«Sie sind weder zu einem Waffenstillstand noch zu einem Dialog fähig. Mit dem Angriff auf den Libanon haben sie gezeigt, dass sie nur die Sprache der Macht verstehen.» Dieser kurze Tweet sagt viel aus – nicht nur über den Stand und die Substanz der Verhandlungen, sondern auch über die eigentlichen Verhandler.
Verfasst hat ihn Mohammad Qalibaf, der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer. Auch der Zeitpunkt ist aufschlussreich: Qalibaf veröffentlichte diese Zeilen unmittelbar nach dem gestrigen israelischen Luftangriff auf einen Vorort von Beirut, die politische und soziale Hochburg der Hisbollah.
Auf den Tweet folgte eine Salve iranischer Raketen, die jedoch allesamt von Israels Luftabwehr abgefangen wurden. Dann kam die israelische Antwort – so, wie sie erwartet, befürchtet, aber auch kalkuliert worden war. Die israelische Luftwaffe habe «militärische Ziele des iranischen Terrorregimes im Westen und im Zentrum Irans angegriffen», erklärte die israelische Armee in der Nacht zu Montag über den Onlinedienst Telegram.
Die Revolutionsgarden als Sachwalter
Das iranische Staatsfernsehen, in dem nahezu ununterbrochen die Gegner jeglicher Verständigung mit den USA auftreten, berichtete daraufhin von Explosionen in Teheran, Täbris, Isfahan und weiteren Orten im Westen des Landes. Der Luftraum rund um den internationalen Flughafen von Teheran sei geschlossen worden. «Der zionistische Feind wird die Folgen seiner Taten spüren», zitierte das Staatsfernsehen die Führung der Revolutionsgarden.
Der erneute, wenn auch bislang noch begrenzte militärische Schlagabtausch zwischen Iran und Israel macht eines deutlich: Die Revolutionsgarden in Teheran wollen und werden als eine Art Sachwalter oder Bevollmächtigte Libanons auftreten. Sie können und werden ihren wichtigsten Verbündeten, die Hisbollah, nicht alleinlassen.
Für die Hisbollah war die Tötung Khameneis eine rote Linie. Deshalb begann sie ihren letzten Krieg gegen Israel. Nun sind die Revolutionsgarden in Teheran am Zug. Sie betrachten Dahiyeh, den Vorort von Beirut, als ihre eigene rote Linie.
Und Netanjahu?
Er ist der Abwesende, der offenbar präsenter ist als alle anderen Verhandler.
«Über Libanon wird mit Iran nicht verhandelt», sagt Donald Trump immer wieder. «Über Libanon darf nicht mit Iran verhandelt werden», erklären unisono der libanesische Präsident Aun und Israels Ministerpräsident Netanjahu.
Die Verhandlungen steckten in einer Sackgasse, sagen einige Experten. Man sei dagegen schon sehr weit gekommen, behauptet Donald Trump.
Keine gute Botschaft
Was auch immer zutrifft: Gestern Nachmittag traf der pakistanische Innenminister in Teheran ein, um eine sehr wichtige Botschaft der USA an den neuen Führer der Islamischen Republik, Mojtaba Khamenei, zu übermitteln, wie Nachrichtenagenturen meldeten. Als es kurz darauf zu neuen Eskalationen zwischen Teheran und Israel kam, kommentierten einige iranische Webseiten trocken:
Es war offenbar keine gute Botschaft.