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Protest gegen Entlassungswelle bei Tamedia

Tamedia Protest
Keystone, Michael Schmid

Mitarbeitende der Tamedia-Redaktion und weitere Besorgte protestieren gegen die angekündigte Entlassungswelle. Rund 400 Personen versammeln sich am Dienstag, 20. Oktober 2026, vor dem Tamedia-Gebäude in Zürich. Mit der Aktion setzen sie sich gegen den Stellenabbau und für den Erhalt journalistischer Arbeitsplätze ein.

Tamedia streicht in den News-Redaktionen der Deutsch- und Westschweiz 34 Vollzeitstellen, 41 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Am Dienstagmittag protestierten Angestellte vor dem Hauptsitz an der Zürcher Werdstrasse und forderten einen sofortigen Kündigungsstopp. Hans Peter Roth, Redaktor des ebenfalls zur TX-Group gehörenden Thuner Tagblatt/Berner Oberländer, wies darauf hin, dass die TX Group, zu der Tamedia gehört, Gewinn schreibe.

Unterstützt wurden die Protestierenden unter anderem vom Zürcher Stadtpräsidenten Raphael Golta (SP). In seiner Ansprache bezeichnete er sich als «Tagi-Kind», das auch heute noch jeden Morgen in dieser Zeitung lese, was in der Welt passiert. Golta, der früher ebenfalls als Journalist arbeitete, betonte, er wolle weiterhin von lokalen Medienschaffenden produzierte Texte lesen und nicht solche von KI-Agenten.

Tamedia-Kommunikationschef Edi Estermann verteidigt den Stellenabbau: «Transformation ist der neue Normalzustand für Medienhäuser. Der Medienmarkt verändert sich schneller, als wir unsere Transformation bisher vorantreiben konnten. Und dann kam noch die künstliche Intelligenz.» Es sei ein mächtiges Werkzeug, das es dosiert und umsichtig einzusetzen gelte. «Deswegen geht diese Transformation wohl weiter», so Estermann.

Der Frust und die Verunsicherung der Tamedia-Belegschaft sind gross. «Wir können nicht mehr», sagte eine Kundgebungsteilnehmerin an der Protestaktion. «Wo sollen denn überhaupt noch Entlassungen gemacht werden?» Die Ressourcen seien schon jetzt sehr knapp.

Die Redaktionen werfen der Geschäftsleitung vor, die Folgen von Fehlentscheidungen und nicht funktionierenden Strategien stets auf das Personal abzuwälzen. Auf den Redaktionen dürfe nicht mehr gespart werden. An der Kundgebung wurde auf Schildern «Journalismus statt KI» gefordert.

Medienschaffende sind mit einem generellen Abwärtstrend konfrontiert. So baut die SRG bis 2027 fast 300 Vollzeitstellen ab. Bis 2029 sollen beim öffentlichrechtlichen Medienhaus der Schweiz gegenüber heute sogar 900 Vollzeitstellen verschwinden.

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