Valentin Silvestrov, geboren 1937, ist einer der bekanntesten ukrainischen Komponisten. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine floh er mit Tochter und Enkelin nach Berlin. Er gehört zur Kiewer Avantgarde und ist heute auf der ganzen Welt ein hochgeachteter Komponist. Der Tod seiner Frau, der ihn sehr beschäftigte, fand den kompositorischen Ausdruck in einem bekannten «Requiem für Larissa».
Wir wenden uns hier einer Aufnahme zu, die Silvestrov als «Moments of Memory II» bezeichnete und die den reichen Kosmos seines Schaffens umfassen. Unter den Titeln, die Silvestrov wählte, nenne ich «Zwei Dialoge mit einem Postskriptum», mehrere «Serenaden», eine Reihe von Werken, die er «Silent Music – Musik des Schweigens» nennt, und die der Komponist dem Musikproduzenten Manfred Eicher gewidmet hat. Erschienen ist diese CD bei Naxos 2017. Als Interpreten werden genannt: die Pianistin Iryna Starodub sowie die Kiev Virtuosi unter dem Dirigenten Dmitry Yablonsky.
Heute fragt man sich, warum eine solche Musik weltweit so gefragt ist. Denn wer sich diese CD anhört spürt, wir haben es hier mit einer Musikkultur zu tun, die bisher anders geartet war: heldisch und triumphal. Nun ist die Zeit des musikalischen Auftrumpfens vorbei und die Zeit der musikalischen Meditation ist angebrochen. Diese ist lyrisch klagend, die Bewegungen sind zögernd, tief melancholisch, die Musik kennt kaum Ausbrüche und Exzesse, wir hören Klaviertriller und Harfenklänge, die Streichergruppen sind selten aggressiv und zudringlich. Es ist, als wünsche die Menschheit vor allem Stille, Frieden, und eine Art von innerer Erleuchtung darüber, warum die Welt so herzlos und brutal sein kann.