William Walton (1902–1983) stammte aus einer Musikerfamilie. Die Tonsprache seiner Werke war neoromantisch, was sich auch in seinen erfolgreichen Instrumentalwerken wie etwa in seinem Bratschen-Konzert zeigt. Das Chorwerk mit Orchester, mit dem wir uns hier beschäftigen, erklang zum ersten Mal beim Leeds-Festival 1931 und war sehr erfolgreich.
Darauf begann Waltons Weltkarriere, etwa mit seinem Violinkonzert, das er im Auftrag von Jascha Heifetz 1939 komponierte. Dem folgte ein Auftrag des Cellisten Gregor Piatigorski. 1948 heiratete Walton die junge Argentinierin Susana Gil. Walton zog mit ihr nach Ischia, wo er auch starb. Dort entstanden weitere Werke, wie Sinfonien, Opern, etwa «Der Bär», frei nach Tschechow. 1967 erhob Königin Elisabeth II. Walton in den Adelsstand.
Das Werk, mit dem wir uns hier beschäftigen, ist für Bariton, Chor und Orchester geschrieben. Ein Chor beginnt: «Also sprach Jesaja». Man solle heulen und jammern, denn wie könne man fröhlich sein in einem Land der Gefangenschaft? Der Solist pflichtet bei: Die Rückkehr nach Jerusalem sei der einzige Grund, aus dem man im Exil nicht verzweifle. In Babylon habe der König ein grosses Gastmahl veranstaltet. Man solle musizieren und fröhlich sein. Doch da erscheint die Schrift an der Wand: «Mene mene Tekel, gewogen wurdest du und zu leicht gefunden.» Der Bericht geht weiter, dass der König noch in dieser Nacht getötet wurde und dass sein Reich geteilt wurde. Jetzt jubelt der Chor: «Die grosse Stadt Babylon ist gefallen, halleluja!»
Ich empfehle die Aufnahme mit Bryn Terfel, dem BBC Symphony Orchestra and Chorus unter der Leitung von Sir Andrew Davis, erschienen 2002 bei Warner Classics.