Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Sprach-Akrobatik

Selfie-Epidemie

30. Oktober 2014
Reinhard Meier
Reinhard Meier
Selfies sind nicht das Gleiche wie ein Selbstbildnis oder Selbstportrait

Schon wieder muss über die hochgradige Ansteckungspotenz angelsächsischer Wortschöpfungen berichtet werden – und je nach politischer oder kulturkritischer Perspektive kann man das bewundern oder bedauern.

Diesmal geht es um die epidemische Ausbreitung des Begriffs „Selfie“. Noch vor ein paar Jahren war diese Wortschöpfung praktisch inexistent. Doch schon im 2013  wurde „Selfie“ vom Wörterbuchverlag „Oxford Dicitionary“ zum Wort des Jahres gekürt.  Würde sich dieser Siegeszug nur auf den angelsächsischen Sprachraum begrenzen, müssten wir uns in dieser Rubrik nicht damit befassen. Aber der Begriff „Selfie“ und die damit verbundenen Tätigkeiten sind inzwischen zu einem globalen Phänomen geworden.

Ein „Selfie“ ist, wie mittlerweile jeder halbwegs weltläufige Zeitgenosse weiss, ein mit dem Mobiltelefon (vulgo: Handy) geschossenes Selbstportrait, das dann mit Vorliebe via Internet auf sogenannten sozialen Netzwerken verbreitet wird.  Das Leo-Wörterbuch schlägt vor,  „Selfie“ mit „Schnappschuss von sich selbst“, „Selbstportrait“  oder „Selbstbildnis“ zu übersetzen.

Doch mit Verlaub, damit ist der reale Stellenwert eines „Selfies“ nicht subtil genug getroffen. Ein „Selbstportrait“ oder „Selbstbildnis“ gehört doch eher einer kulturell gehobenen Sphäre an, was von den „Selfie“-Praktiken kaum jemand behaupten würde. Gerade die verkleinernde Endsilbe –-„ie“  in „Selfie“ betone das Flüchtige, vielleicht auch das häufig etwas Banale, Narzistische oder  mitunter gar Anrüchige der Selfie-Epidemie, merkt ein Internet-Kommentator an.

Übrigens gibt es innerhalb des Selfie-Booms bereits sprachliche Untergruppen, die eine deutliche Abgrenzung der verschiedenen Kategorien erlauben. Die nicht seltenen Nackt-Selfies nennt man „Nudies“, wie bei Wikipedia zu erfahren ist. Hätte der grüne Politiker Geri Müller sich mit solchen Differenzierungen auseinandergesetzt, hätte er sich vielleicht damit begnügt, nur „gewöhnliche“ Selfies zu versenden.  

Letzte Artikel

Ein Engel namens Meloni

Heiner Hug 1. Februar 2026

Was ist Wahrheit?

Christoph Zollinger 1. Februar 2026

Moskau hält sich nicht an Trumps angekündigte Feuerpause

Reinhard Meier 31. Januar 2026

Das nahe ferne Land des Ruhrgebiets

Stephan Wehowsky 31. Januar 2026

Homo fingens – die heimliche Macht der Fiktion

Eduard Kaeser 30. Januar 2026

Russische Feuerpause für ukrainische Städte?

Reinhard Meier 30. Januar 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.