauten "Spar-Audi 100" (3,4 l /100km) vorgestellt hatte.

Die Firma ist da wohl bei sich selbst empfindlicher im Vergleich zu dem, was sie der Schweiz oder Kanada zumutet.

Gruss

Interessant ist, das an meinem Wohnort in Kanada nach genau dem gleichen Muster im Kino, auf Werbetafeln etc. darauf hingewiesen wird, dass Kanada das Land des Quattro sei.

Dabei ist die Marke Audi genauso kanadisch, wie sie auch schweizerisch ist - nämlich gar nicht. Aber offenbar zeichnet sich Audi durch lokale Anbiederung aus.

Ob wohl Zimbabwe auch Land des Quattro ist?

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