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ok

Sprach-Akrobatik [80]

29. März 2013
Journal21
Es ist ein Virus. Hochgradig ansteckend. Grassiert weltweit. Wird von Mund zu Ohr übertragen.

Sogar durchs Telefon. Immerhin ist es nicht tödlich. Bloss lästig. Sein Inhalt mutiert ständig. Ohne Kontrolle. O.K. überall.

Ist es wirklich ok, plötzlich unterschiedlichste Bedeutungen in ein einziges Wort zu packen, wenn es doch treffende andere Begriffe gäbe? Etwa „einverstanden“, „in Ordnung“, „also gut“, „richtig“ usw. Ganz fragwürdig wird es, wenn aus einem flotten Kerl plötzlich ein „okayer Typ“ wird. Und dann dieses unsägliche lang- und am Ende hochgezogene „Okaayyy“, das je nach Kontext Erstaunen, Zweifel, implizite Ablehnung oder gar leicht gelangweiltes Zuhören signalisiert. Dafür gäbe es Ausdrücke wie „Echt?“, „Ach ja?“, „Tatsächlich?“, „Wie Du meinst“ oder ganz einfach „Mhh“.

Okay, O.K., ok oder wie immer man es schreiben mag – es ist das vermutlich meistgebrauchte Wörtchen der Welt, von dem niemand definitiv weiss, woher es eigentlich kommt und wofür seine zwei Buchstaben stehen. Eine der plausibleren Erklärungen ist folgende: Im Sommer 1838 kam in Boston eine seltsame Mode auf. Man benutzte Abkürzungen von absichtlich falsch geschriebenen alltäglichen Ausdrücken: „KG“ für „know go“ (no go), „KY“ für „know yuse“ (no use), „NS“ für „nuff said“ (enough said) – und eben „OK“ für „oll korrect“ (all correct), das sich erstmals 1839 in der „Boston Morning Post“ in gedruckter Form dokumentiert findet. Während die anderen Abkürzungen schnell wieder in Vergessenheit gerieten, hielt OK Einzug in alle möglichen Sprachen, landete gar mit Apollo 11 als erstes dort ausgesprochenes Wort auf dem Mond („OK. Engine stop.“) und kehrte zurück zur Erde, um sich ins Vokabular der Menschheit einzunisten.

Zugegeben, OK ist kurz, einfach, praktisch, bequem, universell und vielseitig verwendbar. Es ist aber auch einfältig, eintönig, undifferenziert und eigentlich langweilig. Trotzdem: Wir werden es wohl nie mehr los, dieses Virus. Doch vielleicht gibt es ein Mittel, um sich dagegen zu immunisieren. Bei jedem OK, das die Ohren quält oder versehentlich den Mund verlässt, schiebe man in seinem Kopf eine eigene Langversion dieser Abkürzung in den Vordergrund. Falsch geschrieben zwar, wie schon die ursprüngliche vor über 170 Jahren, aber wirkungsvoll: „oll kwatsch“.

(Verena Stauffacher)

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