"Die Genfer Konventionen gelten nicht für Terroristen"

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"Die Genfer Konventionen gelten nicht für Terroristen"

Von Helmut Scheben, 15.12.2014

Die Folter hat eine lange Tradition in kriegerischen Konflikten, nicht nur in den USA. Abu Ghraib und Guantanamo sind keine Ausnahmen, sondern die Regel.

Der Bericht des US-Senats über die Folterpraxis des amerikanischen Geheimdienstes CIA hat einen kleinen Medien-Sturm ausgelöst. Doch es gibt auch warnende Stimmen, man solle den Bericht nicht überbewerten. Er sei einerseits klar als politisch instrumentalisiert zu bewerten. Andererseits müsse man die Folter im Kontext eines geschichtlichen Ereignisses betrachten, nämlich im Umfeld der Terroranschläge von 9/11. In den „chaotischen Monaten nach 9/11“ erscheine vieles in einem andern Licht, schreibt NZZ-Korrespondent Peter Winkler (NZZ, 11.Dez.2014)

Nun ist gegen die Forderung, historische Ereignisse im Kontext zu sehen, nichts einzuwenden. Nur ist die Folterpraxis amerikanischer Geheimdienste und Spezialtruppen nicht ein Produkt von 9/11, sondern seit langem bekannt und dokumentiert. Und um es vorweg zu nehmen: Gefoltert wurde wahrscheinlich zu allen Zeiten und in allen kriegerischen Konflikten, sei es unter Stalin in der Sowjetunion, unter dem Hitler-Regime, unter Pol Pot in Kambodscha oder im Chile des Augusto Pinochet.

"Unvorhersehbare Herzschwäche"

„United States Army School for the Americas“ hiess das Ausbildungszentrum in Panama, welches in dieser Hinsicht zu trauriger Berühmtheit gelangt ist. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden dort rund sechzigtausend lateinamerikanische Offiziere in Aufstandsbekämpfung ausgebildet: Counterinsurgency, Psychological Warfare, Verhörtechniken, Foltermethoden schlimmster Sorte. Es gab entsprechende Handbücher, in denen detailliert aufgelistet wurde, was man machen konnte und sollte und durfte, um aus Gefangenen Informationen herauszupressen. Einige dieser CIA-Manuals mussten Mitte der neunziger Jahre entklassifiziert werden, wie es das amerikanische Gesetz verlangt. Die Listen der Offiziere, die in Panama ausgebildet wurden, lesen sich in Teilen wie das Who is who der schlimmsten Schergen lateinamerikanischer Diktaturen der 60er  und 70er Jahre. Roberto D’Aubuisson, einer der Chefs der salvadorianischen Todesschwadrone, hatte die Escuela de las Américas in Panama absolviert, desgleichen Manuel Contreras, Geheimdienst-Chef des chilenischen Generals Pinochet, wie auch der argentinische Putsch-General Eduardo Viola.

Weniger bekannt als Guantánamo und Abu Ghraib ist das Gefängnis in Bagram, dem Hauptquartier der amerikanischen Truppen in Afghanistan. Als dort ab 2002 immer wieder Gefangene nach Verhören starben (Diagnose: unvorhersehbare Herzschwäche oder Ähnliches) leitete die US-Armee eine interne Untersuchung ein. Die Ergebnisse wurden geheim gehalten. Der rund 2000 Seiten starke Bericht wurde 2005 der New York Times zugespielt. Die Lektüre kann einen zum Verzweifeln bringen. Die Details der Misshandlungen erinnern an Abu Ghraib. Man fragt sich, wie Menschen zu solchen Scheusslichkeiten fähig sein konnten. Gegen eine Reihe von Offizieren und Gefängniswärtern wurden Strafuntersuchungen eingeleitet. Die meisten gaben an, sie seien sich nicht bewusst gewesen, etwas Unrechtes getan zu haben.

