Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Enzyklika «Magnifica Humanitas»

Vom Traum, menschliche Grenzen zu überwinden

6. Juni 2026
Erwin Koller
Leo IVX
Papst Leo IVX erscheint zur Präsentation seiner erste Enzyklika am Pfingstmontag, 25. Mai 2026, im Vatikan. (Keystone/AP Photo, Alessandra Tarantino)

An Pfingsten hat der Papst sein Regierungsprogramm vorgestellt. Es begrüsst Vielfalt in Kirche und Welt. Macht und Autorität sollen der Gemeinschaft dienen. Für die KI fordert der Papst Kontrollen. Den Tech-Phantasien des Transhumanismus erteilt er eine Absage.

Das erste Rundschreiben von Leo XIV. ist weit mehr als eine Auseinandersetzung mit datenbasierten Systemen – von deren Erfindern etwas hochtrabend Künstliche Intelligenz (KI) genannt. Was der Papst in der Enzyklika Magnifica Humanitas (Grossartige Menschheit) am 25. Mai 2026 präsentierte, ist gewissermassen eine Botschaft zur Lage der Kirche am Anfang seines Pontifikats, in etwa vergleichbar mit der State of the Union Adress des US-amerikanischen Präsidenten am Beginn eines politischen Jahres.

State of the Church

Leo XIV. richtet seinen theologischen Kompass konsequent auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962–65) aus. Vorbei die Versuche von Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die Aussagen des Konzils zurück zu buchstabieren. Vorbei auch der theologische Kulturpessimismus eines Pius IX., der 1864 die Errungenschaften der Moderne in einem Verzeichnis der Irrtümer (Syllabus errorum) als Teufelswerk abtat. 

Kirchenmänner, die sich nur hinter dicken Mauern sicher fühlen und eine Agenda abseits der bösen Welt verfolgen, sind für Leo XIV. keine Option. Vielmehr lobt er dankbar die Uno-Erklärung der Menschenrechte und das in der Charta der Vereinten Nationen verankerte Völkerrecht mit dem darin festgehaltenen Gewaltverbot. 

«Ich lade alle ein, über wirksamere Formen der Zusammenarbeit und über internationale Institutionen nachzudenken, die das globale Gemeinwohl bewahren können, ohne die legitime Vielfalt der Völker und Staaten aufzuheben.» (64)

Dahinter steht ein humanistisches Menschenbild, das Leo XIV. überzeugend, nüchtern und ohne frommen Zungenschlag vertritt. Er lässt sich leiten von der Soziallehre, die sein Namensvorgänger Leo XIII. 1891 mit Rerum novarum(Angesichts neuer Sachverhalte) begründete, und deren Entwicklung bis zur Umweltenzyklika Laudato sí (Sei gepriesen, mein Herr) seines Vorgängers Franziskus er sorgfältig analysiert und für das 21. Jahrhundert justiert. Diese Soziallehre erhebe jedoch «nicht den Anspruch, die Verantwortung der Politik und der Institutionen zu ersetzen, sondern biete sich als Hilfe für die gemeinsame Entscheidungsfindung an.» (24)

Wiederaufbau der Stadt Jerusalem statt Errichtung des Turmbaus zu Babel

Leo XIV. nimmt zwei biblische Bilder auf: Der Turmbau zu Babel offenbare den Übermut und die Machtgier des Menschen, die an der Vielfalt der Sprachen zerbreche (vgl. Gen 11). Diesem Bild stellt er den Wiederaufbau der Mauern Jerusalems nach dem babylonischen Exil gegenüber (vgl. Neh 2-6) und verpflichtet die Kirche darauf:

«Wiederaufbauen bedeutet heute, anzuerkennen, dass sich in der Vielfalt der Stimmen und Ansichten, die manchmal an die Sprachverwirrung erinnert, immer noch eine glänzende Möglichkeit bietet: gemeinsam zu bauen, Verschiedenheit in eine Ressource zu verwandeln und das Zuhören und den Dialog zur gemeinsamen Grundlage zu machen, auf der Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit gedeihen können.» (10)

