Montag, 30. März, 31. Tag des Kriegs, Teil eins des Lageberichts von Donald Trump: «Wir haben das Ziel des Regimewechsels in Iran praktisch erreicht, in Teheran gibt es jetzt nur noch verhandlungsbereite Leute.» Teil zwei: «Ich könnte mir das iranische Öl nehmen», und Teil drei: «Ich denke darüber nach, Elitetruppen auf das iranische Festland zu schicken, um das dort verborgene, auf 60 Grad angereicherte Uran heraus zu holen.»
Gleichzeitig befahl er etwas, das er eigentlich nicht (oder noch nicht) tun wollte: Er liess ein Kraftwerk, das Teheran mit Strom versorgte, bombardieren, startete also die schon einmal angedrohten, dann aber widerrufenen Attacken auf die Energie-Infrastruktur Irans. Und parallel dazu schickt er nun tausende weitere US-Soldaten in die Kriegsregion.
All das könne, hatte er noch gestern erklärt, ohne weitere Folgen bleiben, wenn man sich auf eine Verhandlungslösung einigen würde. Nur bleibt die Frage: auf welche denn? Und wenn es eine De-Eskalation zwischen den USA und Iran gäbe, würde sich dann auch Premier Netanjahu dazu durchringen, die israelischen Angriffe zu beenden?
Donald Trumps Lageberichte haben erfahrungsgemäss nur ein kurzes Verfallsdatum. Besser, als sich über seine Worte Gedanken zu machen, ist es wohl, die Tatsachen zu hinterfragen.
Bodenangriffe mit mehreren Stossrichtungen
In der Kriegsregion sind nun schon 50’000 US-amerikanische Soldaten, und im weiteren Umfeld von Iran befinden sich 16 US-Kriegsschiffe sowie zwei Flugzeugträger (der eine von ihnen ist gerade in Revision, im östlichen Mittelmeer). Diese Armada wird Donald Trump nicht sang- und klanglos zurückziehen, auch nicht nach Verhandlungen (wie sie jetzt in Pakistan geplant sind). Die Anzeichen verdichten sich im Gegenteil, dass er, unterstützt von Kriegsminister Hegseth, Bodenangriffe mit mehreren Stossrichtungen plant: an erster Stelle steht da wohl die Idee, die Insel Charg mit ihren Erdöl-Lagern und den Umschlag-Terminals zu erobern.
Nur liegt diese Insel weit im westlichen Teil des Persischen Golfs, also müssten die US-Truppen sich erst einmal den Zugang durch die Meerenge von Hormuz frei kämpfen. Dazu müssten sie wohl einen Küstenstreifen am iranischen Festland besetzen.
Dass die iranischen Revolutionswächter alles unternehmen werden, um solche Aktionen zum Scheitern zu bringen, ist vorauszusehen. Sie verfügen über etwa 200’000 Kämpfer, und hinzu kommen bis zu zwei Millionen Angehörige der Basij-Milizen, die für Einsätze gegen Invasoren zur Verfügung stehen. Einen Krieg dieser Art könnte Iran sogar auch dann noch führen, wenn das Regime keine Raketen mehr zur Verfügung hätte.
Er kann nicht verlieren, er kann nicht irren
Donald Trump scheint das nicht ernst zu nehmen. Er spricht von einem Krieg von allenfalls noch ein paar Wochen Dauer und schlägt Stimmen von militärischen Experten in den Wind, die ihn vor einer blutigen Verstrickung über (mindestens) Monate hin warnen. Warum? Weil er sich nicht irren, weil er nie verlieren kann.
Er stellt sich vor, dass seine Soldaten auch tief im Innern von Iran Aktionen unternehmen könnten – vor allem in der Region um Isfahan und Natanz, wo, tief verbunkert, rund 400 Kilogramm des auf 60 Grad angereicherten Urans lagern sollen. Dort sollen sie dann (unbehelligt von iranischen Revolutionswächtern?) tief in der Erde buddeln, um das hoch radioaktive Material zu sichern. Doch bevor sie das tun könnten, müssten sie über ca. 700 Kilometer über Feindesland hinweg geflogen werden.
Ist bei einer ähnlichen Aktion nicht schon einmal ein US-Präsident gescheitert, nämlich Jimmy Carter, als er 1980 versuchte, Truppen per Helikopter nach Teheran zu transportieren, um 53 amerikanische Geiseln aus der Gefangenschaft zu befreien?
Keine Anzeichen für Risse im iranischen System
Trump, wahrscheinlich aber auch Netanjahu, hoffen immer noch, dass sich innerhalb des iranischen Machtgefüges Risse öffnen, dass das System in Teheran erodieren würde. Bisher gibt es dafür keine Anzeichen. Man stellt, im Gegenteil, eine Verhärtung fest: je grösser der Druck von aussen, desto mehr igelt sich die Führungsschicht ein, desto hemmungsloser befiehlt sie auch Angriffe auf Länder in der Nachbarschaft – Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain und die Arabischen Emirate werden immer wieder attackiert, weil Iran sie als Verbündete der USA und Israels betrachtet. Nur schon in den Emiraten soll dieser wahnsinnige Krieg wirtschaftliche Schäden im Umfang von 120 Milliarden Dollar verursacht haben. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Dass das mittel- und langfristig zu schwerwiegenden Spannungen zwischen Iran und dessen arabischen Nachbarn führt, scheint die Iraner nicht zu kümmern. Der Eindruck verdichtet sich: Sie haben den Sinn für Realität ebenso sehr verloren, wie ihre Feinde in den USA und in Israel.