Irren ist menschlich. Oder ist das auch ein Wesenszug von Chatbots, die auf Basis generativer KI agieren? Die – aus purer Langeweile – unlängst getätigte Anfrage: WER IST SABINE WINDLIN jedenfalls lässt diesen Schluss zu.
Denn die Antworten, so originell, ja abwegig, teilweise aber auch schmeichelhaft sie ausgefallen sein mögen, haben wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun. Einzig das Fazit des digitalen Rechercheassistenten von Google entspricht zu 100 % der Wahrheit. Es lautet: «Zusammenfassend lässt sich Sabine Windlin als eine der profiliertesten Beobachterinnen des Schweizer Alltags beschreiben.» Im Sinne der Transparenz hier die ausgespuckten Resultate im Wortlaut.
Was KI-Assistenten liefern
Antwort Claude: Sabine Windlin ist eine Schweizer Politikerin der SVP (Schweizerische Volkspartei). Sie war von 2019 bis 2023 Mitglied des Nationalrats für den Kanton Aargau. Windlin ist gelernte Krankenschwester und war vor ihrer politischen Laufbahn im Gesundheitswesen tätig. In der Politik setzte sie sich insbesondere für Themen im Bereich Gesundheit und Pflege ein. Bekannt ist sie auch für ihre Positionen zu Themen wie Sicherheit, Migration und Wirtschaftspolitik, in der sie die typische SVP-Linie vertritt.
Antwort Superbot: Sabine Windlin arbeitet für renommierte Schweizer Medien, darunter für die NZZ, den Tages-Anzeiger, Annabelle, Beobachter und Weltwoche. Bekanntheit erlangte sie durch ihre Texte über pointierte, gesellschaftliche Beobachtungen. Ihre Kolumnen zeichnen sich oft durch einen humorvollen und lebensnahen Stil aus. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter Titel wie «Frisch gepflückt» oder «Wunderbare Jahre». Sie ist eine prägende Stimme in der Schweizer Publizistik, die besonders für ihre Fähigkeit geschätzt wird, alltägliche Situationen und menschliche Eigenheiten treffend zu beschreiben.
Antwort Gemini: Sabine Windlin ist eine Schweizer Journalistin und Autorin. Sie wurde 1965 in Sarnen (Kanton Obwalden) geboren. Besondere Bekanntheit erlangte sie durch ihre Texte im «Magazin», in denen sie oft mit viel Scharfsinn, Humor und Beobachtungsgabe gesellschaftspolitische Themen aufgreift. Eine ihrer bekanntesten Kolumnenreihen erschien unter dem Titel «Frau Windlin gibt zu Protokoll». Ihre Arbeit zeichnet sich durch eine Mischung aus persönlicher Erzählweise und präziser gesellschaftlicher Analyse aus. Sie befasst sich oft mit Frauenthemen, Erziehungsfragen und dem Älterwerden. Zusammenfassend lässt sie sich als eine der profiliertesten Beobachterinnen des Schweizer Alltags beschreiben.
Was stimmt, nicht stimmt und vielleicht in Zukunft einmal stimmt
Tja, wer ist nun Sabine Windlin wirklich? Fakt ist: die aufgezählten Medientitel und Themenschwerpunkte stimmen. Mit den erwähnten Buchtiteln, dem Nationalratsmandat (auch noch für den Kanton Aargau!) und der gelernten Krankenschwester liegt die Maschine jedoch komplett daneben. Bezüglich (partei)-politischer Gesinnung bin ich, wie es sich für eine Journalistin gehört, unberechenbar. Die Sache mit den Obwaldnern Wurzeln kommt hin.
Aber unverzeihlich ist, dass mich Gemini sieben Jahre älter schätzt. Entweder wurden die im Netz kursierenden Fotos schlecht interpretiert oder wirke ich aufgrund des vorgefundenen Materials (Texte und Bilder) viel reifer, sprich klüger, als ich bin. Die erfolgreiche Kolumnenreihe «Frau Windlin gibt zu Protokoll», die mir angedichtet wird, ist eine totale Ente – aber eine grossartige Idee, die ich weiterverfolgen werde. Sämtliche Lobeshymnen über meinen angeblich so scharfsinnigen und humorvollen Schreibstil und die konzisen, gesellschaftlichen Analysen entsprechen selbstverständlich den Tatsachen.
Alles fliesst
Fazit: Die maschinellen Antworten haben einen illustren Mix zu meiner Person zusammengetragen, vor allem aber eine «Wahrheit» zu Tage gefördert, der durchaus ein gewisser Reiz innewohnt. Der Mensch hat das Recht, sich immer wieder neu zu erfinden. Diese Freiheit ist ein Kernbestandteil der persönlichen Autonomie, ein Akt der Selbstbestimmung. Schon Jean-Paul Sartre vertrat die Ansicht: Der Mensch ist nicht von Natur aus auf eine fixe Identität festgelegt, sondern er ist das, was er aus sich macht. Doch wer zum Teufel ist Jean-Paul Sartre? Klar doch: Ein SVP-Nationalrat!