Serbische Soldaten bewachen am Montag, dem 7. September 2026, in der St.-Luka-Kirche in Belgrad den Sarg des ehemaligen Kommandanten der bosnisch-serbischen Armee, Ratko Mladić. Dieser starb letzte Woche bei der Verbüssung einer lebenslangen Haftstrafe wegen Völkermords und anderer Gräueltaten während des Krieges in Bosnien.
Der im Gefängnis gestorbene bosnisch-serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladić ist in der serbischen Hauptstadt Belgrad mit allen staatlichen und militärischen Ehren beigesetzt worden. Der Zeremonie auf dem Belgrader Friedhof Topcider wohnten mehrere tausend Menschen bei, wie serbische Medien berichteten. Eine militärische Ehrenformation begleitete den Sarg, Soldaten feuerten Salutschüsse ab.
Mladić war am 27. August im internationalen Gefängnis von Den Haag im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hatte dort eine lebenslange Haftstrafe verbüsst, zu der ihn ein internationales Tribunal wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt hatte. Unter anderem wies es ihm die Planung des Massakers an mehr als 8’000 Menschen, hauptsächlich Männer und männliche Jugendliche, nach dem Fall der ostbosnischen Enklave Srebrenica im Juli 1995 nach.
Die serbische Regierung unter dem Präsidenten Aleksandar Vučić, aber auch weite Teile der serbischen Bevölkerung leugnen bis heute die Verbrechen, die die bosnisch-serbischen Milizen unter dem Kommando von Mladić in Bosnien begangen hatten.
Vučić nahm an dem Trauerakt nicht persönlich teil. Er begründete dies mit Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Besuch seines usbekischen Amtskollegen Schawkat Mirsijojew am selben Tag in Belgrad. Nach Ansicht von Beobachtern schob er den Termin vor, um internationale Kritik an Serbien abzufedern.
Ein Sprecher der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas kritisierte den Umgang des EU-Beitrittskandidaten Serbien mit dem verurteilten Kriegsverbrecher Mladić. «Jede Verherrlichung von Kriegsverbrechen, das Leugnen von Völkermord und Revisionismus widersprechen den grundlegendsten europäischen Werten und haben keinen Platz in der EU oder in EU-Kandidatenländern», hiess es in seiner Stellungnahme.
Serbien verhandelt seit 2014 über einen EU-Beitritt. Im Nachbarland Bosnien-Herzegowina, das im Krieg von 1992 bis 1995 Schauplatz der Verbrechen von Mladić war, stiess das De-facto-Staatsbegräbnis auf Ablehnung und Empörung. Aussenminister Elmedin Konaković kündigte an, das gesamte Personal ausser dem Botschafter und dem Konsul aus der Botschaft in Belgrad abzuziehen.