Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 hat Israel seine militärischen Operationen in Syrien massiv ausgeweitet und zugleich seine ohnehin bestehende Präsenz im Libanon vertieft. Mit dem Angriff auf den Militärflugplatz Abu al-Duhur im August 2026 richtet sich die israelische Strategie nicht mehr nur gegen iranische und Hisbollah-nahe Strukturen, sondern erstmals unverhohlen auch gegen den wachsenden Einfluss der Türkei.
Damit entwickelt sich aus dem israelisch-syrischen Sicherheitskonflikt ein regionaler Hegemonialkonflikt in der Levante zwischen zwei Mittelmächten, deren sicherheitspolitische Logiken sich, wie zu zeigen sein wird, in erstaunlichem Masse gleichen und gerade deshalb kollidieren.
Die Architektur israelischer Sicherheit: vom Grenzschutz zum gestaffelten Raum
Israel betrachtet Syrien – und in ähnlicher Weise den Libanon – allein unter dem Aspekt der militärischen Sicherung seiner Grenzen. Doch was als „Grenze" gilt, wird seit einigen Jahren, besonders seit dem Terror des 7. Oktober 2023, immer weiter nach aussen verschoben. An die Stelle einer Linie ist ein System gestaffelter, ineinander verschachtelter Operationsgebiete getreten: Landnahme reicht rund zehn Kilometer über die eigentliche Grenze hinaus, eine dauerhafte militärische Besetzung erstreckt sich auf etwa 20 Kilometer, das Operationsgebiet der Bodentruppen auf rund 50 Kilometer, das reguläre Einsatzgebiet der Luftwaffe auf rund 300 Kilometer, Gebiete mit expliziter israelischer Lufthoheit auf bis zu 800 Kilometer – und in Kriegszeiten operiert die Luftwaffe in einem Raum von bis zu 1.500 Kilometern.
So entsteht ein Sicherheitsgeflecht, das von der eigentlichen Staatsgrenze aus tief in die Territorien Libanons und Syriens hineinwächst. Im Norden und Nordosten Israels erreicht es inzwischen eine Tiefe von fast 320 Kilometern. Am Boden können sich die israelischen Streitkräfte dabei auf eine unbestrittene Lufthoheit stützen, die es ihnen erlaubt, weit über jene Linien hinaus zu operieren, an denen tatsächlich Bodentruppen präsent sind.
Militärische und ideologische Motive
Im Libanon hält Israel dauerhaft ein Gebiet von etwa 650 Quadratkilometern – gut sechs Prozent des libanesischen Staatsgebiets. Das tatsächliche Operationsgebiet der Bodentruppen ist noch einmal fast doppelt so gross: Wie die wiederholten Vorstösse jenseits der „Gelben Linie", etwa nördlich des Litani bei Zawtar al-Sharqiya, zeigen, endet die israelische Reichweite keineswegs an der offiziell verkündeten Pufferzone.
In Syrien umfassen die von israelischen Truppen östlich der ehemaligen Demarkationslinie von 1974 gehaltenen Gebiete rund 600 Quadratkilometer. Das Operationsgebiet reicht weit darüber hinaus und erstreckt sich bis auf knapp 25 Kilometer an Damaskus heran. Im Juli 2025 kam es im Rahmen des Konflikts mit drusischen Milizen zudem zu einer kurzen, primär luftgestützten Interventionsphase, die fast bis in die Provinzhauptstadt al-Suwaida reichte. Die Stadt liegt weit ausserhalb jeder klassischen Pufferzonen-Logik und ein Beleg dafür, wie elastisch sich der israelische Sicherheitsbegriff im Ernstfall auslegen lässt.
