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befeuern

Sprach-Akrobatik [86]

20. Juni 2013
Journal21
Die neuesten Arbeitsmarktdaten befeuern die Börse.

Die Sprache lebt, neue Wörter kommen auf, neue Wort-Kreationen, man spielt mit der Sprache, man experimentiert, manchmal glücklich, manchmal weniger glücklich. Doch all das zeigt, die Sprache ist im Fluss, hat Potential: ihr Reichtum ist fast unermesslich. Auch der Duden nimmt jährlich Dutzende neuer Wörter auf.

Zu den neuen Kreationen gehört etwa „betalken“. Ein Thema, das in einer der unsäglich vielen Talk-Shows zur Sprache kommt, wird „betalkt“.

Oder: Die „Putinisierung“ des türkischen Präsidenten Erdogan. (von „Putin“, dem selbstherrlichen russischen Präsidenten). Oder jetzt auch „die Erdoganisierung“ der Türkei.

Oder: dieses Wort ist „ungooglebar“. Oder: Die „Chaotisierung“ der Politik.

Ein Storch wird mit einem Chip versehen, damit die Forscher seine Flüge verfolgen können: Jetzt ist er ein „gechipter Storch“.

Viele dieser Modewörter verschwinden schnell wieder. Eines hingegen erlebt einen Siegeszug durch alle Medien. Jeder und jede sagt es den andern nach: „befeuern“.

Plötzlich wird alles „befeuert“. Nicht im alten Sinn von „einen Herd, eine Dampflokomotive, eine Feuerstelle, einen Grill befeuern“. Sondern im Sinn von: Auftrieb geben, Nahrung geben.

Im Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel“, früher einmal Trendsetter bei Sprach-Kreationen, wird der Ausdruck inflationär gebraucht. Doch alle andern Medien sind längst nachgezogen.

„Ministerin Von der Leyen befeuert Adoptionsdebatte in der Union.“ (Spiegel 9.6.2013)

Geldschwemme und Konjunkturprogramme dürften den Aufschwung noch eine Weile befeuern. (NZZ)

Auch prominente Hundeexperten befeuern die neue Impfskepsis.“ (FAZ)

Die grün-rote Verkehrspolitik befeuere eine "Stimmung des Hasses“. (Zeit)

Entsprechende Pläne würden nur "Ängste und Unfrieden" befeuern… (Süddeutsche)

„Fall Hoeness befeuert Debatte um Steuermoral“ (Spiegel online)

Drittens befeuerte die buntscheckige Anti-Ladenöffnungszeiten-Allianz ihre Unterschriftensammlung mit dem Hinweis: «Mehr Sonntagsarbeit schadet allen.“ (NZZ)

„Nexus 5 – Erstes Bild und erste Details befeuern die Gerüchteküche.“ (Gizmodo)

Die Studie dürfte auch die Atomdebatte befeuern. (Spiegel)

Hirschhausens Sprechstunde: Befeuern Sie Ihr Herz! (Stern)

Das Schöne ist: an dem Wort ist ja nichts auszusetzen. „Befeuern“ ist ja ein schönes Sprachbild.

Befeuern wir also unsere deutsche Sprache mit neuen Wörtern und zeigen wir, dass sie quicklebendig ist. Nur: Wenn ein Wort zum Hype wird (wieder ein Modewort) verliert es seinen Charme.

(hh)

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