21 Stunden dauerten die Verhandlungen zwischen den USA und Iran im pakistanischen Islamabad – eigentlich seien sie «fast» erfolgreich gewesen, sagte Donald Trump danach, man habe nur bei einem wesentlichen Punkt, nämlich dem Thema Atompolitik Irans, keine Annäherung gefunden.
Doch das war Augenauswischerei, denn nicht erst nach der Abreise der amerikanischen Verhandlungsdelegation mit Vizepräsident J.D. Vance, sondern schon von Beginn an war das Scheitern vorprogrammiert. Viel zu gross waren die Gegensätze zwischen dem von den USA vorgelegten 15-Punkte-Plan (der letzten Endes eine bedingungslose Kapitulation der Iraner beinhaltete) und dem iranischen 10-Punkte-Plan, der schon deswegen fern der Realitäten ist, weil er u.a. einen vollständigen Abzug der USA von all ihren Stützpunkten in der nahöstlichen Region forderte.
Maximalforderungen aber kann in diesem Konflikt weder die eine noch die andere Seite durchsetzen. Man könnte allenfalls mit Kompromissen vorankommen und mit der Klärung von Details. Aber Kompromisse setzen Geduld und Flexibilität voraus. Als die USA und Iran das erste (und einzige) Mal ein konstruktives Resultat erreichten, bei der Ausarbeitung des so genannten Atomvertrags in der Aera von Barack Obama, benötigte man zwei Jahre. Geduld aber ist nicht Donald Trumps Sache. Er will sofort alles, oder er wendet sich vom Verhandlungstisch ab.
Nur für Schiffe «nicht-feindlich gesinnten» Staaten
Bei der iranischen Seite sieht es anders aus: Man habe es nicht eilig, sagten die Delegationsleiter nach der Gesprächsrunde in Islamabad. Demonstrativ zeigten sie Gelassenheit – als ob es ihnen egal sei, dass der Krieg wieder von Neuem loszubrechen droht (er hat, provisorische Bilanz, bis jetzt mehr als 3300 Todesopfer und zehntausende Verletzte gefordert und einen wesentlichen Teil der iranischen Energie-Infrastruktur zerstört). Und kündigten gleich an, dass die Meerenge von Hormuz weiterhin nur für Schiffe von «nicht-feindlich gesinnten» Staaten offen sei. Pro Tag konnte in der vergangenen Woche etwa ein halbes Dutzend Schiffe und Tanker passieren. Auf jeden Fall würden die iranischen Revolutionswächter weiterhin die Kontrolle über dieses Nadelöhr des globalen Schiffsverkehrs behalten, sagten iranische Politiker. Dass die Revolutionswächter (was internationalem Seerecht widerspricht) je nach politischer Einschätzung Gebühren für die Passage angeblich in Millionenhöhe fordern, wurde verschwiegen.
Donald Trump konterte mit der Ankündigung, dass vom 13. April an US-Streitkräfte die Seewege durch die Strasse von Hormuz blockieren. Iran erpresse die Welt, sagte er, und drohte, jedes Schiff nicht nur in der Region um die Meerenge, sondern überall in internationalen Gewässern abzufangen, dessen Reeder Geld an das iranische Regime bezahlt hätten. Die Blockade ende, sobald die Passage durch die Meerenge wieder frei sei.
Krieg bis zu den US-Zwischenwahlen?
Können die USA eine Blockade dieser Art durchführen? In der Region haben sie dazu eine wohl ausreichende Zahl von Kriegsschiffen und zwei Flugzeugträger stationiert. 50 000 Soldaten sind präsent, auch spezialisierte Truppen wie jene der Navy Seals. So können die Streitkräfte der Vereinigten Staaten zwar Schiffe kontrollieren und stoppen, aber die Passage durch die Strasse von Hormuz ist damit noch nicht geöffnet – um das zu erreichen, müssten die USA militärische Einheiten in grösseren Formationen im iranischen Küstengebiet einsetzen. Das heisst, dann würde aus der Blockade-Drohung Trumps das, was er immer vermeiden wollte: ein Krieg gegen die iranischen Revolutionswächter (sie können 200'000 Mann mobilisieren) und die Milizen des Regimes (die Basij-Milizen sollen in der Lage sein, bis zu zwei Millionen aufzubieten).
Eine Ausweitung des Kriegs auf iranisches Terrain würde sich wohl auch zeitlich in die Länge ziehen – möglicherweise bis in die Phase der US-amerikanischen Kampagne für die Zwischenwahlen vom November. Das wollte und will Donald Trump vermeiden – aber alle Anzeichen sprechen dafür, dass er voll in der Falle des von ihm (und vom israelischen Premier Netanyahu) entfachten Kriegs steckt.
Nur Trump und Netanjahug wollten diesen Krieg
Schon jetzt droht der globalen Wirtschaft eine schwerwiegende Krise aufgrund von Mangel an Öl, Gas, Dünger und all jenen Derivaten, die in den Raffinerien um den Persischen Golf produziert werden und die jetzt fehlen. Am härtesten betroffen sind die Regionen in Asien, von Indien über Indochina und Japan bis nach China. Das Regime von Xi Jin Ping fühlt sich durch den Iran-Krieg besonders betroffen – es bezieht rund 80 Prozent des Erdöls (und zahlreiche Nebenprodukte) aus der Region des Golfs. Aus Geheimdienst-Berichten geht hervor, dass China sich bereits entschlossen hat, den Iranern Systeme für die Raketenabwehr zu liefern, sich also konkreter als bisher zu engagieren.
Fazit: Die Länder Asiens, aber auch Afrikas und wir Europäer, zahlen für einen Krieg, den ausser dem amerikanischen Präsidenten und dem israelischen Premierminister niemand gewollt hat und dessen Folgen nicht abzusehen sind.