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FAZ

Sprach-Akrobatik [11]

31. August 2011
Journal21
Über "über"

Unsere Zeit hat etwas Abgehobenes. Man sorgt sich nicht mehr „um“, sondern „über“ etwas. Umgekehrt ist man "über" etwas zufrieden, nicht mehr "mit" etwas. Man ringt auch nicht mehr "um", sondern "über" etwas, wie die NZZ am 30. Juni bezüglich eines Steuerabkommens der Schweiz mit der OECD meldete: „Über die konkrete Ausgestaltung wird noch gerungen.“

Kompromisse wiederum verlangen allen Beteiligten etwas ab. Kompromisse dienen Zwecken. Sie werden "für" etwas geschlossen, nicht "über" etwas, wie heute gern geschrieben wird: „Kompromiss über Vertriebenen-Gedenkstätte angenommen“ (FAZ, 30. August 2011)

Dem übermässigen Gebrauch der Präposition "über" entspricht das fast spurlose Verschwinden anderer Ausdrücke: "in Bezug auf", "im Hinblick auf". Sind diese Wendungen zu umständlich? Jedenfalls drücken sie Beziehungen und Bewegungen aus. Wenn alles nur noch „über“ ist, dann ist es einem selbst schnell über, also egal. Wie schrieb schon Goethe so schön? „Über allen Gipfeln ist Ruh.“ Goethe-Zitate passen eben über alles. Oder doch: zu allem? Mag sein. Hier jedenfalls war es völlig daneben.

S.W.

Frühere Sprach-Kolumnen befinden sich in der Rubrik "Kultur". Oder klicken Sie untenstehende Titel an.

Sprach-Akrobatik [11] S.W.

Sprach-Akrobatik [10] Lybien. "Wenn 50 Millionen eine Dummheit sagen, bleibt es eine Dummheit" (hh)

Sprach-Akrobatik [9] Gutmenschen und andere Verdrehungen. R.M.

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Sprach-Akrobatik [7] Keine unterjährige Preiserhöhung für tiefstpreisiges Toilettenpapier (hh)

Sprach-Akrobatik [6] Missbrauch mit dem "Volk" R.M.

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Sprach-Akrobatik [4] Eine Sprachverrenkung, keine Akrobatik, sind die weiblichen Wortendungen, die nur angefügt werden, um eine Verbeugung vor feministischen Ansprüchen zu machen. S.W.

Sprach-Akrobatik [3] Abzockerei auf der Teppichetage? Die Formulierung klingt flott und griffig. R.M.

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Sprach-Akrobatik [1] Kreatives aus dem Zürcher Wald. Schreiende Unke. (hh)

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