Ulrich Siegmund, der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 6. September im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt, strahlt und posiert bei einer Wahlkampfveranstaltung mit der aktuellen Ausgaben des «Spiegels». Das Politmagazin hat ihm diese Woche die Titelgeschichte mit der reisserisch-überspitzten Schlagzeile «Der gefährlichste Mann Deutschlands» gewidmet. Diese schrille und einseitige Vermarktung ihrer Titelstory gilt weitherum als kontraproduktiver publizistischer Fehlgriff und als Gratiswerbung für den umstrittenen AfD-Spitzenkandidaten.
So sieht es offenkundig auch Ulrich Siegmund selber und deshalb macht er nun mit dem «Spiegel»-Heft Wahlkampf.
Die rechtsnationalistische AfD hat laut Umfragen gute Chancen, bei der Wahl des neuen Landtags in Sachsen-Anhalt zur stärksten Partei zu werden. Gegenwärtig wird ihr ein Stimmenanteil von über 40 Prozent vorausgesagt. Je nachdem, wie viele der kleineren Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, könnten schon 45 Prozent Anteil für eine absolute Mehrheit im Landtag reichen und die AfD könnte dann im Prinzip allein in diesem Bundesland regieren.
Der erst 35-jährige AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist eine schillernde Figur, die sich gekonnt als volksnah und humorvoll zu inszenieren weiss. Seine politische Karriere begann er als sehr junger Mann bei der CDU. Er sitzt seit zehn Jahren im Parlament von Sachsen-Anhalt. Seine Partei zeigt teilweise Verständnis für Putin und dessen Krieg gegen die Ukraine. Innenpolitisch gibt sie sich nationalpatriotisch und fordert die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.