Eine Wahrheit, die die Vielfalt nicht fürchtet

Leo XIV. wird sich freilich nicht wundern dürfen, wenn seine Partnerinnen und Partner in den christlichen Kirchen ihn an dieses Bild erinnern. Oder an die Gefahr, die er bei den datenbasierten Systemen wittert: Ihr Werk sei «gestützt auf eine Einheitlichkeit, die Vielfalt ausschliesst» (7). Denn bisher liess Rom eine wirkliche Ökumene immer wieder scheitern an einem monolithischen Kirchenbild mit dem Papst an der Spitze. Vor diesem Hintergrund erstaunt, wie entschieden sich Leo XIV. zum Anwalt der Vielfalt macht und darin eine Chance des Christlichen erkennt:

«Die Kirche will nicht die Fahne hochhalten, im Besitz der Wahrheit zu sein, weil die Wahrheit kein zu verteidigendes Territorium ist, sondern ein Gut, das es miteinander zu teilen gilt. (…) Es kommt nicht in erster Linie darauf an, Machtpositionen zu besetzen oder kulturelle Festungen zu bewachen, sondern Prozesse des Guten in Gang zu setzen und sie reifen zu lassen; so drängt sich die Wahrheit des Evangeliums nicht von oben auf, sondern wächst im Laufe der Zeit, im konkreten Geflecht von Leben, Gemeinschaften und Kulturen. Es ist eine Wahrheit, die die Vielfalt nicht fürchtet, sondern annimmt und ordnet.» (25)

«Jede Macht steht im Dienst der Gemeinschaft» – auch in der Kirche?

Leo XIV. nimmt von seinem Vorgänger Franziskus das Beharren auf einer synodalen Kirche auf. Gegenüber dem Modell einer hierarchisch-zentralistischen Kirche macht die Synodalität

«die Subsidiarität zu einem Kriterium der Leitung und des pastoralen Lebens, welche die Verantwortung der Gläubigen und der vermittelnden kirchlichen Strukturen anerkennt und unterstützt, Charismen und Kompetenzen fördert und dabei jeden Paternalismus vermeidet, der die Freiheit des Evangeliums erstickt.» (87)

Auch da darf sich der Papst nicht wundern, wenn die Vertreter der kirchlichen Basis ihn an diese Prinzipien erinnern werden. Der Synodale Prozess der Kirche Deutschlands hat am Ende zum Beschluss geführt, dass auch in der Kirche offene Fragen von Bischöfen und Laien gemeinsam entschieden werden. Bislang sind sie damit am granitharten Felsen der römischen Kurie abgeprallt. Leo XIV. wird ihnen erklären müssen, was es denn heisst, wenn er schreibt: 

«Jede Macht steht im Dienst der Gemeinschaft und der Sendung. Jede Autorität steht im Dienst des Volkes Gottes.» (89)

Schliesslich: Wenn Leo XIV. die Kaderfrau eines sehr konservativen Medien-Netzwerkes der USA zur neuen Kommunikations-Chefin des Vatikans macht, bestätigt dies eher, dass ein wirkliches Bewusstsein für gleiche Rechte von Frauen und Männern in der Kirche weiterhin nur schleppend vorankommt. Weil aber «die Soziallehre sich nicht nur an die Gesellschaft richtet, sondern auch eine Gewissenserforschung für die Kirche» ist (86), kann er gewiss sein, dass die Feministinnen in der Kirche ihn bis zum letzten Tag seines Pontifikats mit konstanter Verve fragen werden, ob er denn die Nummer 57 seiner «Regierungserklärung» nur zum Fenster hinaus gepredigt habe: 

«Es reicht nicht aus, mit Worten zu bekräftigen, dass Männer und Frauen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben; dies muss sich in konkreten Entscheidungen niederschlagen, in den Gesetzen, im Zugang zu Arbeit, Bildung, gesellschaftlichen und politischen Verantwortlichkeiten sowie in der Art, wie die Gesellschaft den Beitrag der Frauen wahrnimmt und wertschätzt. Solange diese Kluft fortbesteht, werden wir nicht sagen können, dass die Gesellschaft tatsächlich vollumfänglich anerkennt, dass Frauen die gleiche Würde wie Männer haben.»