In die Arme der Taliban getrieben

„Die Genfer Konvention galt für Gefangene, nicht für Terroristen“, sagte Sergeant Leahy, einer der Beschuldigten von Bagram, im Verhör. Nach den Terroranschlägen von 9/11 war diese Auffassung von höchster Stelle als Doktrin abgesegnet worden, und zwar meist in geheimen Memoranden. Waterboarding wurde nicht als Folter eingestuft. Im Dezember 2002 billigte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld in einem solchen nicht öffentlichen Vermerk 16 spezielle Verhörmethoden in Guantánamo, darunter dass Gefangene sich bei Verhören nackt auszuziehen müssen, dass Hunde zur Abschreckung eingesetzt werden dürfen und einiges mehr. (Süddeutsche Zeitung 17.Mai 2010)

Daher ist es kaum erstaunlich, dass sich in Teilen der Armee die Vorstellung durchsetzte, dass Gefangene, die als Terroristen verdächtigt werden, keine Menschenrechte und keine Menschenwürde beanspruchen können. Als die Los Angeles Times im April 2012 Fotos von amerikanischen Soldaten der 82. Luftlandedivision zeigte, die mit den abgeschnittenen Händen und Beinen von getöteten Taliban vor der Kamera posierten, ging eine Woge der Empörung durch die internationale Öffentlichkeit. Es blieb nicht bei diesen Einzelfällen. Es gab Bilder von US-Marines, die auf die Leichen ihrer Feinde urinierten, es gab die Verbrennung von Koran-Bänden und Berichte von einzelnen Soldaten, die in alkoholisiertem Zustand Gemetzel unter Dorfbewohnern anrichteten. Jede neue Medien-Enthüllung trieb möglicherweise Tausende von neuen Freiwilligen in die Arme der Taliban oder anderer Gruppen, denen der Westen und seine Kultur verhasst sind.

Nichts gewusst

Und die Leute an der Spitze der Militärhierarchie – vom Präsidenten über den Verteidigungsminister bis zu den kommandierenden Generälen - übten sich in der immer gleichen Litanei: Dies sei nicht die Moral der amerikanischen Armee, es handele sich um bedauerliche Einzelfälle. Die Schuldigen würden zur Verantwortung gezogen. Das Pentagon hat immer wieder Untersuchungen angeordnet, Psychologen und andere Experten suchten nach Erklärungen. Die Ergebnisse wurden meist geheim gehalten; verurteilt wurden nach meiner Kenntnis bisher nur wenige der Täter.

Bagram, Guantánamo und Abu Ghraib sind mit Sicherheit nicht bedauerliche „Auswüchse im Kontext von 9/11“, sie sind auch nicht unglückliche Entgleisungen menschlich überforderter Einzelpersonen. Sie sind nicht mehr und nicht weniger als die Fortsetzung einer Tradition der systematischen Anwendung der Folter in militärischen Konflikten.

Gezielte Falschinformationen

Möglicherweise hat es diese Grausamkeiten immer gegeben, denn der Krieg lässt Menschen verrohen. Menschen sind für den Krieg nicht geeignet, sie gehen zu schnell kaputt. Psychisch und körperlich. Neu ist, dass Soldaten mit Handys fotografieren können und Möglichkeiten finden, Bilder und Texte ausserhalb der Kontrolle ihrer Vorgesetzten übers Internet zu verbreiten. Andernfalls wäre vielleicht heute noch nicht bekannt, was in Abu Ghraib Folterpraxis war.

Aber die Folter, so menschenverachtend und so verurteilenswert sie sein mag, ist nur das eine. Weitaus grösseren Schaden kann die Falschinformation anrichten. Die gezielte Falschinformation der eigenen Bevölkerung dient der Dämonisierung des politischen Gegners. Und ein beträchtlicher Teil der Geheimdienstarbeit besteht in der Verbreitung von manipulierten „Erkenntnissen“ mit dem Ziel, bestimmte politische Wirkungen zu erreichen. Falsche oder manipulierte Informationen haben in vielen Fällen geholfen, einen Krieg zu rechtfertigen.

Geschickt platzierte Lügen-Stories

Eine Granate, die ein Agent Provocateur in einem bestimmten Moment auf einen Marktplatz fallen lässt, oder anonyme Scharfschützen, die von einem Hochhaus in die Menge der Demonstranten schiessen, dazu die schnell fertigen „Beweise“: Die andern waren es, die andern sind die Täter! So manipuliert man die Medien, und so kann man den entscheidenden, letzten und notwendigen Anstoss für das Umkippen der öffentlichen Meinung geben.

