Der Mann des lebendigen Wortes

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Der Mann des lebendigen Wortes

Von Alex Bänninger, 09.01.2015

Der als Sportreporter und Radiomann verehrte Sepp Renggli ist im Alter von neunzig Jahren verstorben.

Ohne Bilder, dafür in einer bildhaften Sprache vermittelte uns Sepp Renggli am Radio die Siege und Niederlagen aus der Sportwelt, die Momente des Jubels, die Sekunden des Schreckens und die Dramen auf und neben den Spiel- und Kampfstätten. Seine Stimme war die Stimme des packenden Sports. Mit ihr verschaffte er uns das Miterleben in einer Unmittelbarkeit, die Kameraleute des Fernsehens nur mit Höchstleistungen erreichen konnten. Sepp Renggli war nahe am Geschehen und verfügte gleichzeitig über die Fähigkeit, sich nicht Hals über Kopf ins Getümmel zu stürzen, sondern jene Distanz zu wahren, die es fürs sichere Urteilsvermögen braucht. Die fachliche Kompetenz steuerte seine Emotionen. Er war ein Grosser der Sportberichterstattung.

Glänzender Vermittler

Aber nicht nur dies. Sepp Renggli kannte als Allrounder neben allen Sportarten auch die Möglichkeiten des Radios perfekt und schrieb an der Geschichte seines Mediums kraftvoll mit. Seine Sendungen wie «Café Endspurt», «Grand Prix Brunnenhof» oder «Chömed guet hei» waren Höhepunkte der radiophonischen Vermittlung zwischen Draussen und Drinnen und zogen die Hörerinnen und Hörer auch deshalb in ihren Bann, weil sie von Sepp Renggli auf noble Art ernst genommen wurden.

Er konnte am Mikrofon gewinnend und spannend reden und auf seiner Hermes 3000 kluge und vergnügliche Texte schreiben. Nach seiner Pensionierung als Reporter, Moderator und Leiter des Radiostudios Zürich pflegte er diese Begabung intensiv – zur hellen Freude der Zeitungsleserinnen und -leser. Er schöpfte aus seinem immensen Erinnerungsschatz, was darum so frisch und faszinierend war, weil er dem belehrenden Kramen in der Vergangenheit widerstand und bis ins hohe Alter mit jungem Geist wunderbare Geschichten erzählte.

Sepp Renggli war ein Meister der feinen, nie verletzenden Ironie. Er verfügte auch über die Qualität, elegant und wortspielerisch über sich selber lachen zu können.

Legende und Vorbild

Mit Sepp Renggli arbeitete ich über lange schöne Jahre im Stiftungsrat der Zürcher Radiostiftung zusammen. Was hier an Sendungen für eine Auszeichnung eingereicht wurde, prüfte Sepp Renggli mit den Augen und Ohren des ausgewiesenen Fachmanns, doch ohne jede Besserwisserei.

Er wog seine Voten sorgfältig ab und war den Programmschaffenden aus allen Themenbereichen ein wissender und fairer Juror. Seine geistreichen und stilsicher formulierten Laudationes auf die Wettbewerbsgewinnerinnen und -gewinner waren ihrerseits preiswürdig und bleiben unvergessen.

Sepp Renggli eine Legende? Ja, ohne Wenn und Aber. Aber mit dem dringend notwendigen Zusatz, dass er auch als Mensch, der seine Berufungen mit Leidenschaft erfüllte, ein Vorbild war. 

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Er steht auf der Stufe von Vico Rigassi, Walter Lutz, Karl Erb und Boris Acquadro (vom Westschweizer Fernsehen).

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