Leo XIV. ist sich der Spannungen und Widersprüche in seiner Kirche ohne Zweifel bewusst, meint aber trotzig: «Spannungen und Unterschiede sollen nicht einschüchternd wirken, denn sie können zu kreativen Energien werden, wenn sie von gemeinsamer Verantwortung geleitet werden.» (13) Er steckt seine Ziele und Postulate hoch, stützt sie theologisch solide ab und formuliert sie konsequent aus der kirchlichen Soziallehre. Kompromisse werden früh genug kommen, doch so leicht und süffisant wie seinen Vorgänger wird man ihn nicht als theologisches Leichtgewicht abtun können.

Der Mensch und die neuen Technologien – ein Zeichen der Zeit

Im Blick nach aussen erkennt Leo XIV. in den modernen Gesellschaften vor allem die immer zentralere Bedeutung der datenbasierten Systeme als ein Zeichen der Zeit, dem sich die Kirche zu stellen hat. 

«Die Technik ist (…) von Anfang an in unserer Geschichte verwurzelt, als eine zutiefst menschliche Erscheinung, die an die Autonomie und Freiheit des Menschen geknüpft ist.» (4) «Um den Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu bewahren, müssen wir meines Erachtens heute erneut über das Gemeinwohl, die allgemeine Bestimmung der Güter, Subsidiarität, Solidarität und soziale Gerechtigkeit nachdenken.» (46)

Wie schon bei der Erfindung der Dampfmaschinen und beim Einsatz der Elektrizität ist die Menschheit vor die Frage gestellt, wie sie sich zur neuen Technologie stellen soll. Dass den Chancen Risiken gegenüberstehen, war schon immer so, es ist die alte Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine, heute also nach den Kriterien für den Gebrauch der datenbasierten Systeme. Für Leo XIV. ist wie für jeden anderen Nutzer unbestreitbar, «dass KI eine wertvolle Hilfe sein kann (…) Die Schnelligkeit und Einfachheit, mit der es möglich ist, Informationen, komplexe Analysen, Medieninhalte und konkrete Hilfestellungen zu erhalten, vereinfachen unser Leben.» (100) Ebenso sicher aber ist für ihn, dass die Würde des Menschen Vorrang haben muss:

«In der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht, haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und liebevoll jenes grossartige Menschsein zu bewahren, das uns geschenkt ist und das in Christus in seiner ganzen Fülle offenbar wurde, und das keine Maschine in seiner Pracht jemals ersetzen kann. Wahrer Fortschritt entspringt stets einem Herzen, das für andere offen ist; einer Intelligenz, die bereit ist zuzuhören; einem Willen, der mehr das sucht, was verbindet, als das, was trennt.» (15)

Der Traum von der Überwindung der Begrenztheit des menschlichen Lebens 

Vor diesem Hintergrund kritisiert Leo XIV. die kulturellen Prämissen, die mit der digitalen Revolution einhergehen. «Die futuristische Vision vom ‘verbesserten Menschen’ (enhanced human) oder vom ‘Hybriden aus Mensch und Maschine’wecken Begeisterung für die neuen Technologien.» (115) Sie entsprechen dem alten «Traum, die Begrenztheit des menschlichen Lebens zu überwinden». Der Traum geht soweit, dass «eine Schwelle überschritten wird, an der die Menschheit sich selbst überwindet und in eine neue Evolutionsstufe eintritt.» (116) Leo XIV. hält solche – im Umgang mit datenbasierten Systemen gewiss extreme – Visionen des Transhumanismus und Posthumanismus für böse Verirrungen und für eine Missachtung der menschlichen Endlichkeit und Begrenztheit, selbst wenn diese moralisches Versagen zur Folge haben.

