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Wasserknappheit

Wiegen wir uns in falscher Sicherheit?

18. Januar 2026
Christoph Zollinger
Christoph Zollinger
Zervreila-Staudamm
Der Zervreila-Staudamm (Keystone/Gian Ehrenzeller)

Die Meinungen gehen weit auseinander. Hier jene, die abwinken: Mit zunehmenden Starkregenfällen wird es auch in Zukunft in der Schweiz genug Wasser geben. Dort die Warnenden: Wir müssen umdenken, eine Wasserknappheit droht.

Klaus Lanz, Gründer und Leiter des Instituts «international water affairs», erhebt den Warnfinger: Weltweit wird mehr Grundwasser ausgebeutet, als sich im gleichen Zeitraum erneuern kann. Die Gletscher sterben, darüber besteht kein Zweifel. Und die Erwärmung der Erde erleben wir hautnah – die Verdunstung nimmt entsprechend zu. Alles nicht so schlimm, finden die Entwarnenden, wir mit unseren Bergen, Gletschern und unserem Schnee – Wasser gab es immer im Überfluss!

Umdenken, bitte!

Darüber besteht Einigkeit: Unsere Gletscher schmelzen. Als Folge haben die Flüsse im Sommer weniger Wasser. Interessanterweise ist aber Gletscherwasser dabei nur für zwei Prozent – gegenüber 39 Prozent aus Schneeschmelze (gemessen im Rhein bei Basel, übers Jahr gemittelt) – verantwortlich. Somit sind Gletscher viel weniger wichtig als Schnee. Doch immer häufiger fällt in den Alpen der Niederschlag als Regen statt Schnee, mit der Konsequenz, dass im Sommer Schneeschmelzwasser rarer wird (Das Magazin).

Hinzu kommt, dass die Verdunstung zunimmt, auch Pflanzen brauchen bei wärmeren Temperaturen mehr Wasser. Im Unterschied zu früher entstehen dadurch längere Trockenzeiten. Auch wenn extreme Starkniederschläge gleichzeitig zunehmen, werden wir nicht mehr von «gemässigtem» Klima reden können. Doch wir haben noch kaum ein Bewusstsein für die Gefahren von Trockenheit, wir tun immer noch so, als hätten wir Wasser im Überfluss. Es ist wichtig, dass wir in der Schweiz ein grundsätzliches Umdenken zulassen – als Reaktion darauf, dass wir in eine «mittelitalienische» Klimazone wandern. Weitermachen wir bisher wird nicht mehr gehen.

Der Pestizideinsatz in unserer Landwirtschaft

Statt der derzeitigen Entwicklung hin zu wasserintensiven Obst- und Gemüsekulturen sollten wir auf resiliente Kulturen setzen. Das hiesse zum Beispiel, mehr Bäume zu setzen, da sie mithelfen, die Böden feucht zu halten. Hilfreich wäre es zudem, weniger zu pflügen, um Humus aufzubauen. Nützlich ist auch eine bewusste Fruchtfolge – zum Beispiel durch den Anbau von Hülsenfrüchten. Dies ist nur über mehrere Jahre erreichbar, wozu eine entsprechende landwirtschaftliche Ausbildung sinnvoll wäre.

In diesen Bereich gehören auch die Pestizidgrenzwerte. Der Gewässerschutz (sauberes Trinkwasser!) verlangt gebieterisch nach einer Verschärfung, die auch für die Abwasserreinigungsanlagen gilt. Die neuen, verschärften Grenzwerte tragen dem Rechnung – mit einer Ausnahme: Ausgerechnet in der Landwirtschaft lockert Bundesrat Albert Rösti die Regeln. Neu sollen die Ausnahmebewilligungen der Abwasserentsorgung von Bauernhöfen auf Betriebe mit vielen Schafen, Pferden oder viel Geflügel ausgeweitet werden (Tages-Anzeiger). Das Anliegen – die entsprechende Motion – war von SVP-Ständerat Salzmann eingebracht worden und Bundesrat Rösti (SVP) kommt seiner Partei gerne entgegen …

Unsere Trinkwasserversorgung ist gefährdet 

Grundwasser wird im Zusammenhang mit dem Klimawandel immer wichtiger. Es müsste deshalb systematisch geschützt werden, was wir immer noch nicht tun. Wir alle wissen es: Unser Grundwasser ist durch die Verschmutzung – hauptsächlich Nitrat aus der landwirtschaftlichen Gülle sowie Pestizide und deren Abbauprodukte – zum Teil nicht mehr verwendbar (in den letzten Jahren wurden fünf Trinkwasserfassungen stillgelegt und wegen der überdimensionierten Viehwirtschaft müssen vier Seen künstlich belüftet werden). 

Der Chemiker Klaus Lanz bemängelt die Situation seitens des Gesetzgebers in der Schweiz. Es fehlt an einem durchdachten Vorgehen, einer nationalen Wasserstrategie. Während unser Wasserspeicher als Folge des Klimawandels mehr und mehr verlorengeht, kümmern wir uns nicht um dieses bedrohliche Szenario. Wir wissen nicht einmal, wie viel Wasser die Schweiz verbraucht.

Die fragwürdige Rolle unserer Landwirtschaft

Lanz: «Unsere Wirtschaftsweise ist unfassbar ineffizient und zerstörerisch.» (Das Magazin). Wir verbrauchen in der Schweiz 60 Prozent des Ackerlandes für Tierfutter, mit der Folge, dass wir zu viel Fleisch und Milch produzieren. Stattdessen könnten wir mehr Getreide oder Hülsenfrüchte anbauen (zeitgemässer Ernährungstrend: Haferdrink als Ersatz für Milch), um so gleichzeitig der immer wieder durch den Bauernverband publizierten Ernährungssicherheit Rechnung zu tragen! 

Worauf warten wir? Nach wie vor liefert das Fernsehen laufend Reklamespots des Bauernverbandes: «Fleisch, natürlich aus der Schweiz!» Wir Steuerzahlenden berappen diese Werbung und bezahlen mit Millionen Subventionen durch Steuergelder dazu noch die Überproduktion.

Umdenken, weil eine Wasserknappheit droht? Umdenken gleichzeitig, weil unsere Landwirtschaftspolitik im letzten Jahrhundert steckengeblieben ist? Beides hängt stark miteinander zusammen. 

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