Es geht dabei längst nicht mehr nur um die Sicherung der israelischen Nordgrenze oder das erklärte Ziel, keine feindlichen Kräfte in Grenznähe zu dulden. Vielmehr expandiert die israelische Politik ihre strategischen Ziele in Syrien und Libanon: Hegemonie wird als nachhaltiges Mittel betrachtet, um Israel dauerhafte Sicherheit zu gewährleisten. Dieses Ziel verkoppelt sich zunehmend mit ideologischen Motiven, die darauf ausgerichtet sind, militärische Eroberungen mit einer siedlungspolitischen Landnahme zu verknüpfen. Sichtbar wird dies etwa in den Plänen, die jüdische Besiedlung der Golanhöhen und der neu kontrollierten Gebiete um Quneitra und den Hermon massiv auszubauen.
Genau diese israelischen Hegemonieansprüche in der westlichen Levante kollidieren nun mit gleichgearteten türkischen Ambitionen.
Der Sturz Assads als Wendepunkt
Der Zusammenbruch der Herrschaft Bashar al-Assads am 8. Dezember 2024 veränderte die strategische Lage im Nahen Osten. Eine von Hayat Tahrir al-Sham geführte Offensive brachte das Regime zu Fall. An dessen Stelle trat eine nationalreligiöse Führung unter Ahmad al-Sharaa, die sich international um Anerkennung und Wiederaufbauhilfe bemühte und die sich politisch stark an der Türkei ausrichtet.
Für Israel entstand ein widersprüchliches Bild: Ein bekannter Gegner verschwand, doch zugleich entstand ein Machtvakuum, das die militärisch unerfahrene neue Regierung nur begrenzt kontrollieren konnte. Zudem operierten weiterhin bewaffnete Dschihadisten, oft aus Zentralasien und dem Kaukasus in Nischen des Landes. Israel setzte daher auf militärische Prävention: Die Luftwaffe zerstörte Luftabwehrsysteme, Radaranlagen, Waffenlager und Produktionsstätten der alten Staatsarmee, um zu verhindern, dass Waffen in die falschen Hände geraten. Damit schwächte Israel jedoch zugleich die Fähigkeit Damaskus', rasch eine reguläre Armee aufzubauen. Genau das wertete die neue Führung als Angriff auf ihre Souveränität.
Verärgerung in Washington und Damaskus
Parallel dazu rückten israelische Truppen in die seit 1974 von der UNDOF überwachte Pufferzone auf den Golanhöhen vor. Israel begründete dies mit dem Wegfall des alten Vertragspartners al-Assad. Uno und Damaskus sahen dies kritisch, da ein Regierungswechsel zwischenstaatliche Verträge nicht automatisch aufhebt. In der Folge errichtete Israel Stützpunkte, Zufahrtsstrassen und Kontrollpunkte, insbesondere an den strategisch wichtigen Höhenlagen des Hermon, von wo aus Südsyrien, die Golanhöhen und der Libanon überwacht werden können. So entstand faktisch eine israelische Sicherheitszone auf völkerrechtlich syrischem Gebiet. Die offiziell als vorläufig deklarierte Massnahme birgt allerdings schon jetzt den Keim eine Dauerhaftigkeit in sich.
Israel führte weiterhin Luftschläge gegen mutmassliche militärische Ziele in Syrien sowie Bodenpatrouillen im Süden durch und berief sich dabei auf die Abwehr von Waffenschmuggel, Raketen- und Drohnenkapazitäten sowie das Selbstverteidigungsrecht. Im Sommer 2025 verschärfte die prekäre Lage der Drusen in Südsyrien die Spannungen zusätzlich: Israel positionierte sich teilweise als deren Schutzmacht und geriet damit auch in den innerdrusischen Konflikt um al-Suwaida. Die Parteinahme reichte bis hin zu Luftangriffen auf Konvois der syrischen Regierungsarmee und auf Regierungsgebäude in Damaskus selbst. Dabei kooperierte Israel zeitweise mit Akteuren, die in Captagon- und Waffenschmuggel verwickelt waren. Damaskus wertete das Eingreifen als Einmischung in innere Angelegenheiten; auch die US-Regierung zeigte sich verärgert, weil das Vorgehen laufende Gespräche über ein Sicherheitsabkommen zwischen Israel und der Übergangsregierung gefährdete.
