Das waren noch Zeiten

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Das waren noch Zeiten

Von Journal21, 07.02.2021

Vor 50 Jahren, am 7. Februar 1971, sagten die Schweizer Männer klar Ja zum Frauenstimmrecht. Der Widerstand gegen die Gleichberechtigung an der Urne dauerte über hundert Jahre.

Katze in der Krippe, Baby schreiend auf dem Boden: Abstimmungsplakat mit der Nein-Parole zur Einführung des Frauenstimmrechts gestaltet von Ernst Keiser. Dieses Plakat wurde für die Abstimmung im Kanton Basel-Stadt vom 15. Mai 1927 geschaffen. (Foto: Keystone/Photopress-Archiv/Str)
Katze in der Krippe, Baby schreiend auf dem Boden: Abstimmungsplakat mit der Nein-Parole zur Einführung des Frauenstimmrechts gestaltet von Ernst Keiser. Dieses Plakat wurde für die Abstimmung im Kanton Basel-Stadt vom 15. Mai 1927 geschaffen. (Foto: Keystone/Photopress-Archiv/Str)

Ein Plakat aus dem Jahr 1947 an einer Telefonkabine in Zürich. (Foto: Keystone/Photopress-Archiv/Str)
Ein Plakat aus dem Jahr 1947 an einer Telefonkabine in Zürich. (Foto: Keystone/Photopress-Archiv/Str)

Die Schweiz gehörte zu den letzten europäischen Ländern, die das Frauenstimm- und Wahlrecht einführten. Allerdings war die Schweiz auch das einzige Land, in dem die Einführung in einer Volksabstimmung von den Männern beschlossen wurde.

Als erstes europäisches Land gab 1906 Finnland, das damals ein russisches Grossfürstentum war, mit seiner Landtagsordnung vom 1. Juni Frauen das Wahlrecht. Es folgten Norwegen, Dänemark und die Niederlande.

In Russland erreichten die Frauen nach der Februarrevolution 1917 das aktive und passive Wahlrecht.

In Österreich erhielten Frauen das allgemeine Wahlrecht am 12. November 1918. Am 30. November 1918 wurde das allgemeine Wahlrecht in Deutschland gesetzlich fixiert.

In den USA ratifizierte Tennessee am 18. August 1920 mit äusserst knapper Mehrheit den 19. Zusatzartikel zur Verfassung. Damit wurde auf dem gesamten Gebiet der USA das Frauenwahlrecht eingeführt. (Siehe: Journal21: „Die Stunde der Frau hat geschlagen“)

Der 7. Februar 1971

In der Schweiz hatten sich noch 1959 67 Prozent der stimmenden Männer gegen das Frauenstimmrecht ausgesprochen. Auch auf kantonaler Ebene brachten zahlreiche Abstimmungen negative Ergebnisse.

Am 7. Februar 1971 – vor 50 Jahren – sagten dann 65,7 Prozent der Schweizer Männer Ja zur Einführung der Frauenstimm- und Wahlrechts. 15½ Kantone stimmten dafür, 6½ dagegen.

Am stärksten wurde das Frauenstimmrecht in der Westschweiz und in Basel-Stadt angenommen. Genf sagte Ja mit 91,1 Prozent, gefolgt von der Waadt mit 83,9 Prozent, Basel-Stadt mit 82,2 Prozent, Neuenburg mit 82,0 Prozent, dem Wallis mit 79,9 Prozent.

Nein sagten die Kantone Obwalden, Schwyz, Uri, Glarus, Thurgau, St. Gallen und die beiden Appenzell. In Appenzell Innerrhoden stimmten nur 28,9 Prozent für das Frauenstimmrecht. Auf kantonaler Ebene mussten die Innerrhodner sogar am 27. November 1990 vom Bundesgericht gezwungen werden, das Frauenstimmrecht einzuführen.

31. Oktober 1971

Acht Monate nach der Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen fanden Eidgenössische Wahlen statt. Zehn Frauen wurden am 31. Oktober 1971 in den Nationalrat gewählt und eine Frau (Lise Girardin in Genf) in den Ständerat. Eine elfte Nationalrätin rutschte schon nach wenigen Tagen für einen Mann nach, der in den Ständerat gewählt worden war.

Am 29. November 1971, mit Beginn der Wintersession, nahmen erstmals Frauen in den Räten Platz.

Das Bild zeigt die ersten zehn 1971 gewählten Nationalrätinnen und die im Dezember 1971 und Juni 1972 nachgerückten Nationalrätinnen Sahlfeld und Meyer. Obere Reihe von links: Elisabeth Blunschy, Hedi Lang, Hanny Thalmann, Helen Meyer, Lilian Uchtenhagen, Josi Meier, Hanna Sahlfeld. Untere Reihe von links: Tilo Frey, Gabrielle Nanchen, Liselotte Spreng, Martha Ribi und Nelly Wicky. Die Aufnahme stammt vom Juli 1972 (Foto: Keystone/Str)
Das Bild zeigt die ersten zehn 1971 gewählten Nationalrätinnen und die im Dezember 1971 und Juni 1972 nachgerückten Nationalrätinnen Sahlfeld und Meyer. Obere Reihe von links: Elisabeth Blunschy, Hedi Lang, Hanny Thalmann, Helen Meyer, Lilian Uchtenhagen, Josi Meier, Hanna Sahlfeld. Untere Reihe von links: Tilo Frey, Gabrielle Nanchen, Liselotte Spreng, Martha Ribi und Nelly Wicky. Die Aufnahme stammt vom Juli 1972 (Foto: Keystone/Str)

1977 wurde die Schwyzer CVP-Politikerin Elisabeth Blunschy erste Nationalratspräsidentin und damit höchste Schweizerin. 

1984 wurde die Zürcher FDP-Frau Elisabeth Kopp als erste Bundesrätin gewählt.

Erste Ständeratspräsidentin wurde 1991 die Luzerner Juristin Josi Meier (CVP). 

Am 9. Dezember 1998 wählte die Vereinigte Bundesversammlung die Genfer Sozialdemokratin Ruth Dreifuss zur ersten Bundespräsidentin.

(J21)

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