In seinen letzten Lebensjahren schuf Franz Schubert (1797–1828) ein Meisterwerk nach dem anderen, so auch dieses Streichquintett. Im Gegensatz zur klassischen Quintettformation schrieb Schubert es für zwei Violinen, eine Viola und zwei Violoncelli. Damit gab er dem ersten Cello jene melodiöse «tenorale Lage», die ihm auch in vokalen Werken so wichtig war.
Schon der erste Satz jenes Streichquintetts mit der Deutschverzeichnis-Nummer 956 stürzt uns in ein Wechselbad von Pianissimo und Fortissimo, von langsam ansteigender geheimnisvoller Weltwerdung durch Musik und wilden Ausbrüchen von Leidenschaft und Pathos.
Der zweite Satz – im ersten Teil ein Adagio in E-Dur sehr lyrischer Natur, anschliessend ein wild-leidenschaftlicher Teil in f-moll – ist das Herzstück des ganzen Quintetts. Wie wir heute feststellen, eines der grössten Schubert-Wunder, welches die Welt bis heute erleben darf.
Der dritte Satz, ein Scherzo, zeigt wie der zweite ein Doppelgesicht: extrem zugreifend im ersten Teil, gespenstisch schattenhaft im Des-Dur Trio.
Der vierte Satz, ein Allegretto-Finale, scheint zunächst beschwingt tänzerisch zu sein. Aber auch hier dringt das Unheimliche dieser Fröhlichkeit durch. Ein mitreissendes taumelhaftes Ende mit einem Aufschrei als allerletzte Noten des Werkes.