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Iran-Krieg

Wer führt, wer bestimmt? Die Garden üben sich in Diplomatie

10. April 2026
Ali Sadrzadeh

Wer verhandelt, wann und worüber? Noch sind diese Fragen ebenso offen, wie jene ob man am Ende ein brauchbares, dauerhaftes Ergebnis zu erwarten hat. Auch die USA wissen nicht, wie lange die Verhandlungen dauern und ob sie mit vorzeigbaren Ergebnissen den Verhandlungstisch verlassen werden. Vorläufig bleibt ihr riesiger Aufmarsch in Irans Nähe bestehen.

Am Donnerstagmorgen twitterte der iranische Botschafter in Pakistan, heute Abend werde die iranische Delegation in Islamabad eintreffen. Dreissig Minuten später hat die Nachrichtenagentur Tasnim, die als Sprachrohr der Revolutionsgaden auftritt, diesen Tweet gelöscht. Damit ist fraglich, ob am Freitag die Verhandlungen beginnen. Jetzt ist von Samstag die Rede. Politik und Diplomatie waren nie Sache der Garden, und nach dem Tod Khameneis befinden sie sich in einem neuen Gelände. 

Unklare Besetzung

Es fehlt der Ausgleicher und Entscheider, dessen vierzigster Todestag heute bombastisch im ganzen Land gefeiert wird. Eine Macht- und Mobilisierungsdemonstration auf Schiitisch. «Sein Leben war genauso ein Gottesgeschenk wie sein Tod», schrieb die Garde in einem Aufruf zu diesen Feierlichkeiten. Nach äusseren Kämpfen ist die Garde offenbar nun mit inneren Konflikten über Kniffe der Diplomatie beschäftigt, die für sie vielschichtiger und komplizierter sind. 

Bis Donnerstagmorgen hörten wir, JD Vance werde die US-Delegation führen, er werde direkt nach seinem Tripp bei Viktor Orbán von Budapest nach Islamabad fliegen. Auch das ist inzwischen fraglich. Als sicher gilt nur, der pakistanische Ministerpräsident Sharif wird am Verhandlungstisch sitzen, wann und mit wem auch immer. 

Donald Trump hat oft Asim Munir, den Befehlshaber der pakistanischen Armee, als seinen «Lieblingsfeldmarschall» bezeichnet, Munir kenne den Iran «besser als viele andere», sagt Trump.

Angriffe auf den Libanon

Iran hat eine 900 Kilometer lange Grenze mit Pakistan, in dem sich zudem keine US-Luftwaffenstützpunkte befinden; im Gegensatz zu den vorigen Vermittlern in der Golfregion. Pakistan ist ausserdem stark von Ölimporten abhängig, von denen ein grosser Teil über die Strasse von Hormuz geliefert wird.

Wer die iranische Delegation führe, sei noch nicht entschieden, jegliche Mutmassungen seien nutzlos, schrieb Tasnim, vor drei Tagen. Doch noch präsentiert sich der iranische Parlamentspräsident Ghalibaf so, als ob er der künftige Verhandlungsführer sei, twittert er emsig, obwohl seit genau vierzig Tagen das Internet im ganz Land abgeschaltet ist. Am Donnerstagmorgen schrieb er: «Von Anfang an haben wir den laufenden Prozess mit Misstrauen verfolgt, und wie vorhergesagt haben die Vereinigten Staaten erneut ihre Verpflichtungen vor Beginn der Verhandlungen verletzt.» Dabei nennt er unter anderem «die anhaltenden israelischen Angriffe auf den Libanon». 

Ob in der mündlichen Vereinbarung zur Feuerpause auch Libanon zur Verhandlungsagenda zählt, darüber wird bereits heftig gestritten. Das Weisse Haus bestreitet, dass Libanon dazu gehört. Der pakistanische Premierminister Sharif meint aber, ein Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran schliesse alle Konfliktgebiete, einschliesslich des Libanon, ein. Doch Benjamin Netanjahu widerspricht dem und meint, die Waffenruhe gelte nur für Iran und nicht für Israels Einsätze im Libanon. Am Mittwochabend sagte JD Vance der Presse in Budapest, er werde Netanjahu bitten, während der Verhandlungen die Angriffe auf Libanon einzustellen. Als er diese Sätze formulierte, galt er noch als künftiger Verhandlungsführer, was inzwischen ebenfalls fraglich ist.

Gardist der ersten Stunde 

Die Revolutionsgarden, die den künftigen Verhandlungsführer bestimmen, können über die Geschehnisse im Libanon nicht schweigen. 

Dass die Hisbollah sich im jetzigen Krieg einmischte und nicht wie im Junikrieg gegen den Iran schwieg, führen viele Beobachter auf direkte Intervention der Revolutionsgarden zurück. Manche gehen sogar weiter und meinen, die militärische Führung der Hisbollah liege nach dem Tod von Hassan Nassrallah in den Händen der sogenannten Qods-Brigade der Garden. 

Parlamentspräsident Ghalibaf ist von zu Hause aus zwar ein Gardist der ersten Stunde, machte als Siebzehnjähriger zunächst bei Basij, später bei Garden seine blutige Karriere, doch inzwischen hat er sich zu einem Lebemann entwickelt, der gern teure Sonnenbrillen trägt und sich bei seinen Auslandsreisen als Pilot seines eigenen Flugzeuges filmen lässt.

Die drei mächtigen Gardisten, die derzeit das Schicksal des Rests der islamischen Republik bestimmen, gehörten immer zu den Radikalsten: Der oberste Befehlshaber der Garde Ahmad Vahidi, der von Interpol gesucht wird, der neue Sekretär des nationalen Sicherheit Mohammad Bahger Zolghadr, der auf den ermordeten Ali Larijani folgte, und schliesslich Ahmad Reza Radan, der gefürchtete Polizeikommandant des Landes, der bei Massentötungen der letzten vier Dekaden immer in vorderste Reihe stand. Wo sich diese drei Personen in diesem riesigen Land befinden, weiss niemand, alle drei müssen einstweilen in ihren Verstecken bleiben, denn ihr Auftauchen würde den sicheren Tod bedeuten.

Auch Präsident Peseschkian tritt kaum in der Öffentlichkeit auf, doch ob im Verborgenen oder im Tageslicht, er hat sowieso nichts zu sagen.

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