Die Burka-Debatte ist Zeitverschwendung

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Die Burka-Debatte ist Zeitverschwendung

Von Barbara Schmid-Federer, Nationalrätin (CVP/ZH) - 13.09.2016

Die Diskussion um ein Burka-Verbot lenkt nur ab von den echten Problemen! Unsere Angst verdrängt die Fakten.

Politiker, Medien, und in den letzten Tagen auch Kirchenmänner, engagieren sich leidenschaftlich in der Burka-Debatte. Nur ein Verbot scheint die «abendländische Kultur» noch retten zu können.

Nach der Debatte im Nationalrat über das dunkle Kapitel der Schweizer Verdingkinder fragte mich eine Studentin, warum um Himmels Willen damals niemand etwas getan habe, um die Gräueltaten gegen diese wehrlosen Menschen zu verhindern. Ich gab ihr zur Antwort: Die Generation meiner Enkel wird uns fragen, warum um Himmels Willen wir nichts getan hätten, als Tausende von Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken seien. Wir hätten nicht nur zugeschaut: Wir hätten sogar gleichzeitig unsere Ferien am Mittelmeer genossen – als ob nichts geschehen wäre.

Warum kümmert uns das Massengrab Mittelmeer so wenig?

Zu lange haben wir gebetsmühlenartig gehört, die Menschen im fernen Süden seien faul und eh nur Wirtschaftsflüchtlinge. Zu lange haben wir hilflos zugeschaut, wie durch den IS Terroranschläge nicht nur in Paris oder Brüssel, sondern fast täglich in Afghanistan, Irak oder Syrien verübt werden.

Längst haben wir uns abgewöhnt, Empathie für Menschen auf der Flucht aufzubringen. Wir finden, irgendwie seien die dort ja selber schuld.

Auf die Frage, wie wir die Flüchtlingsströme Richtung Europa verhindern könnten, fehlen uns schlicht die Antworten. Eine hochrangige, international tätige Schweizerin erklärte mir vor kurzem, man wisse heute, dass man durch das Stoppen von Waffenexporten einen beachtlichen Teil der Flüchtlingsströme beenden könne, doch kaum jemand wolle dies zur Kenntnis nehmen. In der Tat: Dieses Argument sticht nicht im bürgerlichen Nationalrat.

Dabei blenden wir aus, dass es für die Völkerwanderung Gründe gibt, die es zu bedenken gilt. Unser Wohlstand verdrängt die Fakten: Wir müssen zwingend die Frage beantworten, wie wir Vertriebenen aus Syrien eine Alternative zum gefährlichen Weg nach Europa bieten können. Diese Debatte ist längst überfällig.

Doch was tun wir? Wir diskutieren über ein Burka-Verbot.

Wer als Flüchtling zu uns kommt, ist oftmals muslimischen Glaubens. Das Christentum lehrt zwar eindringlich, dass Menschen immer als Menschen zu beurteilen seien, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft oder ihrem Glauben. (Das Gleichnis des Samariters lässt grüssen). Doch das lässt die hiesige Christenheit kalt. Wir haben Angst, das christliche Religions- und Kulturgut zu verlieren und wehren uns gegen eine angeblich drohende Islamisierung der Schweiz.
Dabei blenden wir aus, dass die christliche Substanz des sogenannten Abendlands mit oder ohne Muslime längst in Auflösung begriffen ist.

Unsere Angst verdrängt die Fakten: Wir müssen zwingend die Frage beantworten, wie das Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen in Zukunft gelingen soll. Diese Debatte ist längst überfällig. Doch was tun wir? Wir diskutieren über ein Burka-Verbot.

Europa war während langer Zeit eine Hochburg der Zivilisation. Der Zusammenschluss der Europäischen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichte uns ein Leben in Frieden und Wohlstand. Diese Zeiten sind vorbei. Asiatische Länder laufen uns den Rang ab.
Dabei blenden wir aus, dass wir es verpasst haben, Lösungen für Wirtschaftskrisen vorzubereiten. Unser Narzissmus verdrängt die Fakten: Wir müssen zwingend die Frage beantworten, wie wir innovativ mit neuen Weltmärkten umgehen wollen. Diese Debatte ist längst überfällig. Doch was tun wir? Wir diskutieren über ein Burka-Verbot.