Krieg wird mit Bildern gemacht. Vor allem Angriffskrieg. Und im Krieg sind nicht Einzelpersonen die Opfer, wie in Foltergefängnissen, sondern ganze Völker mit Hunderttausenden von Toten, wie es zum Beispiel im Irak der Fall war. Geschickt platzierte Lügen-Stories haben in vielen Fällen dazu gedient, in einer breiten Öffentlichkeit Zustimmung und sogar Begeisterung für den Krieg zu erzeugen. Und selbstverständlich gilt dies nicht nur für die USA. Europa hat eine traurige Tradition der medialen Produktion von Hass, wenn es galt, das Volk auf den Krieg gegen „den Erbfeind“ vorzubereiten.

Die Presse, fürs Militär rekrutiert

Journalisten stehen besonders in der Verantwortung, wenn es um Krieg oder Frieden geht. Der amerikanische Recherchier-Journalist John R. MacArthur hat die „Brutkastenstory“, die den US-Kongress zur schnellen Ermächtigung im ersten Golfkrieg bewog, als eine Lügen-Geschichte entlarvt. Sein Buch „Second Front: Censorship and propaganda in the Gulf War“ (1992) ist ein Meilenstein in der Geschichte des investigativen Journalismus.

Dort wird Stanley Cloud zitiert, Washingtoner Redaktionschef von „Time“, der über den ersten Golfkrieg sagte, dass die „eingebetteten Journalisten“ wohl diejenigen waren, die die meiste Unwahrheit über diesen Krieg berichteten:

„Sie (das Pentagon) fanden eine Möglichkeit, unsere Berichterstattung bis aufs i-Tüpfelchen zu kontrollieren. Sie beschränkten unseren Zugang in einer Weise, dass eigene Reportagen nicht mehr möglich waren. Sie fütterten uns mit ständigen Pressekonferenzen, bei denen sie den Inhalt und die Meldungen bestimmten. Und wenn es uns trotz alldem irgendwie gelang, etwas zu berichten, was ihnen nicht gefiel, konnten sie es per Zensur streichen (…) Praktisch lief es darauf hinaus, dass die Presse fürs Militär rekrutiert worden war.“ (John MacArthur: Die Schlacht der Lügen, dtv 1993, S.174)

"Gekaufte Journalisten"

Manipulierte Informationen in die Medien zu schleusen, ist eines der Kerngeschäfte der Geheimdienste. Udo Ulfkotte, ehemaliger Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) outet sich in seinem jüngsten Buch „Gekaufte Journalisten“ als langjähriger Kontaktmann des amerikanischen CIA und des deutschen Bundesnachrichtendienstes BND:

„Die FAZ ermunterte mich ausdrücklich dazu, den Kontakt zu westlichen Geheimdiensten zu verstärken (…) Eines von vielen Beispielen, das mir gut in Erinnerung geblieben ist: Den Enthüllungsbericht „Europäische Unternehmen helfen Libyen beim Bau einer zweiten Giftgasfabrik“ vom 16. März 1993, der wie viele meiner Berichte weltweit Aufsehen erregte, hatten zwei Mitarbeiter des BND in meiner Anwesenheit in einem Besucherraum der FAZ in der Hellerhofstrasse in Frankfurt formuliert (…) Eine Aufgabe dieser beiden BND-Mitarbeiter war es, Berichte für renommierte deutsche Zeitungen zu schreiben.“ (Ulfkotte, S.44)

Kommentare

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Es ist doch völlig übertrieben und falsch, wenn man jetzt den Geheimdiensten der Vereinigten Satane von Amerika Vorwürfe wegen der Folter von Gefangenen macht. Es handelt doch nur um "verschärfte Vernehmungen", in dem man nur so getan hat wie wenn man die mutmasslichen Terroristen ertränken würde und sie dabei zu Tode erschreckte. Das ganze war ein harmloses und lustiges "Frage und Antwortspiel". Merke deshalb, Folter ist Streicheln.

