US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ruft Amerikanerinnen und Amerikaner dazu auf, «im Namen Jesu Christi jeden Tag auf gebeugten Knien» für einen militärischen Sieg der Truppen im Nahen Osten zu beten. Derweil geht Papst Leo XIV., selbst Amerikaner, zum Pentagon-Chef auf Distanz.
Pete Hegseth, der sich «Kriegsminister» nennt, betete vergangene Woche im Pentagon anlässlich des ersten christlichen Gottesdienstes seit Beginn des Kriegs gegen den Iran, Gott möge den amerikanischen Truppen Weisheit, Ausdauer für die bevorstehenden Prüfungen und unzerbrechliche Einigkeit bescheren – sowie «überwältigende Handlungsgewalt gegen jene, die keine Barmherzigkeit verdienen.» Hegseths Äusserungen wurden per Livestream verbreitet: «Lass’ jede Kugel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer grossen Nation ihr Ziel finden.»
«Sich auf Gott auf allgemeine Art zu beziehen, ist in diesem Kontext an sich nicht unüblich», sagt die amerikanische Historikern Ronit Stahl: «Aber die gezielte Hinwendung auf Jesus Christus und damit auf das Christentum sowie im Fall Hegseths auf eine besondere From des protestantischen Glaubens ist neu.» In einer Nation, deren Verfassung nicht auf einer bestimmten Religion basiere, sei es ungewöhnlich, einen führenden Politiker zu haben, der nicht nur in einem pluralistischen, sondern in einem ganz bestimmten Sinn religiös sei.
Reformen angekündigt
Pete Hegseth, ursprünglich Baptist, gehört der «Communion of Reformed Evangelical Churches” an, einem konservativen Netzwerk, das der selbsternannte christliche Nationalist Doug Wilson mitbegründet hat. Der Verteidigungsminister hat unlängst auch zwei Reformen angekündigt, was die Rolle der Armeegeistlichen betrifft, «um das Kaplankorps wieder gross zu machen». Die Pfarrer sollen künftig mehr auf Gott als auf «Selbsthilfe und Selbstpflege» fokussieren. Zudem sollen sie auf ihren Uniformen keine Rangabzeichen mehr tragen, sondern sich durch religiöse Insignien ausweisen.
Er brauche die Gottdienste im Pentagon mehr als alle andere, hatte Hegeseth bereits im Februar gesagt: «Wir kriegen viel von den Leuten der Fraktion «Freiheit von der Religion’ zu hören. Sie hassen es. Die linken Schreihälse. Was bedeutet, dass wir uns direkt über dem Ziel befinden.» Inzwischen hat die Interessengruppe «Americans United for Separation of Church and State” eine Klage eingereicht, die vom Pentagon Aufklärung bezüglich der christlichen Gottesdiente, deren Kosten und Teilnehmenden verlangt.
Religiös diverse US-Armee
Die US-Armee ist religiös divers, wobei sich 70 Prozent der Dienstleistenden als christlich identifizieren. Fast ein Viertel der Truppe fällt unter die Kategorie «anders/nicht klassifiziert, unbekannt», wozu Atheisten, Agnostiker, Juden, Muslime und Anhänger östlicher Religionen zählen.
Öffentliches Aufsehen erregte jüngst auch Brooks Potteiger, Pete Hegseths engster «spiritueller Berater» im nationalchristlichen Podcast «Reformation Red Pill». Dessen Host und Potteiger unterhielten sich über James Talarico, den demokratischen Abgeordneten des texanischen Parlaments, der im Herbst für einen Sitz seines Staates im US-Senst kandidiert.
«Gott möge ihn töten»
„Zuallererst beten wir, dass einem solchen Menschen das Herz zerrissen wird“, sagte der Host des Podcast und fügte bei: «Hier kommen die Fluchpsalmen ins Spiel. Hier betet man mit Nachdruck … Der Psalmist nimmt kein Blatt vor den Mund. Gott, vernichte sie. Mach sie zu Dreck auf dem Boden.» Und er fuhr fort: „Ich bete, dass Gott ihn (Talarico) tötet … Letztendlich bedeutet das, sein Herz zu töten und ihn zu neuem Leben in Christus zu erwecken.“ Der Aussage stimmte ¨Brooks Potteiger zu und sagte: „Richtig, richtig … Wir wollen, dass er mit Christus gekreuzigt wird.“
Er habe, meinte Hegseths Berater im Nachhinein, nicht aus vollem Herzen für James Talaricos Tod gebetet, sondern für dessen Konvertierung: «Dass der ‘alte Mensch’ sterbe und ‘mit Christus gekreuzigt’ werde, zur Auferstehung gelange mit einem neuen Herzen und einem neuen Verlangen.» James Talarico, selbst presbyterianischer Theologe, zeigte sich versöhnlich: «Jesus liebt. Christlicher Nationalismus tötet. Sie (Potteiger) mögen für meinen Tod beten. Aber ich liebe sie immer noch. Ich liebe sie mehr, als Sie mich je werden hassen können.»
Er brauche die Gottesdienste im Pentagon mehr als alle anderen, hatte Pete Hegseth bereits im Februar vor christlichen Medienschaffenden gesagt: «Wir hören viel von den Leuten der Fraktion ‘Freiheit von der Religion’. Sie hassen es. Die linken Schreihälse. Was bedeutet, dass wir direkt über dem Ziel sind.»
Der Papst widerspricht
Währenddessen sagte Papst Leo XIV. in einer Predigt während einer Messe am Gründonnerstag, die christliche Mission sei häufig verzerrt worden durch ein Verlangen nach Herrschaft, welche den Wegen von Jesus Christus völlig fremd sei. «Wir neigen dazu, uns als mächtig zu betrachten, wenn wir herrschen, als siegreich, wenn wir unsere Gleichgestellten vernichten, und als gross, wenn wir gefürchtet werden“, sagte der Papst in einer Predigt in der Basilika St. Johann im Lateran, der Kathedrale des Bischofs von Rom: „Gott hat uns ein Beispiel gegeben – nicht, wie man herrscht, sondern wie man befreit; nicht, wie man Leben vernichtet, sondern wie man es schenkt.» Ähnlich dürfte er sich in seiner Osterbotschaft äussern.
Leo XIV. hatte bereits Ende März davor gewarnt, den Namen Jesu für den Kampf anzurufen, und sagte in einer Sonntagspredigt, dass der Sohn Gottes «die Gebete derer, die Krieg führen, nicht erhört, sondern sie zurückweist“. Während seines ersten Amtsjahres hat es der amerikanische Papst vermieden, sich in die Politik seines Heimatlands einzumischen oder das Weisse Haus direkt zu konfrontieren.
Plädoyer für Nahost-Frieden
Auf die Frage eines Reporters, ob er eine Botschaft für die amerikanische Regierung habe, antwortete der Papst Ende März vor seiner Residenz in Castel Gandolfo: «Man sagt mir, Präsident Trump habe vor Kurzem gesagt hat, er würde den Krieg gern beenden. Ich hoffe, dass er nach einem Ausweg sucht, um das Ausmass der Gewalt und der Bombardierungen zu reduzieren.» Leo XIV. hat am Telefon aber direkt mit dem israelischen Präsidenten gesprochen und Isaac Herzog an die Wichtigkeit eines Dialogs und eines Endes der Konflikte erinnert, um im Nahen Osten »einen gerechten und dauerhaften Frieden» zu erreichen.