Papst Leo XIV. präsentiert am 25. Mai 2026 im Vatikan seine erste Enzyklika unter dem Titel «Magnifica humanitas». Nach einem Jahr im Amt, hat der neue Papst damit seine «Regierungserklärung» vorgelegt. Sie beschäftigt sich kritisch mit der Entwicklung Künstlicher Intelligenz und mahnt deren Einschränkung durch ethische Regeln an. Im Blick auf KI-Waffen schreibt Leo XIV.: «Wo die Entscheidung über Leben und Tod an Codezeilen delegiert wird, verliert der Mensch seine Würde und die Maschine triumphiert über den Geist.»
In seinem Lehrschreiben wirft der Papst einen kritischen Blick auf die Entwicklungen im Zeitalter der KI. Dabei überwiegt zwar die Skepsis, doch Leo XIV. will nicht den Eindruck erwecken, die Technik generell als «menschenfeindliche Kraft» zu verteufeln. Vielmehr spricht die Enzyklika die Sorge aus, dass die «grossartige Menschheit» – so der Titel des Lehrschreibens – unter die Räder kommt.
Leo XIV. stellte den Text persönlich vor. Das gab es noch nie. Zur Präsentation wurde zudem der US-amerikanische KI-Entwickler und Unternehmer Christopher Olah eingeladen. Der Mitbegründer des Technologie-Konzerns Anthropic steht für eben jene «wirtschaftlichen und technologischen Akteure», die Leo XIV. in seiner Enzyklika besonders anspricht und zu ethischem Handeln auffordert.
Mit Donald Trump liegt Olahs Unternehmen überkreuz, weil Anthropic seine KI nicht für autonom agierende Waffensysteme freigeben wollte. Für Trump ist Anthropic eine «radikal linke und woke Firma». Damit passt Olah (als erklärter Atheist) zum Papst, den ja ebenfalls der Bannstrahl des US-Präsidenten getroffen hatte: Er sei «kein Fan» von Papst Leo, schimpfte Trump, nachdem Leo XIV. den Krieg gegen den Iran scharf kritisiert hatte. Der Papst sei «politisch sehr links». Nach dieser Enzyklika wird Trump sein Urteil kaum revidieren.
Denn Leo XIV. fordert etwas, das in der Welt der grossen US-Tech Konzerne nicht gewollt und nicht vorgesehen ist: Regeln. Technologische Entwicklung müsse sich an den Kriterien der Menschenwürde und des Gemeinwohls messen lassen und so verhindern, dass Menschen durch «undurchsichtige Algorithmen» benachteiligt werden. Das gilt auch in den Sozialen Medien: «Die Algorithmen, die diese Plattformen steuern, sind nicht darauf ausgelegt, die Wahrheit zu fördern oder den Dialog zu vertiefen, sondern die Verweildauer der Nutzer zu maximieren.» Leo XIV. sieht die Künstliche Intelligenz als Brandbeschleuniger in gesellschaftlichen Konflikten.
Im Zusammenhang mit seiner Kritik an KI-Waffensystemen wendet sich Leo XIV. auch gegen die auch in der katholischen Tradition verankerte Lehre vom «Gerechten Krieg»: «Um Konflikte zu bewältigen, verfügt die Menschheit über Mittel, die weitaus wirksamer sind und geeigneter, das menschliche Leben zu fördern, wie zum Beispiel den Dialog, die Diplomatie und die Vergebung.» Gegen eine Realpolitik, die Krieg als unvermeidlich darstellt, betreibt der Papst in seiner ersten Enzyklika eine Ehrenrettung des christlichen Pazifismus.