Es entbehrt nicht der Ironie, wenn der Inhaber eines Amtes, dem eine Unfehlbarkeit zugeschrieben wird, zum Anwalt der Fehlbarkeit des Menschen wird und die These vom sündigen Menschen (homo peccator) der Reformatoren gewissermassen auf eine neue Stufe stellt:

«Unser Verhältnis zum Leben scheint heute in einer Krise zu stecken. Alles, was als ‘Begrenztheit’ erscheint – Unfähigkeit, Krankheit, Alter, Leiden, Verletzlichkeit –, wird normalerweise erst einmal als ein zu behebender Mangel angesehen und nicht als ein Umstand, durch den der Mensch reift und sich für Beziehungen öffnet.» (118) Es gilt, «die Begrenztheit und Schwäche des Menschen zu akzeptieren, ohne sie als einen Fehler zu betrachten, der korrigiert werden müsste. Das menschliche Verlangen nach Fülle läuft heute Gefahr, zu trügerischen Zielen hin umgeleitet zu werden – durch die Illusion der Technik, die verspricht, uns von aller Schwäche zu befreien.» (12) «Für einen Algorithmus ist ein Fehler etwas, das korrigiert werden muss; für einen Menschen kann er der Beginn einer tiefgreifenden Veränderung sein. Die Zukunft eines Menschen ist nicht berechenbar. Sie ist seiner Freiheit anvertraut.» (128) «Kein noch so ausgeklügeltes Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt. Auch wenn die Maschinen in ihrer Effizienz überragend sind, bleibt das Zentrum der Geschichte ein menschliches Antlitz, das danach verlangt, angesehen zu werden.» (233) 

Das theologische Kontrastprogramm

Freilich kann Leo XIV. als Theologe es nicht dabei bewenden lassen – dass ein Papst auch fromm argumentiert, kann ihm kaum zum Vorwurf gemacht werden. Die Erlösung von Schuld in der Zuwendung Gottes zum Menschen hat es seit je mit einer Entgrenzung zu tun, mit einer Überwindung des rein Menschlichen. Das Christentum ist ohne Transzendenz nicht denkbar. Leo XIV. formuliert es so:

«Während alte und neue Ideologien die Menschen dazu bringen wollen, Begrenzungen technisch zu überwinden und sich über andere zu erheben, um ihre Herrschaft auszuüben, verweist das Geheimnis des Sohnes Gottes, der sich in unsere Situation hineinbegibt, auf eine entgegengesetzte Bewegung. Der lebendige Gott steigt in unsere Geschichte hinab, um uns von aller Knechtschaft zu befreien, er nimmt unsere Schwachheit an und macht sie zum Ort der Erlösung.» (232)

«Die KI muss entwaffnet und lebensfreundlich gemacht werden»

Bei der Präsentation der Enzyklika benützte Leo XIV. eine sehr drastische Formulierung. Er fordert, dass die datenbasierten Systeme entwaffnet und der Logik des bewaffneten Wettbewerbs entzogen werden. Dies betreffe angesichts der engen Verbindung militärischer und wirtschaftlicher Strukturen auch das Wettrennen um den leistungsfähigsten Algorithmus und die grösste Datenbank zur Erreichung eines geopolitischen Vorsprungs.

«Entwaffnen bedeutet, die Gleichsetzung von technischer Macht und dem Recht zu herrschen aufzubrechen. Entwaffnen bedeutet nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen beherrscht. Es bedeutet, sie Monopolen zu entziehen, sie hinterfragbar und anfechtbar und damit lebensfreundlich zu machen, sie der Vielfalt menschlicher Kulturen und Lebensweisen zurückzugeben.» (110) «Einem Algorithmus konkret die Macht zu übertragen, zu bestimmen, wem etwas zusteht und wem nicht, ohne dass noch jemand die Last der Entscheidung trägt, bedeutet, ihm die Aufgabe zu übertragen, die Grenzen menschlicher Möglichkeiten neu zu definieren. Was in diesem Prozess verloren geht, ist nicht nur das Mitgefühl für den Ausgeschlossenen, das zur Not künstlich nachgeahmt werden kann, sondern auch die politische Verantwortung, denn die Ausgrenzung der Schwachen wird mit Neutralität und Objektivität ummantelt, gegen die man nicht protestieren kann.» (103)