Die Veröffentlichung über die US-Folterpraktiken dient vermutlich den Demokraten als Wafe gegen die Republikaner, repräsentiert
mit dem Republikaner Busch.
Der Vorweihnachtsfrieden ist gestört worden durch das „Geständnis“ der US-Regierung, in industriellem Maßstab und nach genauen Anweisungen höchster Regierungsstellen gefoltert zu haben. Die Tatsache an sich ist nicht neu, nur das offizielle Eingeständnis. Bereits im Jahr 1963 wurde das Handbuch "KUBARK Counterintelligence Interrogation" der CIA als Leitfaden für Agenten in Südamerika ausgegeben und beschreibt als Dienstanweisung "coercive counterintelligence interrogation of resistant sources" (Verschärfte Verhörmethoden für widerspenstige Quellen) diverse Foltermethoden. 1983 kam dann die verfeinerte Version, die wiederum als Grundlage für das Training von US-Agenten in Südamerika diente. In diesen Handbüchern werden bereits alle teuflischen Methoden beschrieben, die uns heute als „neu“ präsentiert werden und schon aus Abu Gureib bekannt sind. Es ist also seit mindestens 50 Jahren dokumentiert, dass die US-Regierung Folter methodisch anwendet.

Folter hat in den USA eine lange Tradition. Schon die amerikanische Literatur der 1950er Jahre beschreibt, wie Polizisten Menschen mit Schlagwerkzeugen so traktieren, dass der Delinquent keine verräterischen Spuren aufweist, aber tagelang unter Schmerzen leidet. Man kann sich die Frage stellen, in welchen Ländern es Handbücher für Folterpraktiken gibt oder gegeben hat, die explizit von der Regierung autorisiert worden sind. Nicht einmal Stalins Schergen konnten sich auf eine derart perverse „Rechtsgrundlage“ berufen. Auch wenn die USA mit ihren Praktiken nicht allein stehen, so markieren sie heute doch die Spitze aller Länder, in deren Auftrag systematisch gefoltert wird und damit bin ich beim nächsten Punkt: Selbst Folter wird in den USA von Privatunternehmen im Staatsauftrag durchgeführt. Die Firma „Mitchell, Jessen & Associates“ hat dafür angeblich immerhin 81 Millionen Dollar
kassiert.

Wer nun annehmen wollte, dass dem jetzt veröffentlichten US-Folter-Report Reue folgt, der wird bitter enttäuscht. Alle Verantwortlichen haben erklärt, dass sie ihr Verhalten auch heute noch gerechtfertigt sehen und – das ist das Schlimmste – nicht ausschließen wollen, es wieder zu tun. Sie begründen dies mit dem Totschlagargument der „Nationalen Sicherheit“ und angeblich verhinderten Anschlägen. Der Report selbst aber widerspricht dem und damit bin ich bei dem Report selbst. Dieser umfasst 6.700 Seiten und die Auswertung von 6.000.000 (6 Millionen) Dokumenten. Weniger als 600 Seiten davon sind veröffentlicht worden und davon ist auch noch einiges geschwärzt. Wir müssen also davon ausgehen, dass man uns nur die Spitze des Eisbergs zeigt und die schlimmsten Verbrechen gar nicht dokumentiert sind.

Was haben unsere Freunde, die USA, in den letzten Jahrzehnten für uns getan, was einer Freundschaft würdig wäre? Da wäre die „Finanzkrise“, die der befohlenen Deregulierung geschuldet ist. Da sind Hunderttausende Flüchtlinge, die aus den Ländern zu uns strömen, deren Strukturen von den USA zerstört worden sind. Die Bundeswehr muss in fremden Ländern kämpfen, nur weil diese Länder von der US-CIA oder der US-Finanzwaffe angegriffen worden sind. Wir stehen in einer ungewünschten Konfrontation mit Russland, nachdem es den USA nach dem dritten Anlauf gelungen ist, die desolate Lage der Ukraine zu einer handfesten Krise zu eskalieren. Braucht man noch Feinde, wenn man einen solchen „Freund“ hat? Und nun „outet“ sich unser Freund als übler Folterstaat.

