Flutkatastrophe in Nepal: Eine Frau tröstet ihre Verwandte. Sie warten auf Nachrichten von vermissten Familienmitgliedern, nachdem die Sturzflut das Tal des Trishuli Flusses im nepalesischen Nuwakot Distrikt verwüstet hat. Die Zahlen der Todesopfer und Vermissten steigen rasch. Sie könnten in die Tausende gehen.
Die US-Erdbebenwarte hatte zunächst ein Erdbeben der Stärke 4,4 rund 66 Kilometer nördlich von Kathmandu gemeldet. Später korrigierte sie, es habe sich um einen Gletscherabbruch gehandelt, der eine Flutwelle ausgelöst habe. Ein Erdbeben habe es nicht gegeben. Klimaexperten des International Centre for Integrated Mountain Development gehen davon aus, dass eine Eis- und Gerölllawine von einem Gletscher die Sturzflut auslöste. Der Gletscher- und Felsabbruch staute den Fluss im Tal, bis schliesslich der Damm brach und die riesige Sturzflut talwärts rauschte.
Nach Berichten der Zeitung «The Kathmandu Post» richteten die Wasser- und Schlammmassen grosse Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastrukturen an. Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie Häuser, Wasserkraftanlagen und Strassen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet oder völlig weggerissen wurden.
Regierungssprecher Sasmit Pokharel sagte: «Wir haben sowohl Indien als auch China um Unterstützung bei den Rettungsarbeiten gebeten.» Regierungschef Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmassnahmen an. Besonders schwer betroffen war auch der Bezirk Rasuwa. Wassermassen haben dort die wichtige Nepal-China-Freundschaftsbrücke bei Rasuwagadhi fortgerissen und den Grenzverkehr lahmgelegt. Neben der Brücke wurden im Zollbereich geparkte Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen.
Die Katastrophengebiete sind schwer zugänglich. Elektrizitätsversorgung und Kommunikationsnetze sind unterbrochen. Dies und die Gefahr sekundärer Sturzfluten durch plötzliches Wegschwemmen von Hindernissen in den Flüssen erschwert die Rettungsarbeiten.