Das Feuerheiligtum Takht-i Suleiman

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Das Feuerheiligtum Takht-i Suleiman

Von Georg Gerster, 02.11.2014

Copyright: Georg Gerster/Keystone
Unter den Nachfolgern der Parther, den Sassaniden, und namentlich in spätsassanidischer Zeit (etwa von 421 – 651 n. Ch.), war das Reichsfeuer auf dem Takht-i Suleiman (d.h. „Thron Salomos“) von dynastischer Bedeutung. Frisch inthronisierte und gesalbte sassanidische Könige, die damals in Ktesiphon bei Baghdad residierten, schuldeten dem „Feuer des Hengstes“ ihre Aufwartung und mussten mit ihrem ganzen Hofstaat den 500-Kilometer-Treck ins Hochland antreten; gemäss arabischen Chronisten pilgerte der König zu Fuss. Ausser mit religiöser Bedeutung empfahl sich der 2200 m hoch gelegene Takht auch als Sommerfrische – als kühle Gegenwelt zum mesopotamischen Sommergrill in Ktsesiphon.

Den Rand des Travertinhügels, eines Kegelstumpfs, begleitet eine mit 38 Rundbastionen bewehrte, über einen Kilometer lange Mauer aus Bruchsteinen und Mörtel, die einst etwa 13 Meter hoch war. Eingeschrieben in diese Festungsmauer ist ein nur in Spuren fassbares Mauerrechteck mit dem Quellsee, dem Palast und zwei Feuertempeln.

Gewöhnliche Pilger betraten nach mühsamem Aufstieg den Wallfahrtskomplex durch das Nordtor; von dort erreichten sie den für sie reservierten Feuertempel. Das Südtor, der Zugang für den König und sein Gefolge, war zu Pferd und Kamel leichter erreichbar. Die Hoheiten hatten ihren eigenen Feuertempel im Verbund mit dem Palast.

626 erstürmte und zerstörte der byzantinische Kaiser Herakleios die Tempelfestung; der sassanidische Herrscher war in den Worten des Heeresberichts „unter Mitnahme des Feuerzaubers und der Staatskasse“ geflohen. Es ist anzunehmen, dass Herakleios über das Zweite unglücklicher war als über das Erste. Auch spätere Eroberer, die Mongolen, hatten mit zoroastrischer Feuer- und Wasserverehrung nichts am Hut. Nach 1271 erbaute ein Enkel Dschingis Khans, angetan von der landschaftlichen Schönheit und dem Wildreichtum der Talaue, in und aus den Ruinen des sassanidischen Feuerheiligtums einen Jagdpalast – heute der am besten erhaltene mittelalterliche Palast Persiens.

Seit das Deutsche Archäologische Institut 1978 seine Grabung auf dem Takht-i Suleiman einstellte, fehlen Takht-bezogene ernsthafte archäologische Bemühungen. Im Jahr 2003 würdigte die Unesco das zoroastrische Wallfahrtsheiligtum als Welterbe. Der „Thron Salomos“, vormals weltabgeschieden und fast unerreichbar, ist mittlerweile ein Touristenort mit den Paraphernalien eines Rummelplatzes geworden – kein Reiseziel in Irans Nordwesten ist beliebter. Das reimt sich eigentlich schlecht mit dem Umstand, dass die zoroastrische Lichtreligion bei schiitischen Muslimen wenig gelitten, um nicht zu sagen: verhasst ist. Zumindest nach einer Überlieferung liegt in diesem Teil Aserbeidschans sogar der Geburtsort des Religionsstifters, Zarathustras. Aber vielleicht schmeichelt das einstige zoroastrische Heiligtum ganz einfach dem Stolz heutiger Besucher auf altpersische Bestleistungen. Auch wenn ja die Ruinen eigentlich mongolisch sind. – Jahr des Flugbilds: 1976 (Copyright: Georg Gerster/Keystone)
In einem Hochtal Iranisch-Aserbeidschans hat eine überfliessende kalkhaltige Warmquelle ein Podium aufgebaut, auf dem schon in parthischer Zeit ein Feuertempel errichtet wurde.

