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Glosse

Wiens Putin-Gala – im Rückblick peinlich

23. Juli 2014 , Wien,
Charles Ritterband
Im vergangenen Monat wurde Putin mit grossem Pomp in Wien empfangen. Nach der Flugzeugkatastrophe in der Ostukraine möchten das manche lieber in Vergessenheit geraten lassen.

Vor  einem Monat habe ich kritische Worte über den geradezu peinlich devoten Empfang für Wladimir Putin in Wien geäussert. Damals konnte man allerdings noch nicht wissen, dass die blosse Peinlichkeit, mit der das offizielle Österreich aus der internationalen Front ausscherte und den Krim-Annexionisten Putin mit schleimigem Charme hofierte, sich grossartig zu ostwestlichen „Brückenbauern“ erklärte, um so den eigenen Opportunismus notdürftig zu kaschieren, zu weit Schlimmerem werden sollte.

Erschütterndes Bild

Denn inzwischen ist, wie wir alle wissen, Schreckliches geschehen – und der ganze Schrecken konzentrierte sich für mich in einer einzigen Fotografie: Ein bulliger Angehöriger der ukrainischen Separatisten im Kampfanzug, seine automatische Waffe locker über dem linken Arm balancierend, hält mit der Rechten ein schwarzweißes Stofftier in die Höhe. Das Kinderspielzeug hat den Absturz der Boeing 777, Kurs MH17 der Malaysia Airlines, unversehrt überlebt – das Kind, das sein Spielzeug, wie wir uns denken können, während der Explosion der Maschine umklammerte, nicht.

Das verwaiste Kuscheltier steht für die 80 toten Kinder unter den insgesamt 298 getöteten Passagieren. Ein Bild, das jeden Menschen zu Tränen erschüttern muss – ausser einem, wie zu vermuten ist: Wladimir Putin, den KGB-gestählten, gnadenlos kalkulierenden Machtmenschen. Wenn die von ihm unterstützten ukrainischen Separatisten tatsächlich – was allgemein angenommen wird aber noch nicht bewiesen ist – die Lenkwaffe vom Typ BUK SA-11 auf die malaysische Passagiermaschine abgefeuert haben, so war dies weniger ein Versehen als vielmehr ein Massaker, verübt von verantwortungslosen Marodeuren, für deren mörderisches Tun letztlich einer die Verantwortung trägt: Wladimir Putin.

Schämt  man sich insgeheim?

Der österreichische Aussenminister Kurz tat ganz ordentlich seine Pflicht und forderte mit Nachdruck die lückenlose Aufklärung der Absturzursache, freien Zugang für Experten zur Absturzstelle, ordentliche Beerdingung der Opfer etc. Alles schön und gut. Währenddessen hält sich die übrige Bundesregierung wieder mit ihrem üblichen kleinkarierten Koalitions-Hickhack bei Laune. Der grossartige Putin-Besuch, der doch erst einen Monat zurückliegt, soll dabei möglichst rasch in Vergessenheit geraten. Stimmt: Die Medien sind inzwischen mit ganz anderem beschäftigt.

Aber es wäre ihnen zu wünschen, den Regierenden und Wirtschaftstreibenden dieser wohlhabenden, selbstzufriedenen Alpenrepublik, dass es sie nachträglich doch ein ganz klein wenig wurmt, den skrupellosen Autokraten Putin noch vor kurzem so überaus nett empfangen zu haben. Vielleicht, es wäre wahrhaft viel verlangt, schämt man sich sogar, insgeheim. Denn ein kleines bisserl machte man sich mitschuldig, mit jener harmlosen Nettigkeit, an der Tragödie in der Ostukraime.

(Dieser Text ist zuerst in den "Vorarlberger Nachrichten" erschienen)

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