«Die digitale Revolution verändert die Grammatik von Konflikten»

Wer von Entwaffnung spricht, muss auch die kriegerischen Konflikte ins Visier nehmen, in denen die sichtbare Kriegsführung durch hybride Formen erweitert wird: Cyberangriffe, Informationsmanipulation, Automatisierung strategischer Entscheidungen. «Die KI tritt in diese Prozesse als beschleunigender Faktor ein.» (183) Leo XIV. stellt darum sogar die traditionelle Lehre vom Gerechten Krieg infrage:

«Heute ist es – unbeschadet des Rechts auf legitime Verteidigung, die im engsten Sinne zu verstehen ist – wichtiger denn je, die Überwindung der Theorie des ‘gerechten Krieges’ zu bekräftigen, die allzu oft herangezogen wird, um alle möglichen Kriege zu rechtfertigen.» (192)

Und weil es um jeden Umgang mit Gewalt geht, erwähnt Leo XIV. auch die bittere Schuld der Kirche, dass sie in ihrer Missionierung die Sklaverei allzu lange praktiziert und erst spät verurteilt hat. «Dafür bitte ich im Namen der Kirche aufrichtig um Vergebung.» (176) Folgerichtig begrüsst er engagierte nicht-kirchliche Institutionen und Nicht-Regierungsorganisationen als Alliierte im Kampf für eine friedliche Weltordnung.

Eine Baustelle der Hoffnung: die Zivilisation der Liebe

Leo XIV. nennt noch viele andere Bereiche, in denen die digitale Revolution einen Wandel der Kultur mit sich bringt. Und immer wieder betont er: «Es reicht nicht aus, sich allgemein auf die Ethik zu berufen. Es bedarf angemessener rechtlicher Rahmenbedingungen, unabhängiger Aufsicht, Aufklärung der Nutzer und einer Politik, die sich ihrer Aufgabe nicht entzieht.» (106) Oder wie sein Berater, der Franziskaner Paolo Benanti, humorvoll ergänzt: «Nicht die KI ist die Gefahr, sondern der Mensch. Ich habe mehr Angst vor natürlicher Dummheit als vor künstlicher Intelligenz.»

Wenn die datenbasierten Systeme bei Leo XIV. tatsächlich «die Metapher für alles Faszinierende und Beängstigende, für alles Geniale und Gefährliche unserer Zeit» sind (Evelyne Finger, Die Zeit), wird verständlich, dass seine Ausführungen schliesslich auf eine Baustelle der Hoffnung hinzielen, der er den Namen Zivilisation der Liebe gibt:

«Die Zivilisation der Liebe ist keine naive Utopie, sondern ein anspruchsvolles Projekt. Sie besteht darin, Nächstenliebe in Strukturen der Gerechtigkeit zu verwandeln, Geschwisterlichkeit institutionelle Formen annehmen zu lassen und den anderen – sei es eine Person oder ein Volk – als einen notwendigen Verbündeten für den Aufbau des Gemeinwohls zu betrachten. Wie uns die Enzyklika Fratelli tutti in Erinnerung ruft, kann nur diese soziale Liebe, die fähig ist, zu einer Kultur und zur Norm zu werden, eine stabile internationale Ordnung hervorbringen und das Zusammenleben von einer blossen bewaffneten Koexistenz in eine Schicksalsgemeinschaft verwandeln.» (186)

Letzte Artikel

Baselitz an der Ostsee

Gastbeitrag 6. Juni 2026

KI – Jobkiller oder Wachstumsmotor?

Tim Guldimann 6. Juni 2026

Erneute Verschärfung

Martin Gollmer 5. Juni 2026

Poesiemaschine und Körperkunst

Urs Meier 5. Juni 2026

Kein Konzert wie jedes andere

Annette Freitag 4. Juni 2026

Realitätsverweigerung im Schweizer Parlament

Markus Mohler 3. Juni 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Leserbrief schreiben
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.