Betty Bossy für die Nationalbank.

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Betty Bossy für die Nationalbank.

Von Markus Schärli, 29.04.2013

Die Schweizerische Nationalbank jammert und klagt, weil deren Entscheidungsträger befürchten, durch die Goldinitiative in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt zu werden.

Dabei bleibt die Frage auf der Strecke, ob sie ihre Handlungsfreiheit sinnvoll nutzt und ob sie überhaupt Rezepte hat, um die Währungsprobleme zu meistern.

Die Aussagen von Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Nationalbank, zur Goldinitiative sind heisse Luft. „Unsere Handlungsfähigkeit würde sehr stark eingeschränkt“, die Vorschrift, zwanzig Prozent der Währungsreserven in Gold zu halten würde „die Auftragserfüllung sehr stark erschweren“ usw.

Das Roulette

Als einziger „Beweis“ für diese Behauptungen wird angeführt, der Frankenkurs von 1.20 hätte unter diesen Bedingungen nicht verteidigt werden können. Nun steht immer noch in den Sternen, ob diese Handlung der Schweizerischen Nationalbank eine Erfolgsgeschichte sein wird. Denn es ist aus ökonomischer Sicht keineswegs erwiesen, dass durch das unlimitierte Anhäufen einer fremden Währung in Schieflage (EUR) nicht die Währungsstabilität der eigenen Währung (CHF) aufs Spiel gesetzt wird. Es ist reines Roulette!

Damit sei noch nichts zur Goldinitiative der SVP gesagt, aber die SNB muss sich nicht wundern, wenn ihre undurchsichtige, risikoreiche Währungspolitik Politiker mit ebenso einfachen Rezepten auf den Plan ruft. Immer wieder erscheinen Artikel von Ökonomen, welche die Politik der Nationalbank verteidigen.

Was, wenn der Euro stark abwertet?

Man liest diese mit Spannung und hofft, endlich auf den ökonomischen Grund für diese positive Beurteilung zu stossen. Jedes Mal Fehlanzeige. Dasselbe im Gespräch mit renommierten Wirtschaftspolitikern. Am Schluss ein Wort der Hoffnung, es möge doch bitte gut kommen – ohne Begründung für den frommen Wunsch.

Niemand will sich den Bad Case vorstellen, dessen Eintreffens-Wahrscheinlichkeit eher hoch liegen dürfte. Der Bad Case trifft dann ein, wenn sich der Euro über die nächsten 10 Jahre gegenüber dem Schweizer Franken um 30 Prozent abwertet. Eine nicht völlig unwahrscheinliche Prognose.

Was tut die SNB dann? Was macht Sie dann mit den angehäuften Euro? Mit den Unmengen an Schweizer Franken, welche sie in Umlauf gesetzt hat? Das würde man gerne hören von einem Präsidenten des Direktoriums der Nationalbank.

Wie aussteigen?

Stattdessen Gejammer oder fromme Sprüche von Ökonomen. Als Beispiel ein typischer Schluss-Satz eines solchen Artikels. Er stammt von Rudolf Strahm (Unternehmer Zeitung Nr. 9/2012 vom 23.8.2012) „Gewiss, es gibt Risiken bei der Anlagepolitik und Geldmengenexpansion der SNB. Aber die Risiken des Nichtstuns sind hundert mal grösser!“ Tut mir leid, Rudolf Strahm. Genauso heisse Luft wie die von Thomas Jordan! Wie kommt man darauf, dass die Risiken 100mal grösser sind? So etwas würde man gerne mal lesen und bewiesen haben.

Nur einmal würde man gerne von einem seriösen Ökonomen oder von einem Verantwortlichen der Nationalbank hören, wie sie sich den Ausstieg bei einem sinkenden Eurokurs vorstellen.

Das Rezept in ein paar einfachen, allgemein verständlichen Sätzen. Vielleicht gäbe es dann auch keine Volksinitiativen mit einfachen Rezepten mehr. Im Moment vermittelt die Nationalbank allerdings den tragischen Eindruck, gar kein Ausstiegsrezept zu haben. En Guete!

Kommentare

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Dummes Zeug. Da will ein Austeritätsfanantiker erst den theoretischen Nachweis der Tauglichkeit einer Politik sehen, bevor er erwägt, sie allenfalls gutzuheissen. Dabei agiert die SNB in der real existierenden Wirklichkeit ebenso wie Zenhtausende von Werktätigen, deren Job wohl schon abgeschafft wäre, würde nicht eine Wechselkursuntergrenze bestehen. Im wahren Leben muss man manchmal handeln, nicht zaudern. Denn, wie schon Gorbatschow sagt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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