Die Türkei als zweiter Akteur
Die Türkei ist bereits seit 2016/17 militärisch in Nordsyrien präsent, ursprünglich gegen den Islamischen Staat und kurdische Kräfte (YPG/SDF), die Ankara als Ableger der PKK und damit als existenzielle Bedrohung betrachtet. Als rechtlicher Bezugspunkt dient das Adana-Abkommen von 1998, dessen Reichweite jedoch umstritten ist. Über drei Offensiven – Euphratschild (2016/17), Olivenzweig (2018) und Friedensquelle (2019) – entstand ein zusammenhängendes Kontrollgebiet von den Städten Afrin und Azaz im Westen bis zu einem rund 30 Kilometer tiefen Streifen im Nordosten; zeitweise waren dafür bis zu 20.000 türkische Soldaten in Syrien stationiert.
Nach 2024 wurde die Türkei zum wichtigsten ausländischen Unterstützer der neuen syrischen Führung: Sie bildete Soldaten aus, rüstete sie aus und half beim Aufbau einer zentral geführten Armee. Im Zuge dieser Annäherung übergab Ankara die zuvor besetzten Gebiete in Nord-Aleppo, Afrin sowie schliesslich auch Tell Abyad und Ras al-Ain schrittweise an die Kontrolle der Übergangsregierung. Aus einer Besatzungsmacht wurde, zumindest der Form nach, ein Ausbildungs- und Beratungspartner. Einige Tausend türkische Soldaten und einzelne Militärposten verbleiben jedoch weiterhin im Land. Die Türkei hat ein Interesse an einem stabilen Syrien, um Flüchtlingsbewegungen, kurdischen Einfluss und Grenzdestabilisierung zu vermeiden und ihre eigene Rolle im Wiederaufbau zu sichern.
Israel sieht darin hingegen die Gefahr, dass eine von der Türkei ausgerüstete syrische Armee langfristig zu einem neuen militärischen Machtfaktor wird. Die Sorge wächst, dass die Türkei Iran als externe Ordnungsmacht in Syrien ersetzen könnte, allerdings mit dem Unterschied, dass es sich bei Ankara nicht um einen international geächteten Akteur, sondern um ein Nato-Mitglied mit der zweitgrössten Armee des Bündnisses handelt.
Eskalation über Idlib
Der Angriff auf Abu al-Duhur im August 2026 markierte eine neue Phase. Am 18. August 2026 griff Israel den seit 2012 stillgelegten Militärflugplatz in der nordwestsyrischen Provinz Idlib an, nahe der türkischen Einflusssphäre. Getroffen wurden Landebahn und Lagereinrichtungen; Opfer wurden zunächst keine gemeldet. Israel begründete den Schlag damit, Damaskus sei im Begriff gewesen, dort die Stationierung türkischer Truppen zuzulassen.
Die verbale Eskalation folgte auf dem Fuss: Verteidigungsminister Israel Katz warnte Präsident Erdoğan öffentlich auf X – auf Hebräisch und Türkisch –, dieser ziehe die Türkei in „gefährliche Abenteuer in Syrien"; Israel werde niemandem erlauben, seine Sicherheit zu bedrohen. Ministerpräsident Netanjahu erklärte in einem Video, Israel dulde keine türkische Militärpräsenz, die weiter nach Süden reiche; man habe Ankara eine entsprechende Botschaft übermittelt und nun „dafür gesorgt, dass sie besser verstanden wurde".