Zigaretten und Straßenverkehr
bringen unvergleichbar mehr
Menschen um, trotzdem ist
an jeder Straßenecke ein
Zigaretten-Automat, wo man
zu jeder Tageszeit neue
Zigaretten kaufen kann.
Terrorismus dient nur den
herrschenden Klasse, um
jedes unverschämte Gesetz
Durchzubringen, um die
Menschen immer mehr zu
beobachten und kontrollieren.

Vorsicht: es gilt auf jeden Fall das absolute Folterverbot der UN - Menschenrechtskonvention. Die hat man als Staat unterzeichnet oder ist unterdessen via Gewohnheitsrecht daran gebunden. Sie ist JUS COGENS (zwingendes Völkerrecht) - es gibt keinerlei Ausnahmen. Auch Verbrecher werden durch sie geschützt.
Wenn die Genfer Konventionen und Zusatzprotokolle für Terroristen nicht zutreffen, ist das völlig unerheblich.

Die Gefährlichkeit des Unrechtsstaates liegt ja nicht so sehr darin, dass er Richter frontal veranlasst, das Recht zu brechen, sondern darin, dass er Unrecht in Gesetzesform gießt und darauf setzt, dass Richter nicht mehr nach dem Recht fragen, wenn sie ein Gesetz zur Hand haben. Mit dem Ermächtigungsgesetz und mit Notverordnungen wurde die Weimarer Republik legalistisch zerstört; der Weg zum Terror war mit Gesetzen gepflastert.[1]

Wenn einige die Folter der USA als 'legal' bezeichnen, sind sie “in bester Gesellschaft”. Auch das Unrecht im Dritten Reich war durch Gesetze gestützt. Es ist daher unabdingbar, Masstäbe anzusetzen, die über dem Unrecht in Gesetzesform stehen. Es ist die Pflicht eines Rechtsstaates, solchen Gesetzesbruch aufzuarbeiten und Verdächtige vor Gericht zu stellen. Dass die Regierung Obama dies nicht tut, zeigt einmal mehr, dass die USA kein Rechtsstaat sind. Wenn wir hierzu noch die von Scheben erwähnte “Tradition der systematischen Anwendung der Folter “ (School of the Americans, u.v.m.) hinzunehmen, so haben die USA nach wie vor – in Worten von Noam Chomsky – “the World’s Leading Terror State”[2].

***
1 Justiz im Dritten Reich und die Aufarbeitung von Justizunrecht, Prof. Dr. Günter Hirsch http://www.bundesgerichtshof.de/DE/BGH/Praesidenten/Hirsch/HirschReden/r...
2 Noam Chomsky: The U.S. Declares Itself to Be the World’s Leading Terror State and Is Proud of It, http://www.truthdig.com/avbooth/item/noam_chomsky_us_declares_itself_wor...