Die Schweiz kennt eine langjährige Kultur der Bescheidenheit und der Kompromisssuche. Diese Werte gilt es aus der Mottenkiste hervorzuholen.

Die Herausforderungen von Terrorismus, Extremismus, Migration und Integration sind viel umfassender als nur die Ebene religiöser Symbole. Die Diskussion über ein Burka-Verbot ist deshalb reine Zeitverschwendung, denn sie lenkt nur davon ab, Lösungen zu den echten, tiefer liegenden Problemen zu erarbeiten.

Nutzen wir die Zeit und überlegen wir uns, wie wir als Zivilgesellschaft das Zusammenleben von Fremden und heimischen Menschen einüben können, als eine ganz bestimmte Kleiderkultur zu verbieten, die zudem bloss eine verschwindende Minderheit betrifft.

Dieser Text wurde im "Blog" der Katholischen Kirche im Kanton Zürich veröffentlicht

Kommentare

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Frau Schmid-Federer, bei allem Respekt: Sie liegen völlig falsch. Meiner Meinung nach. Einer Meinung, welche sich während Jahrzehnten im Nahen Osten, Asien, Europa und Amerika gebildet hat.

Das Burka-Verbot ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Von Ihnen, als Frau und Christin, würde ich erwarten, dass Sie ihre Barmherzigkeit wenigstens in die fatale Situation der Frau im Islam investieren. Fehlanzeige.

Zudem entlarvt Sie Ihr fettgedrucktes Eingangswort; ein typisches, langweiliges Politiker-Statement: "Die Diskussion um ein Burka-Verbot lenkt nur ab von den echten Problemen! Unsere Angst verdrängt die Fakten."

Ohne es offenbar selber gemerkt zu haben; darum geht es nämlich genau. Um Angst. Als CVP-Politikerin sollten Sie diese nicht einfach bewirtschaften, sondern ernst nehmen. Die Angst gegenüber dem knallharten Islam ist nicht etwa diffus, sondern völlig berechtigt. Das Resultat sieht man jeden Tag im Schweizer Farbfernsehen. Allah u akhbar! Diese hirnlosen Gotteskrieger haben keinen Respekt vor Menschenleben. Was denn; die meisten Muslime wären gar nicht so extrem? Dann täuschen Sie sich mal nicht, denn die Islamische Sittenpolizei wird das auch bei uns in Europa hinkriegen. Islam ist eine Religion der Unterdrückung und der Strafe. Scharia.

Ich habe lange genug in Saudi-Arabien gelebt und weiss, dass in Jeddah jeden Donnerstag eine islamische Machtdemonstration mit Hilfe der Henker stattfindet. Und diese Kultur des Islams wollen Sie bei uns willkommen heissen? Dabei geht es weniger um das (damals auch so handelnde) Christentum, welches auf dem Rückzug ist. Es geht aber sehr wohl um die Christlichen Werte, welche das Christentum hervorgebracht hat. Diese gilt es zu verteidigen. Alles andere ist naives Gutmenschentum. Die islamische Realität ist brutal, unmenschlich und basiert auf Druck. Ich spreche noch nicht mal vom Islamismus.
Ich war persönlicher Bediensteter eines Scheich Sultans und weiss, wie doppelzüngig die islamische Welt ist. Es herrscht das Mittelalter 2.0 und wird seinen Siegeszug auch durch Europa machen. Mit Ihrer Hilfe, Frau Schmid-Federer.

Ach ja noch was: Mit richtigen Flüchtlingen hat das Ganze nichts zu tun. Die nehmen wir gerne auf, aus christlicher Nächstenliebe. Aber wir lassen uns nicht erpressen. Es wird Ihnen nicht gelingen; wir Europäer sind hier nicht die Bösen.

Es geht tatsächlich nicht bloss um Burka ja oder nein. Vom Gesetz her dürfen hierzulande Eltern ihre Kinder nicht schlagen, junge Menschen dürfen schon ab Pubertät mit ungefähr Gleichaltrigen Sex haben und sind ab 16 in Religionsfragen mündig. Ob männlich oder weiblich, alle Menschen sollen ihren wirtschaftlichen Beitrag zum eigenen Lebensunterhalt leisten, indem sie entsprechende Bildung akzeptieren und anschliessend verwerten. Wer dies nicht akzeptieren will, soll gefälligst dahin ziehen, wo es sich besser lebt.

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