US-Gesandter: „Unnötige Eskalation“
Ankara und Damaskus wiesen die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums erklärte, vor oder während des Angriffs habe sich keine türkische Militärabordnung auf dem Stützpunkt befunden; die israelischen Vorwürfe zielten darauf ab, Stabilität und Einheit Syriens zu untergraben. Syriens Aussenminister As‘ad al-Shaibani erklärte gegenüber dem US-Portal Axios, es gebe keine Pläne für einen türkischen Stützpunkt in Abu al-Duhur; türkische Offiziere hätten die Anlage zwar kurz zuvor besucht, dies sei jedoch Teil einer laufenden militärischen Ausbildungskooperation gewesen, vergleichbar mit ähnlichen Vereinbarungen mit Saudi-Arabien, Jordanien, Katar und Russland. Bemerkenswert ist, dass al-Shaibani das Thema der türkischen Militäraktivitäten bereits am 14. August in einem seltenen Telefonat mit dem Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Roman Gofman, erörtert hatte. Gedeutet wird dies als ein Hinweis darauf, dass zwischen Israel und Damaskus durchaus direkte, wenn auch informelle Kommunikationskanäle bestehen.
Aus Washington kam Kritik an Israels Vorgehen: Der US-Sondergesandte Tom Barrack bezeichnete den Angriff als „unnötige Eskalation", die der regionalen Stabilität nicht diene. Die USA arbeiten nach eigenen Angaben an einem Mechanismus zur Konfliktvermeidung zwischen Israel, der Türkei und Syrien; laut US-Botschafter Mike Huckabee sei ein „Deeskalationsprozess" im Aufbau, ein unmittelbares Risiko einer direkten israelisch-türkischen Konfrontation sehe man jedoch nicht.
Sicherheitsinteresse gegen Souveränität
Der Kernkonflikt beruht auf zwei antagonistischen Logiken. Israel argumentiert präventiv und sicherheitspolitisch: Gefahren sollen möglichst früh beseitigt werden, notfalls, wie die gestaffelten Operationsgebiete zeigen, Hunderte Kilometer von der eigenen Grenze entfernt. Syrien und die Türkei berufen sich dagegen auf staatliche Souveränität: Damaskus soll selbst über seine Partner beim Armeeaufbau entscheiden, und Ankara sieht seine Präsenz als Reaktion auf eigene Sicherheitsprobleme, nicht als Vorbereitung für einen Angriff auf Israel.
Rechtlich steht Israels Position dabei auf schwachem Fundament: Das Abkommen vom 31. Mai 1974, das nach dem Jom-Kippur-Krieg die von der UNDOF überwachte Entflechtungszone auf dem Golan festlegte, ist zwar kein Friedensvertrag, bindet aber – anders als Israel seit Assads Sturz argumentiert – weiterhin den Staat Syrien, nicht nur dessen frühere Regierung. Damaskus kann sich daher grundsätzlich frei entscheiden, mit wem es militärisch kooperiert; entscheidend wären allenfalls Standort, Auftrag und Bewaffnung türkischer Kräfte, nicht ihre blosse Anwesenheit. Der Zusammenbruch des alten Staatsapparats hat diese Rechtslage freilich ausgehöhlt, ohne dass bislang ein neuer, von allen Seiten anerkannter Rahmen an ihre Stelle getreten wäre.
Kaum Platz für eine dritte Partei
Beide Positionen haben einen berechtigten Kern: Syrien darf nicht zur Plattform für iranische Milizen oder Angriffe auf Israel werden. Doch daraus erwächst kein dauerhaftes israelisches Bestimmungsrecht über die syrische Militär- und Aussenpolitik. Ebenso wäre eine unbegrenzte türkische Militärpräsenz mit Drohnen, Luftabwehr und schweren Waffen destabilisierend und könnte weitere israelische Präventivschläge provozieren. Ein sich selbst verstärkender Eskalationskreislauf entstünde.
Und doch: Israel und die Türkei haben nun beide einen Fuss in der Tür zur nördlichen Levante. Das Interesse der Türkei und Israels sind gewissermassen aus demselben Holz geschnitzt: Absicherung der eigenen Peripherie durch vorgelagerte Kontrolle, Verhinderung eines Machtvakuums, Ausbau von Einfluss unter dem Deckmantel der Stabilisierung. Gerade deshalb sind sie entschieden antagonistisch. Zwei strukturell ähnliche Sicherheitsdoktrinen treffen im selben Raum aufeinander und lassen kaum Platz für die dritte Partei, um die es eigentlich gehen sollte: Syrien selbst.