Einmal mehr eine sehr gute Analyse von Scheben. Bravo! Ein klares Zeichen der Unrechts- und Schurkenstaaten ist ja die "Trennungsideologie", wie der gescheite Philosoph Ernst Bloch schon bezüglich des Faschismus aufgezeigt hat. Also: Wir gegen die Feinde. In konkreto nun: "Are you with us – or with the terrorists?" Dabei ist "Terrorist" nur das neuste in einer langen Reihe von Schlüsselwörtern, mit denen Gegner gebrandmarkt und damit vogelfrei für sämtliche Gräueltaten unter Missachtung jeglicher Völker- und Menschenrechte freigegeben werden. Bezüglich der USA waren es zuvor schon die "Indians" (Only dead Indians are goog Indians.) Dann (und teils bis heute) die "Nigger". Wobei beide Kategorien auch noch für die Sklavenhalterei und den Völkermord stehen, auf denen der Wohlstand der USA mitunter beruht. (Letzteres mit ein Grund, weshalb sich die USA bis heute weigern, den Völkermord der Türken an den Armeniern als solchen zu bezeichnen. Republikaner räumen offen ein: "Sonst müssten wir uns selber ja auch als Völkermörder bezeichnen.") Die willkürliche Kommunisten-Verfolgungen in den USA der Fünfzigerjahren folgten dem selben Schema. Die Betroffenen wurden dabei zwar nicht physisch aber doch in ihrer Existenz vernichtet. In den Sechzigerjahren ging es dann gegen die Gooks, wie die US-Army ihre (später siegreichen) Gegner in Vietnam bezeichnete. Das Schlimme ist neuerdings, dass die Uno die Terroristen-Ideologie teils mitmacht.Mit fatalen Folgen: Aufständische und Widerstandsbewegungen (von den Kurden über die Palästinenser bis zu Rebellen in Südamerika) werden teils von üblen Regimen nun auch einfach als "Terroristen" bezeichnet, worauf man sie dann kurzerhand ausrotten kann (oder durch ferngesteuerte Drohnen weltweit ermorden lassen, was juristisch betrachtet als staatlich organisierte Lynchjustiz oder Auftragsmord bezeichnet werden müsste, wie man es aus Gangsterkreisen kennt). Grausamste Folterungen werden derweil entweder durch "den guten Zweck" gerechtfertigt oder als "verschärfte Verhörmethoden" verharmlost und getarnt. Interessant ist dabei, was der neuste "Spiegel" aufgedeckt hat: "Die CIA-Leute wissen wohl auch nicht, dass ihre Begrifflichkeit schon einmal verwendet worden ist" hält das Blatt fest: "1939 hatte bereits die Gestapo für ähnliche Methoden die <verschärfte Vernehmung> erfunden." Publzistisch-propagandistisch werden derweil Kampfbegriffe wie "Terroristen" aber auch die Verharmlosungen und beschönigende Floskeln in unseren Medien willfährig übernommen, – vom Schweizer Radio bis zur NZZ. Diese hart nun kürzlich immerhin den Titel gesetzt: "Rohe Gewalt geduldet und schöngeredet". Darunter liest man dann etwa: "Ob Gesellschaft und Politik das Problem ernst nehmen, ist fraglich. Meist verebbt die Empörung schnell, und trotz allem dürfen die Täter immer auf ein gewisses Verständnis hoffen." Und weiter: "Das Problem dabei ist, dass die Täter meist wenig zu befürchten haben." Und dann die ironische Frage: "Denn kämpfen sie nicht für das Gute?" Wer allerdings gemeint oder gehofft hatte, der Kommentar beziehe sich auf die US-Folterpraktiken, sah sich getäuscht: Es ging um gewalttätige Krawallanten in der Zürcher Innenstadt. N. Ramseyer

Danke für diese Hintergrundinfo. Wie wir sehen, etwa bei einer Umfrage in den USA diese Woche, ist es nicht einfach, diesen überaus geschickten Manipulationen zu begegnen. Man sieht auch, welche Reaktionen es auf den Bericht seitens CIA gab.

Folglich ist schwierig zu vermitteln, wieso alles was mit geheim zu tun hat in einem demokratischen Staatswesen höchst problematisch werden kann. Übrigens auch in der CH - schon nur die Folgen der Fichenaffäre wurden kaum thematisiert. Fall Kaufmann war nur einer von vielen (http://www.ideesuisse.ch/253.1.html?tx_ttnews[tt_news]=2189).

Vielen Dank, Herr Scheben, für diesen ungeschminkten Artikel. Mich hatte der CIA-Folterreport nicht überrascht, hatte ich doch schon vor 4 Jahren in 3Sat einen Dokumentarfilm mit dem Titel "moderne Folter der CIA" gesehen (jetzt auf You Tube), welcher das CIA Forschungsprojekt "besondere Methoden" ab 1951 in der Nähe von Frankfurt beschreibt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Beacher von der Harvard Universität wurden in diesem Projekt Menschen bewusst zu Tode gequält. Das Resultat war 1963 das CIA-Folterhandbuch KUBARK, nach welchem US-Militär und CIA systematisch folterten und weltweit für befreundete Regime Folterknechte ausbildete. In sehr vielen Staaten wird gefoltert, dies wissen wir, doch ist mir nicht bekannt, dass es einen anderen Staat als die USA gibt, welcher auf derart systematische Weise "moderne" Folterpraxis über die ganze Welt verbreitet hat.

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