Noch nie seit Kriegsbeginn wurde die Region Kiew derart heftig bombardiert. Russland setzte erneut auch die hyperschallschnelle ballistische Rakete «Oreschnik» ein. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben.
Insgesamt feuerte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe in der Nacht auf Pfingstsonntag 600 Drohnen und 90 Raketen auf die Ukraine ab. «Leider wurden nicht alle ballistischen Raketen abgefangen», erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj. «Kiew erlitt die meisten Treffer, und Kiew war das Hauptziel dieses russischen Angriffs.»
Oreschnik kann mehrere konventionelle, aber auch nukleare Sprengköpfe tragen. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Flugbahn ist sie für die ukrainischen Luftverteidigungssysteme nahezu nicht abfangbar. Es ist erst das dritte Mal, dass Russland diese Rakete eingesetzt hat.
Selenskyj erklärte, die Oreschnik-Rakete sei nahe der Stadt Bila Zerkwa in der Zentralukraine eingeschlagen. Er betonte: «Sie (die Russen) sind wirklich völlig verrückt. Es ist entscheidend, dass das für Russland nicht ungestraft bleibt.»
Der ukrainische Aussenminister Andrij Sybiha sagte, die abgefeuerte Rakete habe einen Attrappen-Sprengkopf getragen. EU-«Aussenministerin» Kaja Kallas bezeichnet den Einsatz einer Oreschnik-Rakete als «politische Einschüchterungstaktik».
Sybiha forderte inzwischen eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Er verlangt zudem eine internationale, «starke Antwort an den Aggressor».
Der nächtliche russische Angriff auf die Hauptstadt erfolgte, nachdem Putin Vergeltung für einen tödlichen ukrainischen Angriff in einem russisch besetzten Teil der Ukraine angeordnet hatte Die Ukraine hatte am Samstag die von russischen Kräften besetzte Stadt Starobilsk östlich von Luhansk mit Drohnen angegriffen. Dabei wurden nach ukrainischen Angaben ausschliesslich militärische Ziele attackiert.