Seit Zwei Tagen ist Ahmad Vahidi der höchste Kommandant der Revolutionsgarden. Der Siebzigjährige folgt Mohammad Pakpour, der am Tag zuvor bei einem gezielten israelischen Luftangriff getötet wurde. Vahidi ist seit langem auf der Todesliste Israels. Die Lebensgeschichte dieses Mannes macht es verständlich und fassbar, warum heute im Nahost ein Krieg tobt, der diese Region erheblich verändern könnte. Er verkörpert den wahnhaften Israelhass von Ali Khamenei.
Als er 1957 in Schiraz, im Süden Irans zur Welt kommt, heisst er Schah-cheraghi, benannt nach dem grossen Heiligen, einem Reisenden aus Irak, der seit fast 1200 Jahren in seiner Stadt ruht. Beim Revolutionssieg im Jahre 1979 hatte er gerade die Oberschule beendet, schliesst sich sofort dem Sicherheitskomitee der Stadt an, wird zum mächtigen bekannten Jugendführer der Stadt. Von nun an tauft er sich in Vahidi um. Im achtjährigen Krieg mit dem Irak ist er sichtlich präsent, steigt sogar zum Feldkommandeur auf.
Schlüsselfigur der Revolutionsgarden für Auslandsoperationen
Nach diesem sieglosen Krieg mit dem Irak, der fast eine Millionen Tote auf beiden Seiten verursachte, liess er sich wie alle Kommandanten der Garde wie Helden feiern. Kurz nach dem Kriegsende wird Ali Khamenei zum neuen Führer der «Republik» gewählt. Eine seiner ersten, wahrscheinlich folgenschwersten Entscheidung war die Gründung der sog. Qods- Brigaden innerhalb der Revolutionsgarden. Wenn man für den laufenden Krieg einen Nukleus suchen wollte, ist es zweifellos die Entstehung dieser Einheit Innerhalb der Revolutionsgarden. Sie war für Auslandseinsätze konzipiert. Und Vahidi ist ihr erster Kommandant, er bleibt bis 1997 in dieser Position.
So wird Vahidi zu den Schlüsselfiguren der Garde für Auslandsoperationen, beteiligt sich im Bosnienkrieg, übernimmt die Koordinierung der antiisraelischen Aktivitäten rund um den Globus. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildet die Zusammenarbeit mit der libanesischen Hizbollah, die verlässlichste Partnerin Teherans. Als am 14. Juli 1994 ein heftiger Bombenanschlag das jüdische Gemeindeszentrum von Buenos Aires erschüttert, ist Vahidi offenbar der Hauptakteur. 85 Menschen kommen ums Leben, 300 werden zum Teil schwer verletzt, 400 Häuser mit Wohnungen bzw. Geschäfte in der in Umgebung werden zerstört.
Für den israelischen ebenso wie für die westlichen Geheimdienste scheint festzustehen, Vahidi ist derjenige, der diesen schweren Bombenanschlag geplant, finanziert und ausgeführt hatte oder ausführen liess. Die argentinischen Ermittler lassen ihn über Interpol zur Fahndung ausschreiben. Ob er auch persönlich vor Ort war oder nur die Verbündeten von Hizbollah ist ungeklärt. Sein Name bleibt mit einem der grossen Terrorakte des 20. Jahrhunderts verbunden. Doch trotzdem oder gerade deshalb steigt er im Sicherheitsapparat auf, wird Verteidigungs- und Innenminister.
Nach seiner Nominierung zum Innenminister kritisiert die argentinische Regierung diese Personalentscheidung sehr scharf. «Vahidis Nominierung stellt einen Affront gegen die argentinische Justiz und die Opfer des brutalen Terroranschlags auf das jüdische Zentrum Amia dar», so das argentinische Aussenministerium.
Luftangriffe gegen arabische Golfstaaten
Er war während der «Frau, Leben, Freiheit»-Bewegung im Iran die Schlüsselfigur der Repression, gehörte immer zu den vehementen Befürwortern des Kopftuchzwangs. Sein Geheimdienst schickte allen Frauen, die mit lockerer Kopfbedeckung aufgefallen waren, SMS-Drohungen; und als Minister rechtfertigte er es öffentlich: «Wer unangemessene Kleidung oder keinen Hidschab trägt, erhält zunächst eine Verwarnung, dann kommt die Bestrafung. Die Einhaltung des Kopftuchzwangsgesetzes ist eine Bürgerpflicht.»
Seit Montag verantwortet er nun, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und als Oberster Kommandant der Revolutionsgarden, die Raketen- und Drohnenangriffen auf die arabischen Golfstaaten. Damit trifft er, strategisch gesehen, eine mörderische Entscheidung – für den ganzen Iran. Er zieht nicht nur die bis dahin zurückhaltenden Nachbarstaaten in den Konflikt ein, er provoziert noch heftigere Attacken der USA und der Israelis. Sie würden es bald sehen, sagte Donald Trump nach dem Drohnenangriff auf die US- Botschaft in Riad am Dienstag. Sollte sich der Abgrund öffnen, dann würden alle uns dahin begleiten, schrieb am Dienstagsnachmittag die Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden gehört.
Apokalypse im schiitischen Denken
Apokalypse ist im schiitischen Denken nicht etwas Mythisches, sondern etwas Reales. Der Messias ist im Schiismus eine konkrete, historische Figur, mit Geburtsdatum, Geburtsort und vielen Erzählungen aus seinem wahren Leben. Er ist der zwölfte Imam, der seit 940 in Verborgenheit lebt und auf dessen Kommen alle warten und hinarbeiten. Doch kurz vor seinem Erscheinen beginnt die Endzeit.
Ist Ahmad Vahidi nun derjenige, der das neue Zeitalter der Menschheit einläutet? Er war immer ein gläubiger, revolutionärer Schiit.