Die Sardinen sind los

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Die Sardinen sind los

Von Journal21, 01.12.2019

Zehntausende Italienerinnen und Italiener demonstrieren gegen den Rechtspopulisten Matteo Salvini.

Jede Woche versammeln sie sich nun, in vielen italienischen Städten. Das Bild stammt von der Kundgebung in Florenz am Samstagabend. Laut Angaben der Organisatoren waren es 40’000. Journalisten am Ort sprechen von mindestens 25’000 bis 30’000.

Die Sardinen protestieren gegen Lega-Chef Matteo Salvini und seine rechtspopulistische Politik. „Wir haben genug von dieser souveränistischen Politik des Hasses“, hiess es auf Spruchbändern. Die Demonstranten sagen, sie seien so viele, dass sie auf den Plätzen zusammengepfercht seien – wie Sardinen in der Büchse. 



Die Demonstranten versammeln sich meist spontan nach Aufrufen in den sozialen Medien. Die Polizei steht plötzlich vor vollendeten Tatsachen. Meist kommt es zu einem Verkehrschaos, so am Samstagabend im Zentrum von Florenz.

Die Sardinen-Bewegung hatte landesweit als junge, linke Protestaktion gegen die Rechtspopulisten begonnen. Inzwischen schliessen sich dem Flashmob immer mehr ältere Menschen auch aus dem bürgerlichen Lager an.

Begonnen hatte die Bewegung in Bologna, der Hauptstadt der Emilia-Romagna. Dort finden am 26. Januar Regionalwahlen statt. Die Emilia-Romagna gilt neben der Toscana und Umbrien als linke Hochburg Italiens. In Umbrien hatte die Lega im Oktober die Wahlen überraschend gewonnen. Viele Italienerinnen und Italiener fürchten nun, dass die Lega auch die „rote“ Region Emilia-Romagna erobern könnte.

Sollte Salvini dies gelingen, wäre dies ein schwerer Schlag für die Römer Zentralregierung, die aus Sozialdemokraten und Cinque Stelle besteht. Viele spekulieren, dass bei einem Sieg der Rechtspopulisten in der Emilia-Romagna die Römer Regierung zerbrechen wird. In diesem Fall hat Staatpräsident Sergio Mattarella Neuwahlen in Aussicht gestellt. Diese würde laut Meinungsumfragen Salvini klar gewinnen.

Laut letzten Umfragen liefern sich in der Emilia-Romagna die Linke und die Lega ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der linke Kandidat, der bisherige Regionalpräsident Stefano Bonaccini und die Lega-Kandidatin Lucia Borgonzoni liegen fast gleichauf. Je nach Umfrage liegt der linke Kandidat oder die Lega-Kandidatin leicht vorn.

Am Sonntagabend versammelten sich in Mailand auf der Piazza del Duomo bei strömendem Regen 25'000 Sardinen.

Mailand, Piazza del Duomo
Mailand, Piazza del Duomo

 

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