Chinas Krieger in Bern

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Chinas Krieger in Bern

Von Roland Jeanneret, 14.03.2013

Zum ersten Mal sind sie in der Schweiz zu sehen: zehn der weltberühmten Terrakotta-Krieger des Ersten Kaisers und Begründers Chinas. Eine aussergewöhnliche Ausstellung bringt uns Chinas Geschichte etwas näher.

8000 Terrakota-Figuren, 6500 davon noch unter der Erde
8000 Terrakota-Figuren, 6500 davon noch unter der Erde

Sie waren völlig ahnungslos, die sechs Bauern aus dem mittelchinesischen Dorf Lintong, als sie in den ersten Tagen der Trockenzeit 1974 einen Brunnen graben wollten. Plötzlich stiessen sie auf Tonscherben menschlicher Figuren. Sie hatten einen der grössten archäologischen Funde der Welt entdeckt, Teile der Grabanlagen des Ersten Kaisers von China, Qin (sprich: Tschin) Shi Huangdi (259 – 210 v. Chr.).

6500 Figuren noch unter der Erde

Heute weiss man: Um auch im Jenseits über gebührende Macht und Prunk zu verfügen, hatte Qin 8000 lebensgrosse Soldaten, Pferde, Beamten, Artisten, Musiker usw. aus Tonerde machen und in der Nähe seines Grabes aufstellen lassen. Bis heute wurden erst etwa 1500 der Figuren ausgegraben – die restlichen 6500 und der Grabhügel selber sind noch immer unter der Erde verborgen.

„Dieses noch immer ungelüftete Geheimnis hat einen ganz besonderen Reiz, den wir unseren Besuchern mit dieser einmaligen Ausstellung vermitteln“, erklärt Museumsdirektor Jakob Messerli. „So öffnet die Ausstellung ein Fenster in die Geschichte Chinas und ermöglicht einem breiten Publikum das Reich der Mitte für sich zu entdecken.“ China weiss zudem, dass die Figuren unter Erde besser erhalten bleiben, als wenn sie Licht und Luft ausgesetzt sind – hier verlieren sie ihre Farben. In der Ausstellung werden deshalb zwei Replika-Figuren in der damaligen Originalbemalung gezeigt.

Grosse Touristenattraktion

Die gigantische Grabanlage und besonders die Terrakotta-Krieger Qins sind bereits 1987 auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden und sind heute – zusammen mit der Chinesischen Mauer - eine der historischen Hauptattraktionen auf Reisen durch China. Zehn dieser Originale sind ab heute (15. März) bis Mitte November 2013 im Bernischen Historischen Museum am Helvetiaplatz ausgestellt. Neben den Figuren werden 220 weitere Museumsstücke wie Bodenplatten, Traufziegel, Münzen, Ritual-Gefässe, Glocken, der Verschluss einer Armbrust, eine Wasseruhr etc. aus der Qin-Kultur gezeigt. Im Gegensatz zu den beeindruckenden Grabbeigaben erheitert aber auch ein Abfallberg von Fehlbränden und Scherben – auch im alten China fielen die Meister nicht alle vom Himmel…

Anspruchsvolle Logistik

Bandagiert und in Kisten verpackt, anspruchsvolle Transport-Logistik. Ein Terrakota-Pferd
Bandagiert und in Kisten verpackt, anspruchsvolle Transport-Logistik. Ein Terrakota-Pferd

Keine Scherben gab es, Gott sei Dank, beim Transport des kostbaren Gutes, das per Flugzeug aus China angereist kam. Die wertvollen Terrakotta-Krieger beispielsweise wurden einbandagiert in grosse Kisten verpackt, der Transport von einer vierköpfigen Delegation aus China überwacht. Jedes Auspacken eines Objekts wurde sorgfältig protokolliert – zu grosse Versicherungssummen stehen auf dem Spiel. Ein Teil der Kosten dieses Ausstellungsprojekts – dessen Planung und Realisierung 3 Jahre an Vorarbeiten beanspruchte – wird vom Hauptsponsor UBS finanziert.

Ursprung des chinesischen Kaiserreichs

In einem andern Ausstellungsabschnitt wird die Entwicklung des Fürstentums Qin zum König- und schliesslich zum Kaiserreich gezeigt. König Ying Zheng – so nennt sich Qin vorerst noch – gelingt es, sechs andere, untereinander verfeindete Königreiche zu unterwerfen und ein neues Grossreich zu schaffen. Erst jetzt wählt er den Kaisertitel, und um sein Riesenreich zusammenzuhalten, schafft er eine zentrale Verwaltung und regiert mit harter Hand.

Er verbindet bestehende Schutzwälle, vereinheitlicht Währungen, Masse sowie Schriftzeichen. Auch wenn China zu einem riesigen Reich weiterwächst, schaffte Qin Strukturen, die zum grossen Teil bis Ende der Kaiserzeit 1911 Bestand hatten. Vor allem die einheitliche Schrift ist bis heute noch eine wichtige einigende Klammer für Vielvölkerstaat China.

Vom Wahn der Unsterblichkeit

Kaiser Qin Shi Huangdi suchte bereits früh ein Elixier, das ihm Unsterblichkeit bringen sollte. So liess er Gelehrte und Hofmediziner ausschwärmen, um den Überlebenstrunk zu finden. Das Heer der Krieger und Gefolgsleute sollte ihm auch im jenseitigen Leben dienen. Möglicherweise starb der Kaiser sogar an einem dieser Elixier-Experimente. Mit der Entdeckung seiner Tonerd-Figuren hat er aber – zumindest indirekt - in der Archäologie- und Kunstwelt eine gewisse Unsterblichkeit erlangt…


Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger Bernisches Historisches Museum Helvetiaplatz 5, 3005 Bern Ausstellung vom 15.3. bis 17.11. www.qin.ch

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