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Khameneis bevorstehnde Beerdigung

«So gigantisch wie die Französische Revolution»

2. Juli 2026
Ali Sadrzadeh
Plakat mit den geistlichen Revolutionsführern in Teheran
Plakat in Teheran: Der Ende Februar getötete iranische Revolutionsführer Ali Khamenei gibt die Fahne der Revolution an seinen Sohn Mojtaba weiter. Ab Samstag sollen hier Millionen von Iranern Abschied nehmen vom Revolutionsführer. Ob sein Sohn zu sehen sein wird, ist ungewiss. (Foto: Keystone/EPA/ABEDIN TAHERKENAREH)

Die Phantasie kennt bekanntlich keine Grenze. Die iranischen Machthaber planen die grösste Trauerfeier der menschlichen Geschichte für den getöteten Revolutionsführer Ali Khamenei. Die sprachliche Gigantomanie für das kommende Ereignis nähert sich der Unendlichkeit.

Mit dieser Trauerfeier werde man der Weltordnung die Dimensionen eines Zivilisationsmanifests präsentieren, schreibt Vahid Jalil, der Propagandaphilosoph der islamischen Republik. Seit Wochen bereiten sich alle Institutionen dieser «Republik» für einen Leichenzug vor, der so gigantisch werden soll, dass die Welt «in kommenden Jahrhunderten davon als ein Epochenereignis» spricht, sprechen muss, schreibt Jalili weiter. Jalil gilt als Kopf des staatlichen Funks und Fernsehens. Sein Bruder Said hält sich für den Chef einer Schattenregierung. 

Zwanzig Millionen Menschen am Gebetsplatz in Teheran?

Dabei gibt es ernsthafter Zweifel, ob von Ali Khamenei, den man am kommenden Donnerstag in seiner heiligen Heimatstadt Maschhad beerdigen will, überhaupt eine Leiche existiert. 

Das mehrmalige israelisch-amerikanische Bombardement auf seine Residenz im Zentrum Teherans war so heftig, dass viele Experten damals von Pulverisierung dessen sprachen, was sich in dieser verzweigten, untertunnelten, riesigen Anlage bewegte. Das war am 28. Februar und bis zur Stunde gibt es keine seriöse Quelle oder Bilder über die Bergung von Khameneis Leichnam. Von KI produzierte Bilder und Fälschungen gibt es viele in den sozialen Netzwerken und sie zeigen Khamenei in natürlicher Haltung, lachend, mit Brille und Rettungshelm.

Doch angesichts der Dimensionen der bevorstehenden Massenansammlung sind solche Zweifel ebenso zweitrangig wie die religiöse Tradition bzw. Vorschrift, dass die Leiche eines Moslems spätesten drei Tage nach seinem Todeseintritt beerdigt werden soll.

Auf einem grossen Teheraner Gebetsplatz wird am 4. Juli der Sarg auf einer erhöhten Plattform aufgestellt, das Bild der Kaaba in Mekka soll dazu assoziiert werden. Zwei Tage lang werden Menschenmassen – man spricht von mindestens 20 Millionen – um die Leiche Khameneis kreisen, sich von ihm verabschieden. 

Der Sarg wird von Teheran nach Quom überführt

Diese Zeremonie läuft am Samstag und Sonntag im Komplex des «Gebetsplatzes» von Teheran; die Basij, die Organisation der Paramilitärs, ist für die logistischen Vorkehrungen zuständig. Die Autobahnen Teherans werden in provisorische Parkplätze umgewandelt, Trauernde werden in Moscheen, Schulen, Sporthallen und Universitäten untergebracht.

Jeder der 22 Stadtbezirke Teherans soll Trauernde aus einer der 31 Provinzen des Landes aufnehmen, die Flüge werden gestrichen, für die Einfahrt in die Grossstädte gelten strenge Kontrollen.

Dann wird der Sarg in die Stadt Qom, das Zentrum der schiitischen Gelehrsamkeit gebracht, wo ebenfalls ein Leichenzug mit Millionen geplant ist. 

Beerdigung in Maschad

Auch die Schiiten im Nachbarland Irak sollen sich in den heiligen Städten Kerbala und Najafsich von Khamenei verabschieden, bevor sein Leichnam in seiner Stadt Maschhad ankommt, wo er am 9. Juli, begleitet von Millionen, beerdigt wird. 

Da, was diese «Republik» mit diesem Leichenzug vorhat, ist eine Machtdemonstration globalemn, historischen Ausmasses. Das Ereignis solle in der Geschichtsschreibung so eingehen wie die Französische Revolution, sagt Vizepräsident Mohammad Reza Aref, der seit Wochen einen Regierungsausschuss leitet, der die propagandistische Logistik führt. Mehrere hundert ausländische Journalisten erhielten für diese Tage Akkreditierung und bis zur Stunde hätten sich 40 Regierungs- und Staatschef angekündigt, sagt Regierungssprecherin Mohajerani; aus Moskau kommt der frühere Präsident Dmitri Medwedew.

Für diese Julitage erwarten Wetterexperten Temperaturen um die 40 Grad. Revolutionsgarden kommandieren die gesamte Zeremonie und sie wollen Trump, Netanjahu, den Gegnern im eigenen Land und allen, die je über einen Regime-Change nachgedacht haben, ihre Massenbasis vorführen. 

Auf den Höhenpunkten ihrer zahlreichen Krisen hat die Islamische Republik immer mit Machtdemonstration auf den Strassen reagiert und darin ist sie sehr geübt. Denn in ihren 47 Jahren lebte diese «Republik» ständig in unterschiedlichen Krisen und jedes Mal stellte sie ihre Macht mit Massendemonstrationen zur Schau.

Wird Mojtaba Khamenei präsent sein?

Khameneis Beerdigung soll sogar den legendären Empfang und Leichenzug für Khomeini übertreffen, in den Schatten stellen. Bei Khomeinis Beerdigung starben Dutzende Menschen. 

Sein Trauerzug fand ebenfalls in heissen Sommertagen statt, er artete aber in ein chaotisches Spektakel aus; die Menge entriss den Organisatoren die Kontrolle über die gesamte Zeremonie, der Leichnam ging fast verloren in der Menschenmenge, Teile seines Leichentuchs wurden zerrissen, und schliesslich war man gezwungen, ihn mit einem Hubschrauber zu transportieren.

Diesmal soll es ohne Tote zugehen. Die beiden Massenaufmärsche für den Empfang wie für die Beerdigung Khomeinis kündigten damals – vor bald einem halben Jahrhundert – die Entstehung dieser eigenartigen Republik, heute warten viele auf ihr baldiges Ende. «Dieses Warten ist ein vergebliches», das ist die klare Botschaft dieser Leichenfeier, die wahrscheinlich doch historisch sein wird.   

Doch die grösste aller Fragen wird sein, ob sein Sohn Mojtaba, der seit seiner Ernennung zum neuen Führer in Abwesenheit lebt und herrscht, auch am Grab seines Vaters erscheint oder ob er die Welt weiterhin mit allen Spekulationen über seine Existenz zurücklässt. 

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