Unter den Nachfolgern der Parther, den Sassaniden, und namentlich in spätsassanidischer Zeit (etwa von 421 – 651 n. Ch.), war das Reichsfeuer auf dem Takht-i Suleiman (d.h. „Thron Salomos“) von dynastischer Bedeutung. Frisch inthronisierte und gesalbte sassanidische Könige, die damals in Ktesiphon bei Baghdad residierten, schuldeten dem „Feuer des Hengstes“ ihre Aufwartung und mussten mit ihrem ganzen Hofstaat den 500-Kilometer-Treck ins Hochland antreten; gemäss arabischen Chronisten pilgerte der König zu Fuss. Ausser mit religiöser Bedeutung empfahl sich der 2200 m hoch gelegene Takht auch als Sommerfrische – als kühle Gegenwelt zum mesopotamischen Sommergrill in Ktsesiphon.

Den Rand des Travertinhügels, eines Kegelstumpfs, begleitet eine mit 38 Rundbastionen bewehrte, über einen Kilometer lange Mauer aus Bruchsteinen und Mörtel, die einst etwa 13 Meter hoch war. Eingeschrieben in diese Festungsmauer ist ein nur in Spuren fassbares Mauerrechteck mit dem Quellsee, dem Palast und zwei Feuertempeln.

Gewöhnliche Pilger betraten nach mühsamem Aufstieg den Wallfahrtskomplex durch das Nordtor; von dort erreichten sie den für sie reservierten Feuertempel. Das Südtor, der Zugang für den König und sein Gefolge, war zu Pferd und Kamel leichter erreichbar. Die Hoheiten hatten ihren eigenen Feuertempel im Verbund mit dem Palast.

626 erstürmte und zerstörte der byzantinische Kaiser Herakleios die Tempelfestung; der sassanidische Herrscher war in den Worten des Heeresberichts „unter Mitnahme des Feuerzaubers und der Staatskasse“ geflohen. Es ist anzunehmen, dass Herakleios über das Zweite unglücklicher war als über das Erste. Auch spätere Eroberer, die Mongolen, hatten mit zoroastrischer Feuer- und Wasserverehrung nichts am Hut. Nach 1271 erbaute ein Enkel Dschingis Khans, angetan von der landschaftlichen Schönheit und dem Wildreichtum der Talaue, in und aus den Ruinen des sassanidischen Feuerheiligtums einen Jagdpalast – heute der am besten erhaltene mittelalterliche Palast Persiens.

Seit das Deutsche Archäologische Institut 1978 seine Grabung auf dem Takht-i Suleiman einstellte, fehlen Takht-bezogene ernsthafte archäologische Bemühungen. Im Jahr 2003 würdigte die Unesco das zoroastrische Wallfahrtsheiligtum als Welterbe. Der „Thron Salomos“, vormals weltabgeschieden und fast unerreichbar, ist mittlerweile ein Touristenort mit den Paraphernalien eines Rummelplatzes geworden – kein Reiseziel in Irans Nordwesten ist beliebter. Das reimt sich eigentlich schlecht mit dem Umstand, dass die zoroastrische Lichtreligion bei schiitischen Muslimen wenig gelitten, um nicht zu sagen: verhasst ist. Zumindest nach einer Überlieferung liegt in diesem Teil Aserbeidschans sogar der Geburtsort des Religionsstifters, Zarathustras. Aber vielleicht schmeichelt das einstige zoroastrische Heiligtum ganz einfach dem Stolz heutiger Besucher auf altpersische Bestleistungen. Auch wenn ja die Ruinen eigentlich mongolisch sind. – Jahr des Flugbilds: 1976 (Copyright: Georg Gerster/Keystone)

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