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Wohnungsnot

Zuwanderung ist nur ein Grund

5. April 2026
Christoph Zollinger
Christoph Zollinger
Wohnungskrise
Demonstration gegen die Wohnungskrise im April 2025 in Zürich (Keystone/Ennio Leanza)

Wenn sich immer mehr Schweizerinnen und Schweizer über die steigende Wohnungsnot beklagen, darf dabei nicht vergessen gehen, welches die Ursachen sind.

Die konstant hohe Zuwanderung steht im Vordergrund. Wer die Nettozuwanderung analysiert, stellt fest, dass davon mindestens drei Viertel auf das Konto Herkunft Europa gehen (2023, ohne Ukraine) – wer deswegen die neuen Verträge mit der EU (Bilaterale III) ablehnt, macht es sich zu einfach. Wir selbst holen diese Menschen; die hohe inländische Nachfrage nach Arbeitskräften ist der Auslöser. Als direkte Folge dieser Situation entsteht ein Teil der Wohnungsnot. Was können wir selbst zur Minderung dieses anerkannten, grossen Problems beisteuern?

Der Staat ist gefordert

Wer ist der Staat? Wer jetzt antwortet, die Politik, macht es sich schon wieder etwas einfach. Natürlich meinen wir zuerst die «Staatsdiener», also Politikerinnen, Politiker, Staatsangestellte. Doch wir alle, die erwachsenen Mitglieder der Gesellschaft, könn(t)en dazu beitragen, dass sich die Situation längerfristig verbessert und unser «Personalhunger» abflaut.
Hier einige Vorschläge:

  • Bis 70 arbeiten (wer will und befähigt ist), auf Frühpensionierung mit 50/55/60 verzichten*,
  • Erhöhung des AHV-Rentenalters (schon mal auf 66),
  • Freiwillige Erhöhung unseres Teilzeitarbeitseinsatzes (z. B. von 50 auf 60 Prozent),
  • Zeitgemässere Lebensarbeitszeit*,
  • Scheidungsrate verkleinern (unerhörter Vorschlag),
  • Produktivitätssteigerung in den wirtschaftlichen und öffentlichen Sektoren,
  • Abbau schädlicher Subventionen in der Landwirtschaft und im Tourismus (führt zu Redimensionierungen),
  • Reduktion von Standort- und Tourismusförderung, vor allem dort, wo heute ein Nachfrageüberhang besteht.

*Berücksichtigung der Entwicklung der Lebenserwartung von 1950 bis 2024: Frauen von ca. 71 auf über 85 Jahre, Männer von ca. 66 auf über 82 Jahre.

Nachfrageminderung = Mobilitätsgewohnheitsänderung

Gar nicht populär scheinen im Moment Aufrufe zur Reduktion des persönlichen Mobilitätsbedarfs zu sein. Neue Rekorde im privaten Flugverkehr rufen nach Kapazitätsausweitung. Die grosse Verkehrsnachfrage (Auto, ÖV) bedingt laufend Aufstockung personeller und materieller Ressourcen und verlangt vom Baugewerbe zusätzliche Personaleinstellungen für den Ausbau der Infrastrukturen. Warum nicht entsprechende Abgaben erhöhen und überholte Subventionen streichen?

So darf es nicht weitergehen

Wir alle wissen es: Zuwanderung ruft weitere Zuwanderung nach sich. Im bisherigen Tempo darf dieses Perpetuum mobile nicht weiter geduldet werden. Einer Schätzung des Vereins Zivilgesellschaft zufolge liegt das erträgliche Mass dieser Zuwanderung bei 30’000 bis 40’000 Personen pro Jahr (Tages-Anzeiger).

Unsere Unternehmen sind gefordert. Administrative Einsparungen dank KI sollten dazu führen, dass weniger Fachkräfte aus dem Ausland benötigt werden. Doch auch unsere kommunalen, kantonalen und eidgenössischen Arbeitgeber (Administrationen!) müssen umdenken: Personalwachstum allein ist kein Qualitätsausweis, im Gegenteil. Der immer wieder gehörte Ruf «dazu brauchen wir mehr Personal» ist veraltetes Denken. Heute gilt: Was müssen wir verändern, um neue Aufgaben mit aktuellem Personalbestand zu lösen?

Ehrlicherweise haben wir alle es in der Hand, die akute Wohnungsnot zu mindern.

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