Der Gruss am E-Mail-Ende

Stephan Wehowsky's picture

Der Gruss am E-Mail-Ende

Von Stephan Wehowsky, 06.07.2018

Probleme der Form stellen sich schleichend ein und lassen sich zunächst ignorieren. Es gibt ja Wichtigeres. Aber sie melden sich mit einem unterschwelligen Grummeln.

Ausgerechnet bei Personen, mit denen man einen intensiveren oder zumindest häufigeren E-Mail-Kontakt hat, jagen sich die täglichen oder gar stündlichen Grüsse am Mailende zu Tode. Mehrmals täglich „lieb“ oder zumindest „herzlich“ zu grüssen, ist, wenn man es ernst nimmt, ein wenig anstrengend. Sender und Empfänger entgehen dem dadurch, dass sie diesen Grussformeln keine besondere Bedeutung mehr beimessen. Irgendwann hat es sich ausgegrüsst.

Man könnte die Grüsse also ganz bleiben lassen. Das geht aber nicht, denn wenn man einfach nur seinen Namen unter eine Mitteilung setzt, kann das auch unfreundlich wirken. Das will niemand riskieren. Dann lieber doch einen Gruss, so abgegriffen er auch sein mag. Mit der Konvention ist man auf der sicheren Seite.

Dass es sich dabei aber nur um eine Verlegenheitslösung handelt, kann man leicht signalisieren, indem man Grüsse abkürzt. Wer ganz cool rüberkommen will, schreibt MfG. Unter Freunden oder solchen, die es sein oder zumindest vorgeben wollen, ist LG beliebt. Damit hat es sich aber schon. So benutzt keiner MhG, um damit einen „herzlichen“ Gruss oder „herzliche“ Grüsse zum Ausdruck zu bringen. Und schon gar nicht wird jemand das wie ein welker Blumenstrauss wirkende LG aufhübschen und zum Beispiel MblG schreiben: „Mit besonders lieben Grüssen“.

Die Onlineplattform Sekretaria.de empfiehlt, Grüsse mehr oder weniger fantasievoll abzuwandeln. So kann man „sonnige“ Grüsse versenden, ein „schönes Wochenende“ wünschen oder sehnsuchtsvoll „Bis bald!“ ans Ende setzen. Diese Idee ist sehr gut, löst aber nicht das Problem des sehr häufigen E-Mail-Austauschs mit denselben Personen. Hat man Grüsse im Laufe eines Tages mehrfach abgewandelt, werden die Empfänger jeweils auf die nächste Variante warten. Am Ende liest keiner mehr die Nachricht, sondern amüsiert sich nur noch über den Gruss, der dem Schreibenden diesmal eingefallen ist. – Man kann es also auch übertreiben.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Interessante Betrachtung zur Gruesserei, die frage stellt sich bei mir, Vielmailer, taeglich. Abkuerzungen hasse ich echt, insbesondere LG, das ist fuer mich absolut lieblos. Also wie halte ich es persoenlich. Erstes Mail mit sehr persoenlichem Gruss, herzlich, lieb, usw. Antworten hin und her ohne Gruss, nicht mal mein Name, Empfaenger weiss ja wer schreibt. Im Verlauf des Tages gerne mal so ein Wettergruss oder sonstwie persoenlich auf sie oder ihn eingehend, signalisierend, hallo, ich bin echt bei dir . . .

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren