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INDIAN OCEAN

Postkarte vom Ganges

26. Februar 2025
Bernard Imhasly
Varanasi
Keystone/AP/Rajesh Kumar Singh

Der «dynamische» Flugpreis liegt beim Dreifachen des üblichen Tarifs für Mumbai-Varanasi. Es ist ein untrügliches Zeichen, dass der Stadt wieder ein religiöses Fest bevorsteht. In diesem Fall ist es schnell erkannt: Die Pilgerschaft, ob zu Fuss oder mit dem Flugzeug, gilt dem Hochzeitstag von Shiva und Parvati. 

Shiva ist der Lokalgott der Stadt, neben Ma Ganga natürlich. Dass er sich bei «Mutter Ganges» niederliess, wie das die über eintausend Tempel mit dem Stein-Lingam beweisen, ist Parvati zu verdanken. Sie lockte den grossen Asketen nach Millionen Jahren endlich aus der Gebirgseinöde des Mount Meru, dem hinduistischen Olymp: in die Ehe, die Stabilität eines Haushälter-Gotts, und damit auch ins Herz und den Geldbeutel der weltältesten Handelsstadt. 

Als ich im Taxi über die Ramnagar-Brücke beim untersten der 25 Ghats fahre, ist der Ganges übersät mit Booten. Später sehe ich auf Fotos des morgendlichen Pujas, dass die Treppenstufen zum Fluss hinunter so dicht gedrängt sind mit Pilgern, dass man sich fragt, ob sie es überhaupt noch zum Wasserrand schaffen. Die Pilger steuern heute neunzig Prozent der jährlichen Einnahmen bei.

Von meinem Schiff aus, einen Kilometer stromaufwärts, ist davon nichts mehr zu spüren. Es ist im leeren Dock der Inland Waterways vertäut, einem Betonkoloss, der von zwei Bagger-Kranen überragt wird. Auch das gegenüberliegende Ufer ist leer. Statt der Ghats zieht sich ein steiler Sandhügel bis zu einem Spalier von Bäumen hoch. Ein paar Klopfgeräusche dringen über den träge strömenden Fluss, der hier vielleicht dreihundert Meter breit ist. Ich kann einen Dhobi ausmachen, der am Ufer einen Berg Wäsche weichschlägt. 

Hier beginnt meine Reise: 1400 Kilometer bis zur Mündung des Stroms, dem Tor zur aquatischen Unterwelt der Hindus. Im  Wasser, dessen Trübheit bis dreihundert Kilometer in den Indischen Ozean hinein sichtbar ist, schwimmt auch der Kohlenstaub der vielen Hindus mit, die in Varanasi eingeäschert wurden. Sie müssen sich nicht mehr über eine drohende Wiedergeburt sorgen.  Shiva hat ihnen Moksha geschenkt – die Verschmelzung mit dem göttlichen Brahman.

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