Innenpolitik als Treibstoff des Hegemonialstreits
Die innenpolitischen Dimensionen dieses regionalen Hegemonialstreits – in Syrien wie in der Türkei und in Israel – seien hier nur summarisch angesprochen. Israels Opposition argwöhnt, Netanjahu halte den Konflikt bewusst am Köcheln, um ein neues Sicherheitsthema zu definieren und in den Wahlkampf einzubringen: Der Streit mit der Türkei, der kaum in eine reale Eskalation münden dürfte, eignet sich vorzüglich dazu, die sicherheitspolitische Frage zum zentralen Wahlkampfthema zu machen. Erdoğan verfährt seit Langem nach ähnlichem Muster, um seine Macht und die seiner Klientel abzusichern. Sicherheit wird so beiderseits zum ideologisch aufgeladenen Politikum.
Und al-Sharaa? Er ringt um die Legitimität seiner Macht. Seine Ausrichtung am politischen und ideologischen Modell der Türkei könnte ihm regional zwar Rückhalt sichern, zugleich aber sein Regime – aufgrund von dessen Zentralismus – weiter von den Rändern des Landes entfremden. Eine politische Renaissance alawitischer Geltungsansprüche ist dabei nicht auszuschliessen. Daraus könnte al-Sharaa seinerseits ein Sicherheitsinteresse konstruieren, das ihn dazu berechtigte, bewaffnete Verbände der alten alawitischen Baath-Eliten im Osten des Bekaa-Tals anzugreifen – ein Schritt, der Syrien sogar in einen Krieg gegen die Hizbullah hineinziehen könnte. Genau dieses Szenario ist derzeit Gegenstand heftiger iranischer Polemik gegen Damaskus. Manche argwöhnen daher, dass auch Syrien selbst zu einem Akteur im Konzert des regionalen Hegemonialstreits wird – nicht nur zu dessen Schauplatz.
Von der Eskalation zur Regelung?
Israels Militäraktionen in Syrien haben seit dem Ende der Assad-Herrschaft eine neue Qualität erreicht. Aus der Bekämpfung iranischer und Hizbullah-naher Strukturen ist eine umfassende, gestaffelte Sicherheitsarchitektur geworden, die von der unmittelbaren Grenzzone bis in einen potenziellen Kriegsradius von 1.500 Kilometern reicht und dabei auch die syrische Armee, die Kontrolle des Südens und – neuerdings – den türkischen Einfluss betrifft. Der Angriff auf Abu al-Duhur zeigt, dass Israel inzwischen auch Verschiebungen der regionalen Machtbalance militärisch zu verhindern sucht, nicht nur konkrete Bedrohungen.
Syrien ist damit zum Schauplatz eines Dreiecksverhältnisses geworden. Israel will neue militärische Fähigkeiten nahe seiner Grenze verhindern, die Türkei will ihren Einfluss sichern und die syrische Armee aufbauen, und Damaskus ringt um staatliche Kontrolle und Souveränität. Das Abkommen von 1974 bleibt dabei ein rechtlicher Bezugspunkt, ist als politisches Regelwerk für diese neue Konstellation aber unzureichend.
Der Angriff auf Abu al-Duhur war ein Warnsignal: Solange alle Beteiligten ihre Sicherheitsinteressen einseitig durchsetzen wollen, bleibt die Gefahr einer direkten Konfrontation bestehen. Erst wenn militärische Abschreckung durch überprüfbare Vereinbarungen ersetzt wird, kann eine neue Sicherheitsordnung entstehen – eine, die nicht länger von gestaffelten Operationsgebieten und konkurrierenden Hegemonieansprüchen zweier Regionalmächte bestimmt wird, sondern von der Souveränität jenes Landes, um dessen Gebiet es eigentlich geht.