Photo Élysée, das Fotomuseum in Lausanne, zeigt noch bis 1. November 2026 aussergewöhnliche Fotos und Reiseberichte der Pionierin Ella Maillart (1903–1997).
Die Journalistin, Fotografin und Reiseschriftstellerin erkundete zwischen 1930 und 1939 Zentral- und Ostasien. Sie reiste durch die UdSSR, China, Afghanistan und den Iran. Von Genf nach Kabul war sie 1939 mit der Schriftstellerin und Fotografin Annemarie Schwarzenbach unterwegs. Ihre Reisen dokumentierte sie mit Schriften und tausenden von Fotos, die sie nach ihrer Rückkehr mit grosser Sorgfalt in fast fünfzig Archivschachteln, ihren «boites», archivierte und kommentierte.
2025 hat der Exekutivrat der Unesco zugestimmt, dass die Nachlässe von Ella Maillart und Annemarie Schwarzenbach in das «Memory of the World», das Register des Unesco-Weltdokumentenerbes aufgenommen wird. Aus diesem Anlass würdigt das Photomuseum in Lausanne den aussergewöhnlichen historischen und kulturellen Wert von Ella Maillarts Archiven, die unter anderem im Photo Élysée aufbewahrt werden.
Ella Maillart bereiste Asien zu einem Zeitpunkt von grossen politischen und sozialen Umwälzungen. Sie beobachtete, wie Zentralasien unter den zunehmenden Einfluss der Sowjetunion kam. Sie sah auch die Veränderung Chinas nach dem Sturz des Kaiserreichs und die Entstehung von Mandschukuo, einem von Japan kontrollierten Staat in der Mandschurei.
Die Ausstellung zeigt einerseits die historischen Ereignisse, die Ella Maillart mitverfolgte. Die Fotos richten andererseits den Blick auf die Menschen, vor allem Nomadenvölker und besonders die Frauen. Ella Maillart dokumentiert eine Lebensweise, die durch die Modernisierung bedroht ist. Ihre einfühlsamen Texte ergänzen die Bilder oder sie stellen Fragen.
«What written or inherited rules govern a woman’s life? By what means can propaganda reach woman? How can they be made aware of their independence? Did they learn to read in earlier times?» (Travel notes, 1932)
(Welche schriftlichen oder traditionell weitergegebenen Regeln bestimmen das Leben einer Frau? Mit welchen Mitteln kann Propaganda die Frauen erreichen? Wie kann man sie für ihre Unabhängigkeit sensibilisieren? Haben sie früher lesen gelernt? Reisenotizen 1932)
Eindrücklich ist der Abschnitt der Ausstellung, in dem es der Reiseschriftstellerin um ihre persönliche Entwicklung geht: Die Reise als Suche nach dem eigenen Ich. Die Einsamkeit, die Natur und die Begegnungen mit Menschen.
Photo Élisée Lausanne: Récits photographiques
bis 1. November